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Ironman in Frankfurt : „Für mein Ego brauche ich keinen Sieg“

Der König von Kona: Pete Jacobs gewann 2012 den Ironman von Hawaii Bild: picture alliance / dpa

Das wichtigste Triathlonrennen der Welt hat Pete Jacobs zu einem begehrten Mann gemacht. Am Sonntag startet der König von Kona beim Ironman in Frankfurt. „Hundertprozentig fit“ fühlt er sich aber nicht.

          Pete Jacobs hat schon eine Vorahnung, was an diesem Sonntag passieren wird. „Sie werden mich jagen und wollen mich fangen.“ Die Gelegenheit dazu ist günstig, denn es passiert nicht alle Tage, dass der König von Kona nach Frankfurt kommt. Der 31 Jahre alte Australier hat im Oktober erreicht, wovon viele träumen: beim Ironman auf Hawaii zu triumphieren.

          Zweiter 2011, Erster 2012: Der Coup beim wichtigsten Triathlonrennen der Welt hat ihn zu einem begehrten Mann gemacht. Die Macher des Ironman Frankfurt haben schnell erkannt, dass der Hawaii-Champion ein Pfund ist, mit dem sich wuchern lässt.

          Doch Jacobs ist kein Sunnyboy. Keiner, der im Mittelpunkt stehen mag oder sich in eine Schablone pressen lässt. „Ich lebe nicht nach einem Plan, sondern nach meinem Gefühl“, sagt er und schüttelt nur den Kopf, als über das intensive Trainingspensum der Konkurrenten gesprochen wird.

          Jacobs ist kein Kilometerfresser. Keiner, der über die Umfänge kommt, um Spitze zu sein. Seinen mehr als 80.000 „Freunden“, die ihm im sozialen Netzwerk folgen, hat er mitgeteilt, ein „fragiler Athlet“ zu sein. Konkret bedeutet dies: „Ich brauche Pausen.“

          Der Trubel behagt ihm nicht

          Besonderes Privileg des erst mit 18 Jahren zum Triathlon gekommenen Jacobs: Montags ist frei. „Und wenn ich müde bin, dienstags auch.“ Jacobs ist ein Einzelgänger, dem der ganze Trubel, der seit Tagen rund um das Europameisterschaftsrennen in Frankfurt herrscht, gar nicht behagt. Gut, dass seine Ehefrau Jaimielle mit an den Main gekommen ist. Die 28-Jährige koordiniert die Sponsoren- und Medientermine, die seit Jacobs’ Coup schlagartig zugenommen haben. Fast jeder will etwas von dem Hawaii-Sieger wissen.

          Nur in der Heimat hat sich nichts geändert. „Nach meinem Erfolg stand ein einziger Artikel in der Zeitung. Das war’s.“ Dabei bietet die Familie Jacobs reichlich Stoff für schöne Geschichten. Bruder Tim ist Trainer des australischen Kajak-Vierers, der in London olympisches Gold gewann. Und der Vater war es, der Pete früh zum Schwimmen mitnahm, um ihn vor den Gefahren im Meer zu schützen.

          Montags nimmt der Triathlet Jacobs sich frei. „Und wenn ich müde bin, dienstags auch“

          Ausdruck seiner Individualität ist der Umzug von Sydney nach Noosa Heads, einem kleinen verträumten Nest, 140 Kilometer nördlich von Brisbane. Dort kann Jacobs in relativer Abgeschiedenheit Kurs auf die Klassiker nehmen. Neben Hawaii gehört auch Frankfurt dazu. „Nach Hawaii ist Frankfurt das wichtigste Rennen im Ironman“, sagt er beim Gespräch in seinem Hotel. Fast schon beiläufig erzählt er, dass bei ihm alles auch ganz anders hätte kommen können.

          „Bis zu meinem 22. Lebensjahr bin ich Landschaftsplaner gewesen. Erst dann kam der Wechsel.“ Große Stücke hält Jacobs auf Sebastian Kienle. „Das ist der Junge, der mich motiviert, mich auf dem Rad zu verbessern.“ Doch der Deutsche ist gesundheitlich angeschlagen, und auch der Australier fühlt sich nicht „hundertprozentig fit“. Auch deshalb sagt er: „Für mein Ego brauche ich keinen Sieg in Frankfurt.“ Was für Jacobs zählt, ist Hawaii.

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