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Ironman in Frankfurt : Llanos bleibt unter der Schallmauer

Strahlender Sieger beim Ironman in Frankfurt: Eneko Llanos Bild: dpa

Eneko Llanos ist der neue König von Frankfurt. Das baskische Ausdauer-Wunder gewinnt den Ironman in einer Zeit unter acht Stunden. Aber auch ein Deutscher kann den „größten Erfolg“ seiner Karriere verbuchen.

          Was sind schon Siege in Florida und Schweden gegen Platz zwei in Frankfurt? „Das ist der größte Erfolg meiner Karriere“, sagte Jan Raphael. „Die Leistung heute ist weitaus höher einzuschätzen, denn nach Hawaii haben wir hier das stärkste Ironmanfeld der Welt gehabt.“ Weltmeister und Europameister in Hülle und Fülle.

          Es war ein höchst sportives Stelldichein an diesem brütend heißen Sonntag, an dem sich ein Spanier als neuer EM-Champion im Ironman fühlen darf. Eneko Llanos, der 36 Jahre alte Baske aus Vitoria-Gasteiz, ist der neue König von Frankfurt. „Er hat mich von meinem Thron gestoßen, den ich vergangenes Jahr bestiegen habe“, sagte der geschlagene Belgier Marino Vanhoenacker, der nach 8:34:00 Stunden 21. wurde.

          Llanos ist der Mann, der den Triathlon auf der Langstrecke in diesem Jahr dominiert. Sieger in Melbourne, Sieger auf der Halbdistanz auf Mallorca, Sieger beim zweitwichtigsten Rennen der Welt in Frankfurt: Mit der Präzision eines Uhrwerks spulte der stärkste Läufer (Marathonzeit 2:44:12 Stunden) im Feld der mehr als 2600 Athleten Kilometer um Kilometer ab.

          „Kurz vor dem Ziel hat mir jemand zugerufen, dass ich es schaffe, unter acht Stunden zu bleiben. Da habe ich noch mehr Druck gemacht.“ Und tatsächlich: Bei 7:59:58 Stunden blieb die Zeitmessung stehen. Der fünfmalige Ironmansieger hatte das halbe Dutzend unter der Schallmauer von acht Stunden voll gemacht.

          Am Morgen um 6.45 Uhr begann der „längste Tag des Jahres“

          Auch Jan Raphael hätte gerne das Gefühl eines süßen Sieges ausgekostet. Doch der Mann aus Hannover wusste die ihm dargebrachten Ovationen des Publikums richtig einzuschätzen. „Für mich war es auch als Zweiter einfach ein richtig guter Tag. Für viele mag es eine Riesenüberraschung sein, für mich aber ist es nicht.“

          Noch in der Stunde seines Karrierehöhepunkts vergaß Raphael nicht, sich bei seinem Edelhelfer zu bedanken. „Timo hat sehr großen Anteil. Wir beide haben gemeinsam exzellent trainiert, und noch vor dem Start hat er mir wertvolle Tipps gegeben.“ Timo Bracht, Europameister 2007 und 2009 (mit Streckenrekord von 7:59:15 Stunden), hatte Raphael in der Vorbereitung auf Frankfurt für zweimal zwei Wochen zu sich nach Eberbach in den Odenwald gebeten.

          „Auf diese dreißig Sekunden kommt es nicht an“

          Beide sind Mitglied im selben Triathlon-Team, und der erfahrenere Bracht hatte Raphael empfohlen: „Sei nicht schnell, sei stark.“ Stark im Kopf, stark in den Beinen. Der 33 Jahre alte Niedersachse konnte es sich sogar erlauben, während des finalen Marathons eine Toilette aufzusuchen. „Auf diese dreißig Sekunden kommt es nicht an“, sagte er und sollte damit Recht behalten. Es waren sogar fast fünf Minuten, die Raphael (8:07:19 Stunden) vor dem drittplazierten Holländer Bas Diederen (8:12:07) Vorsprung hatte.

          Fünfter in diesem Elitefeld der Spitzenklasse wurde der ehemalige Halbdistanz-Europameister Andreas Böcherer (8:15:13). Komplettiert wurde das gute Abschneiden der Deutschen durch Christian Ritter (Sechster, 8:16: 30), Michael Raelert (Siebter, 8:16:58) und Sebastian Kienle (Neunter, 8:18: 38). Hawaii-Sieger Pete Jacobs, der mit gehörigen Problemen beim Marathon zu kämpfen hatte und die letzte Runde gegangen war, kam nach 9:33:23 Stunden ins Ziel.

          An Unterstützung für die Athleten mangelte es nicht

          Frühmorgens waren sie noch alle zusammen. Auch Daniel Unger, der Kurzstreckenweltmeister von 2007, hatte nach dem 3,8 Kilometer langen Schwimmen im 21 Grad warmen Langener Waldsee lediglich neun Sekunden Rückstand auf die Spitze. Am Ende wurde der Bad Saulgauer Sechzehnter (8:30:04). Auf dem Rad, auf der Hatz durch die Wetterau mit seinen markanten Punkten „Heartbreak Hill“ in Bad Vilbel und „Hell“ in Maintal, war es Vanhoenacker, der sein großes Potential ausspielte und nach einer fast 180 Kilometer währenden Alleinfahrt als Erster auf die Laufstrecke wechselte.

          Doch der Titelverteidiger wurde schnell eingeholt und verlor Platz um Platz. Es war die Zeit von Llanos und Raphael. Gerade der Spanier, bestärkt durch die „beste erste Jahreshälfte meiner Karriere“, wollte „das Rennen in Frankfurt genießen“, wie er zur Einstimmung sagte.

          „Er hätte es verdient, Hawaii zu gewinnen“

          Der Ironman, ein Genuss? Bei Temperaturen von mehr als dreißig Grad im Schatten? Der finale Marathon wurde zur Hitzeschlacht. Vier Schleifen zu je zehn Kilometern plus ein kleiner Nachschlag rund um den Römerberg: Den vielen Triathlonzuschauern entlang des Mains bot sich ein Spektakel. Raphael überholte erst Llanos, dann sogar bei Kilometer zehn den führenden Vanhoenacker. Raphal - ein Kandidat für den Sieg?

          Raphael kennt sich aus in Frankfurt, wo er nun schon zum sechsten Mal gestartet ist. Er ist ein Muster an Beständigkeit. In Frankfurt kam er stets unter den besten Sechs ins Ziel. Zwei Ironmansiege in Florida und Schweden haben ihn zu einer verlässlichen Größe werden lassen. Trotzdem behagt es ihm nicht, vor allem verbal im Konzert der Großen mitzumischen. „Ich bin nicht der Typ der großen Töne“, sagt er.

          Bilderstrecke

          Auch Llanos mag es lieber, wenn ihm nicht so viele Fragen gestellt werden. Und zur Dopingproblematik schon gar nicht. Für Normann Stadler steht außer Frage, dass der besonders ausdauerstarke Spanier die „Saison seines Lebens“ zeigt. Stadler, der zweimalige Hawaii-Champion, stuft Llanos als „bärenstark ein. Er hätte es verdient, Hawaii zu gewinnen.“ Doch das können viele. Selbst Jan Raphael traut sich auf Big Island einiges zu. Bestärkt durch Platz zwei in Frankfurt, sagte er: „Jetzt kann es losgehen.“

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