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„Verrat für einen Juden“ : Anfeindungen nach Wechsel an Auschwitz-Standort

  • Aktualisiert am

Der israelische Eishockey-Profi Eliezer Sherbatov wehrt sich gegen Kritik. (Symbolbild) Bild: Imago

Der Kapitän der israelischen Eishockey-Nationalmannschaft, Eliezer Sherbatov, wird wegen seines Wechsels zum polnischen Klub Unia Oswiecim scharf kritisiert. Doch der 29-Jährige wehrt sich.

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          Der Kapitän der israelischen Eishockey-Nationalmannschaft, Eliezer Sherbatov, hat sich nach seinem Wechsel zum polnischen Klub Unia Oswiecim gegen Anfeindungen gewehrt.

          Die Stadt Oswiecim in Polen war während des Zweiten Weltkriegs der Standort für das deutsche Konzentrationslager Auschwitz. „Ich habe nicht unterschrieben, um als Tourist dorthin zu gehen, sondern um zu zeigen, dass die Juden zurückgekommen sind, stärker denn je“, schrieb Sherbatov auf Twitter.

          Nach dem Bekanntwerden seines Wechsels war Sherbatov auf Twitter von jüdischer Seite für seine Vereinswahl angegriffen worden. „Für einen Juden ist es Verrat, für ein Team in Auschwitz zu spielen, ein (...) beschämender Stoß in den Rücken von Millionen“ schrieb der New Yorker Rabbiner Elchanan Poupko. Jeder in Oswiecim sei schuldig.

          Sowohl Sherbatovs Verein als auch die Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau stellten sich hinter Sherbatov. „Wir sind zutiefst traurig und berührt von den medialen Anschuldigungen gegen den israelischen Profi Eliezer Sherbatov, der seit kurzem zu unserer Mannschaft gehört“, teilte der Klub mit.

          Vor dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust habe in Oswiecim über 400 Jahre eine jüdische Gemeinde existiert, auch einen jüdischen Fußballverein habe es gegeben. Die Gedenkstätte schrieb, die Geschichte von Auschwitz zeige die Gefahren von Stereotypen in der Wahrnehmung von anderen. Der Rabbiner zeige seine Wissenslücken oder ignoriere historische Fakten.

          Der 29 Jahre alte israelische Eishockey-Spieler wird seinen Einstand für Unia Oswiecim an diesem Donnerstag beim Freundschaftsspiel gegen den tschechischen Verein AZ Havirov geben.

          Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-45) wollten die Nationalsozialisten die europäischen Juden systematisch ermorden. Ihrem Rassenwahn fielen nach Erkenntnissen von Forschern rund sechs Millionen Juden zum Opfer. Allein in Auschwitz-Birkenau gab es nach Schätzungen mehr als eine Million Opfer, die meisten von ihnen Juden.

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