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Kienle gegen Lange : Der Clinch der Deutschen beim Ironman

  • -Aktualisiert am

Jan Frodeno, der Superstar der Szene, der seine Teilnahme auf Hawaii wegen einer Verletzung absagen musste, pflichtet Kienles Einschätzung bei. „Dass sich Lange auf dem Rad immer versteckt und verstecken wird, das kann mich noch so aufregen, aber das ist sein gutes Recht. Dass er dabei manchmal über das Ziel hinausschießt, ist so. Er hat schon immer mit den Abständen in Radgruppen gespielt. Er hat immer versucht, daraus einen Vorteil zu ziehen und die Grenzbereiche auszuloten.“ Für den kommenden Samstag, sagt Kienle, hoffe er, „dass Lange auf dem Rad mehr Arbeit verrichten müsse. Frodeno hat ihn bei seinem EM-Sieg im Juli in Frankfurt schlau in diese Position gebracht, und das ist ihm nicht bekommen. Lange startet auf Hawaii als Weltmeister, der seinen Titel verteidigen will. Deshalb werden die anderen in seiner Radgruppe hoffentlich sagen: Jetzt fahr du mal vorne.“

Animation: FAZ.NET-Multimedia

Lange kontert, das sei letztes Jahr schon so gewesen. „Wegen meiner guten Leistung 2016 bin ich schon da in jeder Radgruppe, in der ich war, nach vorne geschickt worden. Wenn ich mal vom Gas gegangen bin, um mich ablösen zu lassen, was die vorne ja auch machen in ihren Grüppchen, wurde der Kopf runtergenommen und gesagt: Fahr du! Erst bei Kilometer 160 habe ich einen gefunden, der gesagt hat: Okay, ich helfe dir.“ Boris Stein, einen Deutschen, mit dem Lange befreundet ist, der dieses Jahr auf Big Island aber verletzt fehlt.

Langes bisherige Saison ist alles andere als perfekt gelaufen, in Frankfurt wurde er Dritter und von Frodeno deutlich distanziert. Während Frodeno dann in Südafrika in einem spektakulären Rennen, einem der besten in der Triathlon-Geschichte, die Weltmeisterschaft über die Halbdistanz gewann, wurde Lange über dieselbe Distanz in Rügen nur Zweiter. Nur? Lange will das so nicht stehenlassen. Er sei in einer neuen Situation, sagt er. „Die Zielscheibe auf dem Rücken ist riesengroß“ – jeder wolle den Weltmeister schlagen, für ihn sei das Ehre, Last und Ansporn zugleich.

Dass Frodeno auf Hawaii verletzt fehlt, kommt Lange zugute. Mit Kienle, dem kanadischen Vorjahreszweiten Lionel Sanders und dem Spanier Javier Gomez stehen jedoch starke Konkurrenten am Start. Frodenos Ausfall, sagt Lange, sehe er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite sei der größte Konkurrent nicht am Start, was bedeute, dass „es für mich auf jeden Fall eine Plazierung weiter nach vorne geht. Auf der anderen Seite hätte ich natürlich gern das Duell mit ihm gehabt. So bleibt vielleicht das Geschmäckle, dass der beste Athlet dieser Saison gefehlt hat“. Aber so sei es eben im Sport. „Es geht auch darum, am Ende der Saison noch konkurrenzfähig zu sein.“ Und eben nicht verletzt. Frodeno laboriert an einem Ermüdungsbruch im Iliosakralgelenk.

Langes Taktik am Samstag ist klar. Mit der Spitzengruppe aus dem Wasser kommen, beim Radfahren – wie gewohnt – Kraft sparen und beim Laufen dann Vollgas geben. Vielleicht, hofft er, lasse sich auch eine Koalition mit Gomez schmieden. „Ich glaube, dass er die gleiche Renntaktik hat wie ich und dass man sich da befruchten kann. Dieses Jahr gibt es diese krass starken Radfahrer: Sanders, Kienle, den Australier Cameron Wurf und den Amerikaner Andrew Starykowicz. Und es gibt mit Gomez und mir eine ganz starke Läuferseite. Es gibt zwei Fronten. Es gibt Schwarz oder Weiß.“ Lange oder Kienle. Hund oder Katz. Soll heißen: Entweder es gewinnt ein Läufer, oder es gewinnt ein Radfahrer. Zuletzt hatten die Läufer immer die Nase vorn. Der letzte Radspezialist hat 2014 gewonnen: Sebastian Kienle.

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