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Ironman-EM in Frankfurt : Chevrots Sternstunde

  • -Aktualisiert am

Sieger des Frankfurter Ironman: Denis Chevrot Bild: dpa

Der Franzose Denis Chevrot wird Ironman-Europameister – auch dank seiner famosen Laufbestzeit. Bei den Frauen läuft Triathletin Daniela Bleymehl ein einsames Rennen.

          3 Min.

          Über acht Brücken musst du gehen. Zumindest als Athlet beim Ironman in Frankfurt, der Europameisterschaft dieser Disziplin. Und was auf der 42,2 Kilometer langen Laufstrecke zwischen den Brücken über den Main passierte, war am Sonntag ein spannender Schlagabtausch der Profis. Es war in diesem Jahr nicht die erste Garde der Langdistanz-Triathleten, die sich in Frankfurt maß. Doch sehenswerter Sport und vom Rennverlauf dramatischer als in vielen anderen Jahren in Besetzung mit mehr Weltklasse-Athleten war es dennoch.

          Zum Sieger im stimmungsvollen Zielkanal auf dem Römerberg krönte sich nach beeindruckender Laufleistung (2:38 Stunden für den Marathon) der Franzose Dennis Chevrot. In 7:52:54 Stunden insgesamt erlebte der 34-Jährige seine persönliche Sternstunde – und wirkte im Ziel nicht mal sonderlich erschöpft. Das Podium komplettierten der Pole Robert Wilkowiecki (7:56:32) und Clement Mignon aus Frankreich. Auch der wenige Sekunden dahinter ins Ziel gekommene Darmstädter Paul Schuster blieb bei seinem Heimrennen unter der Acht-Stunden-Marke.

          Alles Athleten, welche die große Chance, sich bei der EM in Frankfurt aus dem Schatten der Topstars ins Rampenlicht ihrer Disziplin zu kämpfen, mit Verve nutzten. „Wenn man die Chance auf das Podium hat, dann riskiere ich was. Und das habe ich gemacht“, sagte der 33 Jahre alte Schuster.

          Mangelnde Konkurrenz für Bleymehl

          Bei den Frauen kam es zum erwarteten einsamen Rennen an der Spitze für Daniela Bleymehl. Die Darmstädterin erreichte in 9:02:55 Stunden einen ungefährdeten, aber aufgrund von Übelkeit und Unwohlsein dennoch hart erkämpften Heimsieg. Was zum einen natürlich mit ihrer kontrollierten Leistung zu tun hatte, aber zum anderen auch an mangelnder Konkurrenz. Nur sechs Profifrauen überhaupt machten sich auf die insgesamt 231 Kilometer lange Gesamtdistanz in allen drei Disziplinen – was ein schwaches Bild für das Rennen an sich abgab.

          Der Schwund im Frauenfeld war einigen kurzfristigen Absagen geschuldet, aber wohl auch, weil das Frauenrennen seinen EM-Status (in diesem Jahr beim Ironman Hamburg Anfang des Monats) verloren hatte. „Ich hatte mir sportlich mehr vorgenommen, bin aber froh, dass ich es durchgezogen habe“, sagte Bleymehl, die als Mutter von zwei Kindern im April schon beim Ironman in Südafrika triumphiert hatte. Ihr Töchterchen Alicia wird in Kürze ein Jahr alt. Bleymehl klagte über weite Strecken des Rennens über Übelkeit.

          Souveräner Triumph: Daniela Bleymehl im Ziel
          Souveräner Triumph: Daniela Bleymehl im Ziel : Bild: dpa

          Der Ironman in Frankfurt hat längst Tradition, es war die 20. Jahresausgabe am Main für die eisernen Athleten und Athletinnen. Und es werden nach einem neuerlichen Vertragsabschluss bis 2026 noch mindestens vier weitere hinzukommen. Das erste Rennen fand am 18. August 2002 statt, damals landeten mit Lothar Leder, Jürgen Zäck und Uwe Widmann drei Deutsche auf den ersten drei Plätzen. Auch in den folgenden Jahren tummelten sich viele Einheimische auf dem Podium. Zwischen 2014 und 2019 konnten die Weltmeister Sebastian Kienle und Jan Frodeno das Rennen jeweils drei Mal gewinnen. Der weitere Deutsche unter den großen Drei hierzulande auf der Triathlon-Langdistanz, der zweimalige Hawaii-Champion Patrick Lange, ist dagegen nie warm geworden mit seinem Heimrennen.

          Still waren die Wasser des Langener Waldsees an einem Sommermorgen wie diesem. Doch nur bis 6.25 Uhr, ehe die Männer losstürmen und das Wasser mit ihren Kraulschlägen zum Brodeln brachten. Die ersten Profis, die nach 3,8 Kilometer das Schwimmen beendeten, sollten kurz darauf schon keine Rolle mehr an der Spitze des Rennens spielen. Auf der Radstrecke durch Wetterau und Main-Kinzig-Kreis wurde dann schnell klar, dass der Topfavorit an diesem Tag seine Vorliebe für den Frankfurter Ironman nicht würde erneuern können. Der hessische Wettkampf hat die Karriere von Patrik Nilsson zu guten Teilen definiert. Doch der schwedische Vorjahressieger, Dritter von 2017 und Zweiter von 2018, häufte früh einen großen Rückstand auf.

          Im Sattel drehte dann der Deutsche Boris Stein auf und setzte sich nach einem mächtigen Antritt an die Spitze des Feldes. Ein Defekt kurz vor dem zweiten Wechsel kostete den 37-Jährigen knapp eine Minute. Doch Steins Vorsprung vor der vielköpfigen Verfolgergruppe schmolz am Mainufer schnell dahin, weil Lokalmatador Schuster Ernst machte. Der Darmstädter überholte und weckte Hoffnungen auf einen überraschenden Heimsieg. Doch Chevrot stürmte nach etwa der Hälfte der Laufdistanz vorbei, obwohl er zu Beginn der dritten Disziplin eine einminütige Strafzeit wegen unerlaubten Coachings am Wegesrand absitzen musste. Der tapfere Schuster – „es ist bitter, wenn du bei Kilometer 40 überholt und Vierter wirst“ – büßte sogar noch einen Platz auf dem Podium ein.

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