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Ironman Frankfurt : Wellington und McCormack erobern den Römer

Er gegen den Rest der Welt: Sieger McCormack Bild: ddp

Sie wollten gewinnen, sie haben gewonnen: Die Engländerin Chrissie Wellington und der Australier Chris McCormack triumphierten beim Ironman-Triathlon in Frankfurt. Die besten deutschen Athleten wurden Zweiter und Dritter.

          3 Min.

          Auf den letzten Metern hat er noch einmal schlagartig das Tempo angezogen. Schließlich wollte Chris McCormack bei seiner Ironman-Premiere in Frankfurt unter acht Stunden bleiben. Der sprintende Australier schaffte es um fünf Sekunden - und als er die Ovationen des begeisterten Publikums entgegennahm, wusste der amtierende Weltmeister, dass es richtig war, erst im reifen Ironman-Alter von 35 Jahren bei dem Europameisterschaftsrennen gestartet zu sein.

          „Es war ein unglaublich beeindruckendes, phantastisches Rennen“, sagte McCormack. „Hier auf dem Römerberg ist der schönste Zielkanal der Welt, und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr.“

          Zweiter des bestens besetzten Ironman-Rennens, bei dem die ersten vier unter dem alten Streckenrekord blieben, wurde der Spanier Eneko Llanos (8:00:49) vor dem deutschen Titelverteidiger Timo Bracht (8:04:16). „Ich bin mit Wut im Bauch gelaufen“, sagte der Eberbacher. „Ich bin richtig rausgeknallt, aber zum dritten Mal schon bin ich bester Deutscher und sehr glücklich.“

          Er gegen den Rest der Welt: Sieger McCormack Bilderstrecke

          Bei den Frauen gab es die erwartete Lektion durch Chrissie Wellington. Die Hawaii-Siegerin schaffte in ihrem vierten Ironman-Rennen den vierten Erfolg (8:51:24 Stunden), verpasste die vierzehn Jahre alte Weltbestzeit von Paula Newby-Fraser nur um 31 Sekunden. Die Engländerin musste lange warten, ehe die brillant laufende Vorjahressiegerin Nicole Leder (9:17:26) gleichfalls unter dem Jubel der Zuschauer die Ziellinie passierte. „Wahnsinn, was Chrissie Wellington geleistet hat“, sagte Nicole Leder, die sich „nach diesem überaus harten Rennen super happy“ fühlte.

          „Was glaubt ihr eigentlich, warum ich gekommen bin?“

          In dem Maße, in dem McCormack eine neue Ära auf der Ironman-Distanz einleiten dürfte, steht auch Chrissie Wellington für eine neue Zeitrechnung auf der Ultrastrecke. Weit und breit ist jedenfalls derzeit keine Frau in Sicht, die der 31 Jahre alten ehemaligen Entwicklungshelferin gefährlich werden könnte.

          Schon am frühen Morgen, als McCormack als Sechster mit 43 Sekunden Rückstand auf den 25 Jahre alten Freiburger Mathematikstudenten Andreas Böcherer (43:55 Minuten) nach dem 3,8 Kilometer langen Schwimmen dem Langener Waldsee entstieg und in die Wechselzone lief, war etwas von der Anspannung zu spüren, die auf dem erfolgsverwöhnten Seriensieger aus Sydney lag. Als großer Favorit und mit markigen Sprüchen zum ersten Mal in seiner Karriere in Frankfurt an den Start gegangen („Was glaubt ihr eigentlich, warum ich gekommen bin? Natürlich, weil ich gewinnen will“), hatte McCormack Probleme mit der Startnummer, die er nicht über seinen Helm gezurrt bekam. Erst als Cheforganisator Kurt Denk die Rennmaschine des Australiers festhielt, konnte McCormack für Ordnung sorgen.

          Frank Vytrisal: „Ein Schlag ins Gesicht“

          Ordnung - das heißt für ihn zugleich auch Kontrolle und Dominanz über das Starterfeld. Doch es war zunächst der deutsche Hawaii-Sieger von 2005, Faris Al-Sultan, der eine Vierergruppe mit McCormack, Böcherer und dem Spanier Eneko Llanos 133 Kilometer lang anführte, ehe McCormack die Führung übernahm. Doch auch ihm gelang es nicht, sich abzusetzen. Im Gegenteil. Der deutsche Mitteldistanzmeister Böcherer fuhr als Erster in die Wechselzone. Als es jedoch auf die finale Marathonstrecke ging, lag Siegläufer McCormack wieder vorn.

          Zu diesem Zeitpunkt saß Frank Vytrisal (Siehe: SOLO - Teil 19 - Frank Vytrisal über Alleinsein) schon frustriert zu Hause in Darmstadt. Eine Ohrenentzündung, unter der der 41 Jahre alte Berufsschullehrer seit Donnerstag litt, hatte ihn nach nur zwölf Kilometern auf dem Rad zur Aufgabe gezwungen. Dies war umso bitterer für den Dritten der beiden vergangenen Jahre, weil er erstmals als Profi auf Zeit mit anderen Möglichkeiten und anderen Träumen in sein Heimrennen gegangen war. „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, sagte Vytrisal. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon einmal aufgeben musste.“

          Was die Zuschauer an der Strecke beim Marathon geboten bekamen, war zunächst ein von Taktik geprägter Zweikampf. McCormack und Llanos liefen Seite an Seite mit großem Vorsprung vor ihren Verfolgern, machten Späßchen, winkten ins Publikum. Nach zwölf Kilometern zeigte der Australier sogar das Victory-Zeichen.

          McCormacks Soloshow könnte noch Jahre anhalten

          Er schien sich sicher zu fühlen, das nach Hawaii zweitwichtigste Langstreckenrennen der Welt für sich zu entscheiden. „Ich bin als Weltmeister nach Frankfurt gekommen, um hier Europameister zu werden. Das geht nur, wenn du in der Lage bist, den schnellsten Marathon zu laufen.“ Schnell vermochte auch Titelverteidiger Timo Bracht die 42,195 Kilometer hinter sich zu bringen. Nach der 180 Kilometer langen Radhatz mit sieben Minuten Rückstand noch scheinbar hoffnungslos abgeschlagen, machte der Zweiunddreißigjährige nach und nach Boden gut. Nach der Hälfte der Strecke passierte er sogar Al-Sultan, der bei Kilometer 25 aufgab.

          In der Vorbereitung auf Frankfurt fühlte sich Bracht stark wie nie. „Ihr werdet den schnellsten Timo Bracht sehen, den es je gab“, versprach er vor dem Rennen und wollte dies auch als Kampfansage an McCormack verstanden wissen. Doch der Australier betreibt Triathlon in einer anderen Liga. McCormack gegen den Rest der Welt - und gegen die geballte und geschlagene deutsche Ironman-Elite. McCormacks Soloshow könnte noch Jahre anhalten. Die von Chrissie Wellington gleichfalls.

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