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Kienle gegen Lange : Der Clinch der Deutschen beim Ironman

Einer, der die Regeln dehnt? Patrick Lange, Titelverteidiger von Hawaii. Bild: Pohlmann

Die Triathlonstars Patrick Lange und Sebastian Kienle erheben vor dem Ironman auf Hawaii gegenseitig teils schwere Vorwürfe: Es ist eine Debatte um sportliche Integrität.

          Ironman Hawaii – zwei Worte, die den Ruhepuls jedes Triathleten steil nach oben treiben. Am Samstag ist es wieder so weit. Um 6.35 Uhr Ortszeit wird das Spektakel auf Big Island, der größten Insel des pazifischen Archipels, gezündet. Als Titelverteidiger geht der Darmstädter Patrick Lange ins Rennen, der nach seinem Wechsel von der Kurz- und Mitteldistanz auf die Langstrecke im Jahr 2016 eine exorbitante Leistungssteigerung hingelegt hat – ebenso wie die Schweizerin Daniela Ryf, die 2014 auf die Ironman-Distanz wechselte und seither dreimal auf Hawaii gewann.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Während die Schweizerin am Samstag wieder als haushohe Favoritin ins Rennen geht und alles andere als ein Sieg mit deutlichem Vorsprung eine Sensation wäre, hat Lange mit harter Konkurrenz zu kämpfen. Und mit einer Diskussion um seine sportliche Integrität, die er selbst losgetreten hat. Auf die Frage, wie er seinen deutschen Konkurrenten Sebastian Kienle einschätze, den Hawaii-Champion von 2014, sagte Lange gegenüber dieser Zeitung, dass Kienle beim Radfahren einen ordentlichen Vorsprung herausfahren müsse, den werde er brauchen, denn: „Es gibt niemanden, der mich mehr motiviert als Sebastian Kienle.“ Warum?

          „Da sind in der Vergangenheit ein paar Sachen von seiner Seite gekommen, die nicht hätten sein müssen. Um es politisch korrekt zu sagen: Wir sind zwei Athleten, die komplett unterschiedliche Renntaktiken haben. Dass wir aneinander geraten, ist programmiert, weil er es verachtet, wenn man auf der Radstrecke nicht die Bäume ausreißt, vorneweg fährt und die Offensive sucht, sondern so wie ich meine Renntaktik gestalte. Ich richte mich auf dem Rad eher nach den anderen, ich bleibe dran, versuche immer legal zu fahren, halte lieber zwei Meter mehr Abstand als vorgeschrieben. Ich fahre aber, wenn ich mich an einem starken Radfahrer orientiere, eher hinterher.“

          Kienle: „Er überschreitet Grenzen“

          Die Radrennfahrer, denen sich Kienle nahe fühlt, haben dafür ein hässliches Wort: Lutscher. Kienle würde einen Konkurrenten nicht so nennen, aber er sendet überaus deutliche Worte an die Adresse des Weltmeisters. „Ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich mit allen Profis gut auskomme, nur Doper und Leute, die ständig probieren, die Regeln maximal zu dehnen und oft auch überschreiten, bilden da die Ausnahme.“ Dass er Lange für einen maximalen Regeldehner hält, daraus macht Kienle kein Hehl. „Wir kennen uns seit vielen Jahren, noch von der Mitteldistanz her, und was sein Verhalten in Rennen betrifft, so hat sich nichts geändert. Das war auch auf der Mittelstrecke schon immer grenzwertig. Lange hat in den vergangenen vier Jahren immer wieder Zeitstrafen wegen Windschattenfahrens, Blocking oder Coaching bekommen, auch auf Hawaii. Wenn das einmal passiert, dann kann es sein, dass ein Kampfrichter einen Fehler gemacht hat oder dem Athleten das aus Versehen passiert ist, aber wenn das ständig passiert, ist es kein Zufall. Es gibt im Feld genug Athleten, die seit 15 Jahren ohne Strafe unterwegs sind.“

          Einer, der deutliche Worte sendet: Sebastian Kienle, einstiger Hawaii-Champion.

          Kienle erinnert daran, dass auf der Radstrecke nicht überall Kampfrichter sind, das ist nicht möglich auf einer 180 Kilometer langen Distanz mit vielen Gruppen, die unterwegs sind. „Deshalb sehen wir Athleten auf der Strecke oft mehr als die Kampfrichter, wir sehen, wie sich andere Athleten verhalten, wenn keine Kampfrichter anwesend sind. Und wenn ich nach dem Schwimmen auf dem Rad gegenüber Lange erst einmal einen Rückstand aufholen muss und von hinten auf seine Gruppe auffahre, dann ist es oft so, dass in seiner Gruppe alle die geforderten zwölf Meter Abstand einhalten und er am Ende des Feldes sechs Meter hat und sich immer wieder umschaut. Wenn man es freundlich ausdrücken will, dann testet er die Grenzen aus, und er überschreitet sie auch.“

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