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Hitze in Frankfurt : Das Ironman-Drama der Sarah True

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Die Amerikanerin Sarah True kollabiert in Führung liegend nur 900 Meter vor der Ziellinie. Bild: Reuters

Die Amerikanerin läuft beim Ironman Frankfurt dem Sieg entgegen. Doch nur 900 Meter vor der Ziellinie und mit rund sechs Minuten Vorsprung auf die erste Verfolgerin kollabiert Sarah True plötzlich in der großen Hitze.

          Daniela Bleymehl weinte daheim vor dem Fernseher, als sie die dramatischen Bilder sah. Aus Mitleid mit der Kollegin Sarah True. Das Frauenrennen des Ironman Frankfurt hat eine späte Wende genommen, welche die ganze Brutalität und Gnadenlosigkeit dieses Sports aufzeigte. Wie die Amerikanerin Sarah True einem scheinbar souveränen Sieg entgegenstürmte und dann 900 Meter vor dem Ziel regelrecht kollabierte, das ließ niemanden kalt.

          Die Darmstädter Mitfavoritin Bleymehl hatte das Frankfurter Hitzerennen kurz nach dem Wechsel auf die Laufstrecke mit Magenkrämpfen aufgegeben. „Es war ein schwerer Tag und eine noch schwerere Entscheidung, jedoch die einzig richtige“, sagte sie. Bitter für die Südhessin, die nach starken Vorleistungen in diesem Jahr bei ihrem Heimrennen groß auftrumpfen wollte. Doch kein Vergleich mit dem Schicksal von Sarah True. „Ich kann mich noch erinnern, wie ich auf die letzte der vier Laufrunden am Mainufer eingebogen bin. Ich weiß erst wieder, dass ich in einem Medizinzelt lag und mein ganzer Körper mir mitteilte, dass mein Tag beendet ist“, erzählte die 37-Jährige am frühen Abend.

          So kurz vor dem Zielstrich auf dem Römerberg und mit rund sechs Minuten Vorsprung vor der späteren Siegerin Skye Mönch ging nichts mehr bei ihr. Sie sank in die Arme eines anderen Athleten und wurde von im Nu herbeigeeilten Sanitätern von der Strecke getragen. Schon bei den vorherigen Kilometern war sie ins Schlingern gekommen, prallte einmal sogar gegen ein Brückengeländer, nahm auch eine Verpflegungsstation, die ihr hätte helfen können, nicht mehr wahr – sie hatte sich quasi besinnungslos gelaufen.

          Es war eine äußerst gefährliche Situation für ihre Gesundheit. Nur ein Arzt, aber nicht der Veranstalter könne Athleten aus dem Rennen nehmen, erklärte Renndirektor Pascal Morillon und fügte an: „Solche Bilder habe ich in meiner Karriere schon häufig gesehen.“ Trotz ihrer Drastik und Gefährlichkeit gehören sie wohl zu den Risiken, denen Athleten bei solch einer Extremsportart, zumal bei Temperaturen von knapp 40 Grad, ausgesetzt sind. „Es war verrückt heiß da draußen, um einen Marathon zu laufen“, sagte Sarah True, eine an sich exzellente Läuferin, die im vergangenen Jahr ihr Debüt auf der Langstrecke in Frankfurt (Platz zwei) gegeben hatte.

          Die Siegerin Skye Moench kam so reichlich unverhofft zu ihrem Glück, das Zielband auf dem Römerberg nach 9:15:31 Stunden hochhalten zu dürfen. Sie habe sich regelrecht erschreckt, als plötzlich die Fahrradbegleitung der Führenden neben ihr auftauchte. „Ich habe die Hitze bis zum Ende der Radstrecke kaum gespürt. Aber dann wurde mir etwas schwindelig“, erzählte Skye Moench, die deutsche Vorfahren hat und zur Pressekonferenz einen Kakao schlürfend erschien. Jeder hatte nach der ungemeinen Strapaze des Tages so seine Methoden, die Regeneration anzufachen.

          Die Buchhalterin schmiss unlängst ihren Job, um sich ohne große Sponsorenunterstützung auf eine sportliche Abenteuerreise als professionelle Triathletin zu begeben. Die Britin Imogen Simmonds kam bei ihrer Langdistanz-Premiere in 9:26:01 Stunden auf Rang zwei, musste aber anschließend auch lange medizinisch betreut werden. Dritte wurde die Kanadierin Jen Annett (9:36:25), die den stimmungsgewaltigen Zieltunnel auf dem Römer als „größten und coolsten überhaupt“ empfand. Sie sagte aber auch, dass sie den Podiumsplatz unter diesen Umständen eigentlich nicht erreichen wollte.

          Sarah True war schließlich die mit Abstand stärkste Frau im Feld – 230 von 231 Kilometern des Tages. Weil sie vor einigen Wochen in der australischen Stadt Cairns schon einmal bei einem Rennen hitzegeschädigt zusammengebrochen war, dürfte die Frankfurter Erfahrung besonders traumatisch für sie sein. Zumal sie angesichts ihres großen Vorsprungs mit halbwegs klarem Kopf vielleicht das Aus noch hätte verhindern können. Am Sonntagabend sollte sie sich noch einem weiteren Bluttest unterziehen. „Ich bin sehr traurig“, sagte Sarah True. „Das war ein sehr, sehr teurer letzter Kilometer.“

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