https://www.faz.net/-gtl-6kaej

Jacques Rogge im Gespräch : „Natürlich erwartet jeder, dass Bach antreten wird“

  • Aktualisiert am

Der Präsident und die Jugend der Welt: vier Millionen „Freunde der Spiele” auf Facebook Bild: AP

Seinem persönlichen Lieblingskind hat er das Laufen beigebracht: Am Ende der Olympischen Jugendspiele zieht Jacques Rogge zufrieden Bilanz. Der IOC-Präsident über die Premiere in Singapur, Münchens Bewerbungschancen und seinen möglichen Nachfolger.

          4 Min.

          „Wir werden Fehler machen“, haben Sie vor der Premiere der Olympischen Jugendspiele in Singapur gesagt. Was also lief falsch?

          Wir haben viel gelernt. Was wirklich besser hätte laufen können, ist die Zahl der Besucher. Augenscheinlich sind Eintrittskarten an Unternehmen abgegeben worden, die sie an ihre Mitarbeiter oder Kunden weitergereicht haben, die dann nicht erschienen sind. Das erleben wir nicht das erste Mal. Wir kennen das zum Beispiel auch von den Spielen in Peking 2008. Aber hier in Singapur hat es sich jetzt zum Besseren gewendet.

          Was steht nach dem Ende der Spiele heute auf der Haben-Seite?

          Singapur hat einen phantastischen Job gemacht. Wir wussten, dass es den Athleten gefallen wird. Einige der internationalen Verbände und Nationalen Olympischen Komitees haben an dem Format gezweifelt. Nun haben sie ihre Meinung geändert und sind auch begeistert – klar, dass uns das gefällt. Was uns aber wirklich umgehauen hat, sind die Reaktionen der Öffentlichkeit: Wir haben fünf Millionen Downloads auf Youtube, vier Millionen „Freunde der Spiele“ auf Facebook. 166 Fernsehstationen haben unser Angebot aufgegriffen, täglich eine halbe Stunde Material kostenlos zu erhalten, wenn sie zwölf Minuten davon senden. Eine eigenständige Berichterstattung hatten sie als zu teuer empfunden. Das ist schade, denn hier in Singapur sind die Sieger von Morgen.

          Der oberste Olympier: Jacques Rogge bei der Eröffnung der Jugendspiele

          Ihr Stellvertreter Thomas Bach sprach von einer „kontrollierten Öffnung“ der Jugendspiele für Sponsoren. Teilen Sie seine Sicht?

          Es wird niemals einen Auftritt von Sponsoren bei den Wettkämpfen selber geben. Das macht Olympia einzigartig. Wahr aber ist, dass wir vor dieser Premiere der Jugendspiele praktisch kein Interesse von Unternehmensseite hatten. Die wollten erst sehen, was wir machen. Ausnahmen waren Samsung, Coca-Cola und Visa. Heute, zum Ende der Spiele, sagen sie nun: Wir wollen dabei sein, wollen die Organisatoren unterstützen. In dieser Sicht stimme ich mit Thomas Bach überein. Es geht nicht um nackte Werbung, sondern um Unterstützung, um Sachleistungen.

          Man hört, das IOC habe sich die Jugendspiele etwa 80 Millionen Euro kosten lassen. Werden Sie in Zukunft Geld damit verdienen können?

          Dieses Mal haben wir als IOC die Anreise aller Mannschaften aus eigener Tasche gezahlt. Wenn nun Sponsoren einsteigen, kommt das den veranstaltenden Städten zugute. Ich glaube, auf mittlere Sicht werden wir auch nicht dazu kommen, Geld mit Übertragungsrechten an den Jugendspielen zu verdienen. Bislang haben wir nicht mal ein Wirtschaftsmodell für die Vermarktung über das Fernsehen. Es geht uns definitiv um Zuschauer, nicht um Einnahmen.

          Die nächsten Jugendspiele werden 2014 in der chinesischen Stadt Nanjing ausgetragen werden. Darüber sind viele nicht glücklich – nach Peking 2008 sind es die zweiten Spiele in China, zugleich die zweiten Jugendspiele in Folge in Asien…

          Nanjing gewann knapp vor Polen. Die Chinesen haben Erfahrung mit der Veranstaltung von großen Ereignissen. Wir müssen dort aber auf die Größenordnung achten, denn Nanjing ist wesentlich größer als Singapur.

          Fürchten Sie nicht die abermaligen Debatten über Menschenrechte, über Umwelt, über Demokratie in China?

          Wir sind auf jede Debatte vorbereitet. Ich werden die Menschen davon überzeugen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

          Wie bei den Olympischen Spielen geht es auch hier in Singapur bereits um Betrug, etwa bei Doping oder falschen Geburtsurkunden. Wo liegen die Risiken für Jugendspiele?

          Ob es Dopingfälle gab, werden wir am Tag nach der Schlussfeier erklären. Soweit sieht es gut aus. Mit Blick auf Altersangaben hat es bislang keine Beanstandungen gegeben. Aber wir schauen sehr genau auf dieses Thema. Denn das könnte ein Problem sein, dem man sehr schlecht beikommt, weil es in einigen Ländern keine korrekten Register gibt. Wir wollen es angehen, indem wir Magnetresonanzuntersuchungen einsetzen werden. Schon für die Winterjugendspiele in Innsbruck, ganz sicher in Nanjing 2014 wird diese Methode bereitstehen. Wenn es dann Zweifel am Alter gibt, werden wir es testen. Bislang sind wir da angewiesen auf zweifelhafte Bescheinigungen oder Erzählungen.

          Weitere Themen

          Dortmund muss auf Barcelona hoffen Video-Seite öffnen

          BVB in der Champions League : Dortmund muss auf Barcelona hoffen

          Dienstagabend geht es für Borussia Dortmund darum, ob das Team von Lucien Favre die Gruppenphase übersteht. Momentan punktgleich mit Inter Mailand, jedoch mit dem schlechteren Torverhältnis, muss der BVB auf ein gutes Ergebnis des FC Barcelonas bei den Italienern hoffen.

          Topmeldungen

          Nächtliche Pressekonferenz: Selenskyj, Merkel, Macron und Putin im Elysée-Palast

          Ukraine-Gipfel : Bewegung in einen versteinerten Prozess

          Der Stillstand sei überwunden, versichern Merkel und Macron nach neun Stunden Verhandlungen. Putin wittert Tauwetter. Doch Selenskyj ist skeptisch: „Mir ist das viel zu wenig.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.