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Ironman-Sieger Lange : „Auf dem Rad dachte ich, einen schlechten Tag erwischt zu haben“

Ironman Patrick Lange: „Nach etwa 120 Kilometer auf dem Rad. Das war der Tiefpunkt“ Bild: Omori/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Patrick Lange hat erstmals den Ironman gewonnen. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Gedanken ans Aufgeben, wunschloses Glück und seinen Respekt vor dem Darmstädter Vorbild Jonathan Heimes.

          Sie haben nach Ihrem Sieg von dem Gedanken gesprochen, unterwegs aufzugeben. Wann war das?

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Nach etwa 120 Kilometer auf dem Rad. Das war der Tiefpunkt. Am Ende des Bergabstücks von Hawi nach dem Wendepunkt habe ich mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören, weil alles sehr schwer ging und ich dachte, einfach nur einen schlechten Tag erwischt zu haben. Zum Glück hat mich mein Team dazu gebracht, weiterzumachen. Und dann habe ich mich wieder ins Rennen zurückgekämpft.

          Wer war es, auf den Sie sich verlassen konnten?

          Mein Vater, meine Freundin, mein Trainer Faris al-Sultan (Hawaii-Sieger von 2005, d. Red.) und noch viele befreundete Leute, die auf Hawaii waren. Sie hatten sich über amerikanische Sim-Cards mobile Daten gekauft und standen in Kontakt mit meinem engeren Team. Sie sind auch mit dem Auto an spezielle Punkte gefahren, um mich da abzufangen und mir Zeiten und Informationen zuzurufen.

          Wann war Ihnen klar, dass Sie gewinnen würden?

          Man darf sich nie zu sicher sein auf Hawaii. Es kann in jedem Moment so viel passieren. Als ich in Kailua-Kona auf der Palani Road links abgebogen bin, am sogenannten Hot Corner, da war ich mir ziemlich sicher, dass mir der Sieg nicht mehr zu nehmen sein wird. Aber trotzdem habe ich noch bis zur Ziellinie Gas gegeben, weil man sich letztlich nie wirklich sicher sein sollte. Lionel Sanders, der hinter mir lag, ist eine absolute Kämpfernatur. Deshalb habe ich es bis zum Ende durchgezogen.

          Wann wird Ihnen klar sein, was dieser Sieg bedeutet?

          Das wird ein paar Tage, ein paar Wochen dauern. Es ist alles, wovon ich je geträumt habe. Mein ganzes Leben lang.

          Gibt es einen Traum für Sie, der ähnlich groß ist wie der, dieses Rennen zu gewinnen?

          Ehrlich gesagt: Nein. Natürlich wird die Zukunft neue Herausforderungen bringen – und damit auch neue Träume. Aber jetzt, in diesem Moment, bin ich einfach nur traumlos glücklich.

          Sie sprachen im Ziel, in den Augenblicken des Triumphes, einen Zuschauer an, um was ging es dabei?

          Es ging um Jonathan „Johnny“ Heimes, einen Jungen aus Darmstadt, der hessischer Jugendmeister im Tennis war, dann an Krebs erkrankte und in seinem zwölf Jahre dauernden Kampf gegen die Krankheit Großartiges geleistet hat. Nicht nur als Vorbild durch seinen Kampfgeist. Er hat auch eine Initiative gegründet, mit der er Geld – bislang mehr als eine Million Euro – für schwerkranke Kinder gesammelt hat. Seine Kampagne heißt: „Du musst kämpfen! Es ist noch nichts verloren.“ Im Ziel stand ein Zuschauer mit dem Trikot von Darmstadt 98 und hat gerufen: „Johnny ist bei dir!“ Ich glaube, wenn Johnny – er ist im vergangenen Jahr im Alter von 26 Jahren gestorben – diesen Sieg noch miterlebt hätte, wäre er stolz auf mich gewesen. Es freut mich ungemein, dass ich jetzt auch auf ihn und seine großartige Aktion aufmerksam machen kann.

          Was sagen Sie zu Jan Frodenos Entscheidung, nicht aufzugeben?

          So macht das ein Champion. Ich finde es gut, wie er den Konkurrenten, den Zuschauern und Fans Respekt entgegenbrachte und das Ding trotz widrigster Umstände nach Hause lief. Er hat mich unterwegs angefeuert, dafür habe ich mich bei ihm bedankt. Hut ab vor Jan!

          Von links nach rechts: Brite David McNamee, der Deutsche Patrick Lange und Lionel Sanders aus Kanada Bilderstrecke

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