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Ironman 2006 : Eine Erfolgsgeschichte und ein trauriges Ende

Eisenmänner über Frankfurt: Lothar Leder und Norman Stadler (rechts) Bild: Wonge Bergmann

Kurz vor dem Ironman in Frankfurt ist Thomas Hellriegel aus der Deckung gekommen. Endlich, denn daß der Triathlonsport frei von Doping ist, hält auch er für eine Mär. So fordert Hellriegel Bluttests: „Ich bin zu allem bereit, jederzeit.“

          Am Tag, als sich die Radprofis bei der Tour de France die einundzwanzig Kehren nach Alpe-D'Huez hochgewuchtet haben, ist auch Thomas Hellriegel aus der Deckung gekommen. Endlich, denn daß der Triathlonsport frei von Doping ist, hält auch der erste deutsche Hawaii-Sieger für eine Mär. „Auch bei uns wird es schwarze Schafe geben, und der Fall Nina Kraft hat mich schon sehr enttäuscht“, sagte der Badener kurz vor dem Frankfurter Ironmanrennen, das in diesem Jahr nochmals aufgewertet worden ist und an diesem Sonntag als offene Europameisterschaft für alle Altersklassen firmiert.

          Hellriegel, einer der Stars der Langstreckenszene, hat sich mit Nachdruck für Bluttests ausgesprochen, die es bislang im Triathlon nicht gibt. „Ich bin zu allem bereit, jederzeit.“ Gleichzeitig zeigte sich einer der weltbesten Radfahrer im Feld des Ironman von der Heuchelei mancher T-Mobile-Fahrer „enttäuscht. Die widmen sogar noch ihre Tagessiege Jan Ullrich.“ Den Triathlon hält Hellriegel zwar „für relativ sauber“. Doch nutzte er in Anwesenheit von Hessens Sport- und Innenminister Volker Bouffier auch die Chance, um hoch über den Dächern Frankfurts für tiefergehende Dopingtests zu werben. „Was sich medizinisch und technisch etabliert hat, muß auch bei uns möglich sein und angewendet werden.“

          Abruptes Karriereende von Jürgen Zäck

          Medizinische Gründe waren es auch, die angeführt wurden, um das abrupte Karriereende von Jürgen Zäck zu erklären. Ursprünglich war geplant, daß der 40 Jahre alte Altmeister, fünfmaliger Sieger des Ironman Europe von Roth, seine unvergleichliche Laufbahn mit insgesamt acht Ironmansiegen auf dem Frankfurter Römerberg ausklingen läßt. Doch in einer kurzen E-Mail an Kurt Denk, den Präsidenten des Ironman Germany, sagte der in der Szene als Sonnyboy geltende Koblenzer wegen Rückenbeschwerden ab. So wird unter anderem einer seiner mitreißenden Auftritte von Roth im Gedächtnis haften bleiben, als er 1997 mit 7:51:42 Stunden die noch immer aktuell zweitbeste Zeit über die klassische Ironmandistanz von 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen benötigte.

          Die Bühne, von der der wegen seiner Radattacken „Zäck Attack“ genannte Ausdauerdreikämpfer in Frankfurt mit dem unvergleichlichen Ambiente auf dem Römerberg geträumt hatte, bietet sich nun seinen Nachfolgern. Einer von ihnen ist Normann Stadler, der Titelverteidiger beim nach Hawaii weltweit wichtigsten Ironmanrennen. Stadler, Weltmeister auf der Pazifikinsel vor zwei Jahren, macht einen ausgeglichenen, zufriedenen Eindruck, und er hat am Dienstag plausibel erklärt, „daß man als Profi keine drei Ironmanrennen auf Topniveau absolvieren kann“. Deshalb also die Konzentration auf Frankfurt und Hawaii, zwei Rennen der Extraklasse, „die schon Körner genug kosten“, wie der in Mannheim lebende Hawaii-Champion sagte. Gefragt, ob er Training und Taktik für den Wettkampf am 23. Juli umgestellt habe, entgegnete er: „Ich komme schon seit siebzehn Jahren nicht als Erster aus dem Wasser.“

          Fraspa bleibt Sponsor bis mindestens 2011

          Auch Kai Hundertmarck, neben dem Darmstädter Triathlonpaar Lothar und Nicole Leder sowie dem Hofheimer Uwe Widmann einer der sogenannten „Locals“ bei diesem Frankfurter Großereignis, hat Schwächen im Schwimmen. Doch vielleicht kommt es dem in Eppstein-Bremthal lebenden ehemaligen Radprofi ja zugute, daß er seit Wochen schon Stammgast am Langener Waldsee ist. Dort wird wie in den Vorjahren auch um sieben Uhr in der Früh der Startschuß erfolgen. Doch die 2000 Starter aus mehr als vierzig Nationen werden sich diesmal 200 Meter weiter Richtung Seemitte kraulend durch das Wasser pflügen.

          Die Startzone beim Schwimmen ist verlegt worden, und auch beim Laufen gibt es Neues. Diesmal sind es vier Runden, die entlang des Mainufers zu absolvieren sind, und die Veranstalter sind stolz darauf, daß es keinen Begegnungsverkehr mehr gibt. Stolz auf das bisher Geleistete ist auch Sportminister Bouffier, der froh ist, daß aus dem einst zarten Pflänzchen Frankfurter Ironman binnen fünf Jahren ein „Organisationsstandard mit Weltniveau“ geworden ist. „Ich hatte das damals nicht für möglich gehalten, aber nun ist das eine großartige Sache für das ganze Land. Wir haben es wirklich geschafft, die weltweit einzige komplett gesperrte Ironmanradstrecke anzubieten.“

          Auch Kurt Denk, der Macher des Ironman, kann sich glücklich schätzen, daß sein Spagat zwischen der originären Geschäftsgrundlage Hawaii-Reisen und dem sportlichen Abenteuer Ironmanveranstaltung geglückt ist. Schön für ihn und den Fortbestand des Triathlonspektakels am Main: Der Titelsponsor, die Frankfurter Sparkasse, will zumindest bis 2011 die Treue halten.

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