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Ironman 69.1 statt 70.3? : Schwimmstrecke gesucht

  • -Aktualisiert am

Wo Eisenmänner auf Kurgäste treffen: Zieleinlauf beim Ironman in Wiesbaden Bild: Cornelia Sick

Der Schiersteiner Hafen zu dreckig, der Rüdesheimer zu klein. Und Ko-Ausrichter Raunheim will die Arbeit am Waldsee nicht mehr leisten. Ausgerechnet am Wasser könnte die Austragung des Ironman in der Kurstadt scheitern.

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          Wasser hat einst den Weltruf Wiesbadens als Kurstadt begründet, Wasser könnte nun für ein jähes Ende seiner Tradition als Sportstadt stehen - zumindest als Austragungsort der Triathlon-Europameisterschaft über die Halbdistanz, genannt Ironman 70.3. Dass die Wiesbadener Quellen legendär sind, nutzt den Athleten nichts, da sich der Fluss vor der Haustür nicht für den Schwimmsport eignet. Und das einzige Hafenbecken der Stadt kommt aufgrund fragwürdiger Wasserqualität nicht mehr in Frage. Verunreinigter, aufgewirbelter Klärschlamm soll 2010 dafür gesorgt haben, dass viele Athleten nach dem auszehrenden Wettbewerb unter Durchfall und Erbrechen litten. Seitdem genießt der Schiersteiner Hafen für Triathleten in etwa den Ruf wie die Schiersteiner Brücke für Autofahrer.

          Der Umzug in den Raunheimer Waldsee, knapp 30 Kilometer vor den Toren der Stadt, wurde beschlossen, die 90 Kilometer lange Fahrradstrecke entsprechend umgebogen, damit der abschließende Halbmarathonlauf weiterhin zielgerecht vor dem schicken Wiesbadener Kurhaus endete. So konnte der international renommierte Wettbewerb auch von 2011 an weiter veranstaltet werden. Zur allgemeinen Zufriedenheit, wie zumindest Ironman-Europachef Thomas Dieckhoff und Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich dachten. Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe sah dies im ersten Jahr auch noch so, als man mit Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Helfer „voller Energie und Freude“ daran gegangen sei, seinen Teil zu der Großveranstaltung beizutragen. „Es war ein riesiger Kraftakt“, so Jühe, und von Jahr zu Jahr sei es schwieriger geworden, genügend Helfer zu finden.

          Raunheim hatte die Arbeit, Wiesbaden den Lorbeer

          Deshalb habe man frühzeitig mitgeteilt, 2015 nicht mehr als Ko-Ausrichter zur Verfügung zu stehen. Zumal Raunheim nur Arbeit mit dem Event gehabt habe, aber keinen Ertrag. Die Werbewirksamkeit des Ironman für die Kleinstadt in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens sei gering geblieben, während sich die ohnehin attraktive Landeshauptstadt mit dem Lorbeer als hochgelobter Ausrichter schmückte.

          Das rechtzeitige Signal aus Raunheim wollen die Wiesbadener freilich nicht empfangen haben, und nun stehen sie kurzfristig ohne adäquates Gewässer da. „Aquis Mattiacis“ lautet die Inschrift auf dem Hauptportal des Kurhauses, „den Wassern der Mattiaker“ gewidmet, die schon vor 2000 Jahren Heilung und Erholung in Wiesbaden suchten. Die Triathleten suchen Mühsam und Qual, und sie kommen auch erst seit einem knappen Jahrzehnt in die hessische Landeshauptstadt. Zur neunten Ironman-Ausgabe werden am 9. August etwa 2000 Athleten aus aller Welt und gut 100.000 Zuschauer erwartet.

          Der „Rieslingman“ ist auch keine Lösung

          Die Blamage einer Absage wäre enorm. Eilig wird nun nach einem Ausweichquartier gesucht, noch wurde aber keines gefunden. Der strömungsarme Rheinarm vor Oestrich-Winkel wurde ebenso genannt und verworfen wie der Rüdesheimer Hafen. Dort richtet die TG Rüdesheim seit einigen Jahren erfolgreich den „Rieslingman“ aus, eine Breitensportveranstaltung, bei der sich mancher Hobbytriathlet vermutlich wünscht, „dass das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär“. Doch der Hafen in der Rheingauer Weinstadt ist schlicht zu klein für eine Schwimmstrecke von 1,9 Kilometern.

          Den 70.3-Wettbewerb als Duathlon auszutragen ist auch keine Lösung, zumal dann die titelgebende Zahl ihren Sinn verloren hätte. Sie errechnet sich aus den Distanzen des Dreikampfs, umgerechnet in Meilen: Würden die rund 1,2 Meilen Schwimmen wegfallen, wäre nur noch ein Ironman 69.1 übrig - und eine leicht angerostete Version der Veranstaltung. Ausgerechnet der scheinbar abtrünnige Raunheimer Bürgermeister gibt nun ein hoffnungsvolles Signal. „Der Waldsee ist ja da“, sagt Jühe, „er steht zur Verfügung.“ Nur müssten die Veranstalter eben Geld in die Hand nehmen und selbst für die Organisation sorgen.

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