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Ironman in Frankfurt : Frodeno lässt die Pferde frei laufen

Alleingang am Main: Jan Frodeno hat längst alle Konkurrenten abgeschüttelt. Bild: AP

Die Triathlon-Freunde hatten dieses Duell herbeigesehnt. Jan Frodeno setzt sich gegen Patrick Lange durch und wird Europameister. Vor allem in einer Disziplin ist der Sieger deutlich überlegen.

          Ein Tag wie gemalt, eine Dramaturgie wie aus dem Lehrbuch. Die Triathlonfreunde hatten diesen Zweikampf herbeigesehnt, und sie haben ihn bekommen. Ironman-Europameister 2018? Jan Frodeno. Hawaii-Champion Patrick Lange, Frodenos großer Widersacher, konnte sich am Sonntag beim ersten großen Langstreckenduell des Jahres nicht den ersten großen Traum erfüllen: einen Sieg beim Heimrennen. Der Darmstädter muss weiter auf seinen Tag in Frankfurt warten. Was besonders schwer wog: In seiner eigentlich besten Teildisziplin vermochte Lange nicht sein vollständiges Potential abzurufen. Beim Schwimmen war Lange an Frodeno drangeblieben, auf dem Rad auch. Doch auf der finalen Marathonstrecke lief ihm Frodeno weg.

          Am Ende waren es knapp vier Minuten, die er vor Lange lag und die er ausgiebig bei seiner Ankunft nach 8:00:58 Stunden auf dem prallgefüllten Römerberg auskosten konnte. „Patrik hat sogar noch einen brutalen Turbo gezündet“, sagte später Lange, der kurz vor dem Ende noch vom heranstürmenden Schweden Patrik Nilsson überholte wurde, der als Zweiter 8:08:15 Stunden benötigte. Langes Arbeitstag endete nach 8:09:26 Stunden, und als er im Ziel entkräftet zu Boden sank, fand er Halt bei Frodeno. „Jan war heute der ganz klar stärkere Athlet“, sagte Lange, der sich fragte: „Warum ist es hier in Frankfurt so viel härter als woanders?“ Frodeno zeigte sich nach seinem zweiten Europameistertitel nach 2015 „echt happy“, auch weil es ihm gelungen war, Lange im zweiten Marathonabschnitt davonzulaufen. „Aber ich bin schon ganz schön fertig.“

          Dass Josh Amberger der beste Schwimmer sein würde, war gemeinhin erwartet worden. Und als morgens um 6.30 Uhr der Startschuss fiel und die Profis ohne Neoprenanzüge durch das 23 Grad warme Wasser des Langener Waldsees kraulend ihren strapaziösen Arbeitstag begannen, setzte sich der 29 Jahre alte Australier sofort an die Spitze – und gab sie bis zum Ende des 3,8 Kilometer nicht mehr ab. Auch danach stand Amberger im Fokus. In einer Solofahrt absolvierte er den wegen einer Baustelle auf 185 Kilometer verlängerten Radparcours, gefolgt von den beiden Protagonisten, die auf der finalen Marathonstrecke schnell das Kommando übernahmen: Frodeno und Lange. Der zweimalige Hawaii-Sieger Frodeno, mit ursprünglich 20 Sekunden Rückstand überaus fix aus der Wechselzone herausgekommen, brauchte nur wenige hundert Meter, um am Australier vorbeizuziehen. Auch Lange schloss bald auf. Nach einem Viertel der Laufstrecke war Amberger abgeschlagen – und der Zweikampf Frodeno – Lange war das beherrschende Thema.

          Animation: FAZ.NET-Multimedia

          Schon vor drei Tagen hatte Frodeno unmissverständlich gesagt, was er von sich erwartete – und was auch die vielen Zuschauer von ihm erwarten sollten. „Ich will nicht noch einmal so ein Waterloo wie auf Hawaii erleben.“ Bei der WM im Vorjahr waren es Rückenprobleme, die Frodeno daran hinderten, in Kona zum dritten Mal in Folge zu triumphieren. Und auch von anderen Malaisen wie drei Reifendefekten, die ihn zuletzt in Frankfurt zurückgeworfen hatten, war 2018 nichts zu sehen. Alles lief wie am Schnürchen. Auch beim Laufen am Main, als sich die beiden Deutschen an den Wendepunkten immer wieder Auge in Auge begegneten, lief Frodenos Motor rund. „Mir war schon klar, dass ich laufen kann“, sagte Frodeno später.

          Eigentlich ist Lange der bessere Marathonläufer, und der Darmstädter hatte auch fest damit gerechnet, „dass mein Rennen erst bei Kilometer 20 beginnt“. Doch nicht gegen diesen Frodeno, der seiner forschen Ankündigung Taten folgen ließ: „Der Zeitpunkt ist gekommen, um die Pferde frei laufen zu lassen.“ Auch der Vorjahreszweite Andi Böcherer wollte bei seinem Lieblingsrennen alles abrufen. Doch es passte nicht. Schon beim Schwimmen, als seine Brille beschlug, lief es nicht wunschgemäß, und auch beim Radfahren kam der Freiburger nicht in Tritt. Erschwerend kam hinzu, dass der Reißverschluss seines Radtrikots defekt war. Mit flatterndem Anzug durch Frankfurt und die Wetterau – die Konsequenz: Bei Kilometer 28 gab der 35-Jährige auf. Böcherer wusste schon vor seinem Start: „Ironman ist ein krasses Abenteuer, eine irre Herausforderung.“ Eine Reise ins eigene Ich. Ein Kampf gegen Widerstände.

          Einem Sturmlauf glich der Auftritt von Daniela Ryf. Die Schweizer Hawaii-Siegerin war von Anfang bis Ende in ihrer eigenen Welt unterwegs, und als sie nach 8:38:44 Stunden die Ziellinie überquerte, war von ihren Konkurrentinnen nichts zu sehen. Die lange Zeit auf Platz zwei liegende Saarbrückerin Anne Haug wurde bei ihrer Ironman-Premiere Vierte (9:14:06) und sagte: „Ich bin zufrieden, wo ich stehe. Aber für Hawaii gibt es noch viel zu tun.“ Für Lange auch, für Frodeno weniger.

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