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Ironman : Traum und Albtraum auf Hawaii

Patrick Lange beendete den Ironman als Dritter – und konnte es selbst kaum glauben Bild: dpa

Der Ironman auf Hawaii ist das Ziel aller Triathleten. Für Patrick Lange endete er in diesem Jahr mit einem Glückscocktail ohnegleichen – für Daniela Sämmler hingegen mit einem fürchterlichen Einbruch.

          Es war einer der denkwürdigsten Zieleinläufe in der Geschichte des Ironman-Triathlons auf Hawaii. Patrick Lange aus Darmstadt lief am 8. Oktober als Dritter über den berühmten Alii Drive ins Ziel; ein Mann, der sein Glück nicht fassen konnte, überwältigt von seinen Gefühlen. Während sich Sieger Jan Frodeno, der 4:44 Minuten früher angekommen war, noch immer am Rande des Zusammenbruchs bewegte, schwebte Lange auf Wolke sieben. „Ein unfassbarer Cocktail aus Gefühlen, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll“, sagte er. „Ich habe am ganzen Körper Gänsehaut, es ist wie tausend Geburtstage, Weihnachten und Ostern zusammen, alles in zehn Sekunden.“

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Lange war - nach 3,8 Kilometern Schwimmen und 180 Kilometern Radfahren von Platz 23 aus auf die abschließende Marathonstrecke gegangen - und mit der schnellsten jemals auf Hawaii gelaufenen Zeit (2:39:45 Stunden) auf Platz drei vorgestürmt, seine Gesamtzeit: 8:11:14 Stunden. Wenn er sich heute, ein paar Wochen danach, die Bilder noch einmal anschaut, dann ist es ein strahlendes Lächeln, das die Gefühle von damals widerspiegelt. Woraus hat er bestanden, der hawaiianische Glückscocktail? „Freude, Ungläubigkeit, Stolz, Dankbarkeit, alles war reingemischt“, sagt er. „Du bereitest dich ewig auf diesen Tag vor, aber du kannst nicht wissen, was an diesem Tag passiert. Die Strecke ist so lang.“

          Daniela Sämmler

          Derselbe Tag, dieselbe Ziellinie. Viel später. Daniela Sämmler, ebenfalls in Darmstadt zu Hause und wie Patrick Lange zum ersten Mal beim weltweit größten Triathlonrennen am Start, erreicht nach 10:35:28 Stunden die Ziellinie. Ihre Laufzeit: 4:14:08, mehr als eine Stunde ist sie im Marathon langsamer als im Juli bei der Europameisterschaft in Frankfurt, wo sie als Dritte die Qualifikation für die WM auf Big Island geschafft hatte. Wie Lange ist sie nun auf Hawaii als 23. auf die Laufstrecke gegangen, jetzt taumelt sie als 77. Frau über die Ziellinie, Sanitäter und Ärzte befürchten das Schlimmste, man bringt sie ins Sanitätszelt, dann ins Krankenhaus. Für Patrick Lange ist Hawaii ein Traum, für sie wird es zum Albtraum.

          Lange ging auf Hawaii erst zum zweiten Mal auf die lange Triathlonstrecke. Seine Premiere hatte er im Mai in Texas überraschend gewonnen. Geplant war das nicht, Ziel war ein Platz in den Top Ten, so aber hatte er plötzlich die Qualifikation für Hawaii in der Tasche. Der Start auf der Pazifikinsel war eigentlich erst fürs nächste Jahr eingeplant. Aber schon in Texas war klargeworden, wie schnell Lange laufen kann. Sein Trainer Faris Al Sultan, der Hawaii-Sieger von 2005, hatte ihm eine Zeit von 4:03 Minuten pro Kilometer empfohlen, doch diese Vorgabe warf Lange schnell über Bord, er lief anfangs Zeiten von 3:40 Minuten und entschloss sich, sein eigenes Ding zu machen. „Ich weiß, wie sich Laufen anfühlt, wenn es gut ist, und darauf habe ich mich verlassen“, sagt er. „Aber da war natürlich auch immer die Sorge: Was, wenn du nach 30 Kilometern hochgehst?“ Doch dazu kam es nicht, Lange lief sein Tempo durch - und holte sich den Sieg in Texas.

          Jetzt also Hawaii. Die Radstrecke. Auf der Abfahrt von Hawi hinunter zum Meer hat Lange einen Durchhänger, es bleibt der einzige. Bei Rad-Kilometer 100 lässt er kurz abreißen, kann dann aber das Loch wieder zufahren. „Ich habe mir unterwegs auch Phasen gegönnt“, sagt er, „wo ich gesagt habe, okay, jetzt schaltest du mal zwei Minuten ab und lässt es so vor sich hin plätschern.“ Und dann Platz 23 nach dem Radfahren. Nicht das, was er sich vorgestellt hat. Aber der Zeitabstand nach vorn, elf Minuten, ist noch okay. „Ich hatte mir von vornherein gedacht, wenn es nicht so gut läuft, dann könntest du auch mit 15 Minuten Rückstand auf den Führenden immer noch ein gutes Rennen machen.“ Jetzt sind es elf Minuten, und würde man die fünf Minuten abziehen, die er nach einer Unachtsamkeit beim Überholen auf der Radstrecke im Strafzelt absitzen musste, dann wären es nur sechs. Lange zieht die Laufschuhe an und stürmt davon.

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