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Ironman : Hitzetyp Faris Al-Sultan siegt in der Frankfurter Kälte

  • -Aktualisiert am

Jubel auf dem Römerberg: Faris Al-Sultan feiert den Sieg beim Frankfurter Ironman Bild: Foto - F.A.Z. Wolfgang Eilmes

Je heißer, desto besser - Faris Al-Sultan ist der Hitzetyp. Doch in Frankfurt fliegt er bei empfindlicher Kühle und Regen in Badehose und Top über die Strecke. Er gewinnt auch, weil das Teilnehmerfeld nur noch in die Güteklasse 1b fällt.

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          Den Shuttlebus zum See hatte er verpasst, und somit auch fast den Schwimmstart, aber am Ziel nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen kam Faris Al-Sultan rechtzeitig an. 8:13: 50 Stunden dauerte sein Arbeitstag, dann hatte der Münchner im vierten Anlauf dank einer rasanten Fahrt auf dem Rad erstmals den Ironman-Triathlon in Frankfurt gewonnen.

          „Wind, Kälte, Regen - es waren Monsterbedingungen“, sagte der Dreiunddreißigjährige, dem am Ende eine mäßige Marathonzeit von 2:57:25 Stunden zum Sieg reichte. Zweiter wurde der Hannoveraner Jan Raphael mit 5:41 Minuten Rückstand vor Michael Göhner aus Reutlingen, der eine weitere Minute zurücklag. Bei den Frauen gewann die Schweizerin Caroline Steffen nach 9:12:13 Stunden und einem quälenden Marathon, bei dem sie mehrmals wegen Krämpfen Gehpausen einlegen musste. „Es war einfach zu kalt“, sagte die völlig erschöpfte Siegerin im Ziel. „Ich habe beim Laufen meine Zehen nicht mehr gespürt, ich war wie eingefroren.“

          Dass ausgerechnet Faris Al-Sultan den widrigen Bedingungen erfolgreich trotzte, hätte die Konkurrenz nicht vermutet. Der Bayer mit irakischen Wurzeln startet für das Abu Dhabi Triathlon Team, trainiert am liebsten im arabischen Emirat in Al Ain, von wo er manchmal zu einer Rad-Tagestour über 350 Kilometer nach Abu Dhabi und zurück aufbricht, er fährt dann in sengender Hitze auf dem Randstreifen der Autobahn quer durch die Wüste.

          Am Main beträgt Al-Sultans Vorsprung schon neun Minuten

          Al-Sultan ist ein Hitzetyp, je heißer, desto besser, doch in Frankfurt flog er bei empfindlicher Kühle und Regen in Badehose und Top über die Radstrecke. Während er einsam an der Spitze radelte, litt die Konkurrenz unter der Kälte, am Schlimmsten erwischte es Nicole Leder, die Darmstädterin kollabierte beim Wechsel zum Laufen. Horst Reichel, Erster nach dem Schwimmen, gab auf der Radstrecke wegen Unterkühlung auf.

          Faris Al-Sultan, den seine Betreuer vor dem Rennen vergebens davon zu überzeugen versucht hatten, ein etwas wetterfesteres Outfit zu wählen, fuhr dem Feld voraus und hatte schon nach dem Radfahren seine härtesten Widersacher weit hinter sich gelassen. Als er am Mainufer in die Laufschuhe schlüpfte, betrug sein Vorsprung vor dem Zweiten, dem Franzosen Sylvain Sudrie, rund neun Minuten. Raphael lag dreizehn Minuten zurück, Göhner sechzehn, und der Neuseeländer Cameron Brown 24 Minuten.

          Es war der erste große Langstreckensieg für Al-Sultan seit seinem Triumph auf Hawaii 2005. Im vergangenen Jahr hatte er den Ironman in Regensburg gewonnen, und auch in Malaysia gewann er 2008, aber wirklich große Rennen sind das nicht. Und die Frage ist: War dieser Frankfurter Ironman, der offiziell als Europameisterschaft firmiert, ein großes Rennen? Die Veranstalter um Kai Walter wurden nicht müde, das zu behaupten, verwiesen auf mehr als fünfzig Profis am Start, aber die Realität sah anders aus.

          Die Raelerts, Kienle, Bracht und McCormack fehlen

          Der Frankfurter Ironman hat pünktlich zu seinem zehnjährigen Bestehen die Marktführerschaft in Deutschland an den Erzrivalen in Roth verloren, wo vor zwei Wochen, ebenfalls zum zehnjährigen Jubiläum, Topstar Andreas Raelert (Rostock) und die Britin Chrissie Wellington mit zwei Weltbestzeiten für den bisherigen Höhepunkt des Triathlonjahres sorgten. Die Veranstaltung in Roth, von der die finanzstarken Frankfurter vor zehn Jahren die Ironman-Lizenz übernahmen, hat mittlerweile mit der Challenge-Serie eine ernstzunehmende Konkurrenz aufgebaut, um so mehr schmerzt die Hessen der diesjährige Abstieg.

          Das Frankfurter Feld, in früheren Jahren ein Who is Who der Langstrecke mit den besten Deutschen und meist auch mit dem aktuellen Hawaii-Sieger, fiel diesmal nur noch in die Güteklasse 1b. Andreas Raelert und Sebastian Kienle starteten in Roth, Timo Bracht zog Lanzarote vor, der australische Hawaii-Champion Chris McCormack ist auf die Kurzstrecke gewechselt, und Raelerts Bruder Michael musste in der Woche vor dem Frankfurter Rennen wegen einer Verletzung absagen. Im Frankfurter Umfeld werden nun die Stimmen lauter, die sagen, dass Frankfurt mit seinem über die Jahre gepflegten Anspruch als 1a-Veranstaltung mit 1a-Sponsoren kein 1b-Feld an den Start schicken könne.

          Der Ironman Frankfurt steht vor einer schwierigen Zukunft

          Dass Athleten wie Andreas Raelert in diesem Jahr Frankfurt mieden, hatte einen Grund. Es ist auch ein stiller Protest gegen die Entwicklung innerhalb des Ironman-Imperiums, das von seinem Besitzer, dem amerikanischen Finanzinvestor Providence, auf Gewinnoptimierung getrimmt wird. Es geht auch um Antrittsgelder, die nun spärlicher fließen. Für die Hessen mit ihrem Zwei-Millionen-Etat ist das eine gefährliche Entwicklung.

          Der Ironman Frankfurt, das ist das Ergebnis eines verregneten Sonntags, steht vor einer schwierigen Zukunft, darüber konnte auch der Sieg von Faris Al-Sultan nicht hinwegtäuschen. Veranstalter Kai Walter steht mit dem Rücken zur Wand. Er weiß, dass er sich dauerhaft ein vergleichsweise schwaches Starterfeld in Frankfurt nicht leisten kann. Im nächsten Jahr, sagt er, beginne das Spiel von Neuem. Das Spiel um die besten Namen im Triathlon.

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