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Kein Ironman auf Hawaii : Frodeno kritisiert Ironman-Pläne scharf

  • -Aktualisiert am

Jan Frodeno: „Mischung aus auf 180, traurig und niedergeschmettert“ Bild: dpa

Ende einer Tradition: Frauen starten 2023 weiterhin auf Hawaii, Männer womöglich in Nizza. Der dreimalige Champions Frodeno spricht von „absolutem Chaos“.

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          Die Ironman-Weltmeisterschaft der Frauen und Männer wird vom kommenden Jahr an an getrennten Orten ausgetragen. Am Traditionsstandort Hawaii wird im Wechsel jeweils nur noch eines der Rennen stattfinden, beginnend mit den Frauen am 14. Oktober 2023. Wo die Männer starten hat der Ironman-Konzern noch nicht bekannt gegeben. Möglich, dass dies im September in Nizza der Fall sein wird. Als Grund für die Pläne gibt Ironman an, dass die WM, die erstmals an zwei Tagen auf Big Island getrennt nach Frauen und Männern ausgetragen wurde, die Organisation in diesem Jahr überfordert habe und „die Auswirkungen für die örtliche Gemeinschaft nicht mehr tragbar“ seien.

          Die Pläne des privatwirtschaftlich agierenden Konzerns sind auf scharfe Kritik des dreimaligen Hawaii-Champions und Olympiasiegers von 2008, Jan Frodeno, gestoßen. Der 41 Jahre alte Triathlon-Superstar hatte im Oktober wegen einer Verletzung seinen Start absagen müssen und damit die Chance verpasst, auf Hawaii gegen die aufstrebenden Norweger Gustav Iden (der das Rennen gewann) und Kristian Blummenfelt (Dritter) seinen vierten WM-Titel zu gewinnen. So entschied sich Frodeno entgegen seiner Planung eine weitere Saison dranzuhängen und den Hawaii-Showdown auf 2023 zu verschieben. Doch daraus wird nun nichts.

          Frodeno macht keinen Hehl daraus, dass er die beschlossenen und verkündeten Pläne für missglückt hält. Und schädlich für seinen Sport. „Natürlich haben die Frauen eine große Plattform verdient“, sagt er. „Die Weltmeisterschaft 2023 auf Hawaii für die Frauen anzusagen und für die Männer abzusagen, ist aber ein absolutes Chaos und man muss sich fragen, was die bei Ironman eigentlich machen.“ Frodeno, der seinen Wohnsitz von Girona in Katalonien nach Andorra verlegt hat, beschrieb am Donnerstag auf dem Weg zum Schwimmtraining seine Gefühlslage mit den Worten: „Es ist eine Mischung von auf 180 sein, aber auch traurig und niedergeschmettert wie bei Corona, als alles abgesagt wurde und man sich emotional lossagen musste. Ich habe mit dieser Situation ganz schön zu kämpfen.“

          Zu voll vor Hawaii: die Eisenmänner sollen 2023 woanders schwimmen, radfahren und laufen
          Zu voll vor Hawaii: die Eisenmänner sollen 2023 woanders schwimmen, radfahren und laufen : Bild: dpa

          Und mit der Motivation. Für Frodeno war immer klar, dass die WM nach Hawaii und nirgendwo anders hin gehört. Über die wegen Corona von 2021 auf Mai 2022 verschobene und schließlich in St. George im amerikanischen Bundesstaat Utah ausgetragene WM (Sieger Blummenfelt) sagte er deutlich, dass sie ihn nicht interessiere. Sein letztes großes Rennen, für das er die ganz große Triathlon-Bühne Hawaii erwartet hatte, soll er nun also wahrscheinlich in Nizza bestreiten.

          Mythos „peu à peu zerpflückt“

          „Die Pläne, Hawaii nach Geschlechtern zu trennen, finde ich schwierig, um es gelinde auszudrücken“, sagt Frodeno. „Ich finde es schade, dass man die Tradition bricht, zumal das Rennen und dieser Sport extrem von der Tradition leben.“ In der Tat ist Ironman-Triathlon wohl die einzige Sportart, die ihre WM über Jahrzehnte an demselben spektakulären Ort veranstaltet hat, was ihren Mythos zu einem großen Teil begründete. Dieser Mythos werde nun „peu à peu zerpflückt, und zwar nur, um zwei Tage aus einem zu machen“. Sprich: Es geht nicht um Triathlon, nicht um Tradition – es geht ganz schnöde ums Geld.

          Die Bedingungen im kleinen hawaiianischen Ort Kailau-Kona lassen pro Renntag nicht mehr als rund 2500 Starter und Starterinnen zu. Die gewünschte Verdoppelung peilen die Organisatoren nun dadurch an, dass Frauen und Männer im Wechsel auf Wanderschaft gehen, zunächst die Männer wohl nach Nizza. „Dadurch können sie die WM an viel mehr Leute verkaufen als bisher“, sagt Frodeno. Beispiel Frauen: 2500 Hawaii-Plätze für sie, das geht einher mit der Erwartung, dass sich Triathletinnen weltweit auch an mehr Ironman-Rennen einschreiben werden, um einen der Startplätze zu ergattern.

          Zugleich werden die bislang extrem anspruchsvollen Qualifikationszeiten in den verschiedenen Altersklassen deutlich einfacher zu erreichen sein. Frodeno führt das zur Frage, warum man eine Weltmeisterschaft „von der Leistung her allen öffnen muss. Eine Weltmeisterschaft soll ja kein Volkssportfest sein, sondern etwas Besonderes, das Zelebrieren der Fittesten in der Sportart. Insofern finde ich es schade und alarmierend, wenn man die Hürde nur noch finanziell setzt und die Leistungshürde herunterschraubt. Einzig und allein der Gier nachzugeben, finde ich einen schlechten Antrieb.“

          Seine Planung, sagt Frodeno, sei jetzt „erst einmal komplett über den Haufen geworfen.“ Schlimm sei auch, dass der Austragungsort und genaue Zeitpunkt für die Männer noch gar nicht feststehe. Eine Saisonplanung sei dadurch nicht möglich. „Ich finde es peinlich“, sagt Frodeno, „dass man professionellen Sport so planlos dahin treibt.“

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