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Ironman : Traum und Albtraum auf Hawaii

Ihr Trainer macht sich später Vorwürfe, weil er sie nicht zum Aufhören überredet hat, aber sie beruhigt ihn, das hätte sie selbst entscheiden müssen. Der Zieleinlauf auf dem Alii Drive, das Traumziel aller Triathleten, wird für Daniela Sämmler zum Finale einer gewaltigen Tortur, sie geht immer noch, auf der Ziellinie hängt man ihr die Medaille um, die jeder Finisher bekommt, dann bringt man sie ins Sanitätszelt, sie legt sich hin, wird kurz bewusstlos, bekommt eine Infusion. Spätabends dann die Fahrt ins Krankenhaus, weil die Schmerzen nicht nachlassen. Der Verdacht auf Blinddarmentzündung bestätigt sich nicht. Am nächsten Morgen eine Bauchspiegelung, man befürchtet ernsthafte Folgen einer Sauerstoffunterversorgung, doch dann Entwarnung. Daniela Sämmler muss eine weitere Nacht im Krankenhaus bleiben, dann darf sie zu Familie und Freunden zurück. „Ich bin nicht stolz darauf, das Rennen auf diese Weise zu Ende gebracht zu haben“, sagt sie heute. „Ich bin einfach nur froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“ Auch bei Untersuchungen, die sie später in Deutschland machen lässt, finden die Ärzte keine Ursache für den Einbruch auf Hawaii. Woran es letztlich gelegen hat, weiß sie bis heute nicht. Sie weiß nur, dass dieser Hawaii-Trip unter einem schlechten Stern stand. Ihr Freund, ein angehender Mediziner, der sich beim Ironman auf Mallorca für das Rennen auf Big Island qualifiziert hatte, konnte dort wegen eines Infektes nicht einmal an den Start gehen - und den geplanten Abstecher in der Woche danach auf die Nachbarinsel Kawaii mussten sie auch streichen.

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Was nun? Wie geht es weiter? Wie verarbeitet sie den sportlichen Albtraum? Geht es überhaupt weiter? „Auf jeden Fall“, sagt Daniela Sämmler. „Es gibt auf jeden Fall ein nächstes Mal.“ Sie ist jetzt 28, kein Alter für eine Langstreckentriathletin, sie ist Profi seit 2013 und Mitglied des renommierten Erdinger-Teams. Und sie ist wieder im Training für die kommende Saison. Den Rennkalender hat sie noch nicht ausgearbeitet, Hawaii wird wohl nicht dabei sein, sondern erst im übernächsten Jahr wieder auf dem Programm stehen. Und sie wird sich in der Planung für die großen Rennen auch auf Situationen vorbereiten wie jene, die sie auf Hawaii erlebt hat. „Man muss sich mit solchen

Situationen auseinandersetzen“, sagt sie. „Man muss unterscheiden können: Sind das jetzt nur schwere Beine, oder stimmt etwas nicht mit mir? Was auf Hawaii passiert ist, wird mir nicht noch einmal passieren.“ Sprich: Man muss lernen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Notbremse zu ziehen.

Langes Traum geht weiter – das Ziel ist klar

Und Patrick Lange? Sein Traum geht weiter. Er ist jetzt 30 Jahre alt, und sein Ziel ist klar: Hawaii. Dort will er gewinnen, wenn nicht nächstes Jahr, dann übernächstes. Bis März 2016 hatte er noch halbtags als Physiotherapeut gearbeitet, vor einem Jahr war er noch ohne Sponsor dagestanden, dann fand er eine Firma, die an ihn glaubte und ihm einen Dreijahresvertrag gab, und er beschloss, alles auf die Karte Triathlon zu setzen. In einem Trainingslager lernte er Faris Al Sultan kennen, gewann ihn als Trainer, und das Erste, was ihm der Hawaii-Champion von 2005 sagte, wird er nie vergessen: „Du hast nicht genug Talent, um ein großes Rennen zu gewinnen.“ Ob der Münchner das genau so meinte oder ob er Lange nur zu mehr Leistung provozieren wollte - sein Satz zeigte Wirkung, Lange wollte dem Champion etwas beweisen, und nach seinem dritten Platz auf Big Island zweifelt niemand mehr daran, auch Al Sultan nicht, dass Lange jedes Rennen gewinnen kann, auch Hawaii. Er kann es nicht erwarten, dort wieder am Start zu stehen, den Gefühlscocktail noch einmal zu genießen, und natürlich ist er motivierter denn je. „Hintenraus eine solche Zeit laufen zu können ist eine echte Waffe, die muss ich noch ein bisschen schärfen“, sagt er. „Ich will auch ökonomischer Rad fahren, um weniger angeknockt und mit noch mehr Power auf die Laufstrecke zu gehen.“ Sein Traum lebt. Sein Traum von einem Sieg. Einem Sieg auf Hawaii.

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