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Irland bei der Rugby-WM : Eine Insel, ein Team – zwei Missionen

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Punkte für das gemeinsame Irland: Tadhg Furlong sorgt für einen gelungenen Versuch Bild: dpa

Irland bestätigt beim WM-Auftakt seine Rolle als Mitfavorit. Doch für die „Men in Green“ geht es nicht nur um den Titel, sondern auch um Politik: für die Einheit der Insel – gegen den Brexit.

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          Boris Johnson dürfte die Aussagen des Rugbyspielers Rory Best als hartes verbales Tackling empfunden haben. In Zeiten, in denen die Heimat über nichts hitziger diskutiert als über den Brexit, sei die WM in Japan „eine großartige Gelegenheit“ um der Welt zu zeigen, dass es auch zusammen geht, sagte der 37-Jährige Best kurz vor Turnierbeginn. Best ist Nordire – und stolzer Kapitän der irischen Nationalmannschaft, die als „All-Island-Team“ die gesamte Insel vertritt.

          Die „Men in Green“ führen seit zwei Wochen sogar die Weltrangliste an. Und auch wenn deren Aussagekraft unter Experten umstritten ist, gehört Irland beim Weltturnier zu den Favoriten. Doch Best und Co. jagen mehr als einem sportlichen Traum hinterher – sie verfolgen auch eine politische Agenda.

          „Es ging immer um den Sport“

          Best bekleidet die Position des Haklers, eine der gefährlichsten im Rugby, und er traut sich auch abseits des Platzes was: Bei der Brexit-Abstimmung 2016 setzte sich der studierte Landwirt für den EU-Verbleib ein, in Japan warb er für Einigkeit. „Das Problem mit dem Brexit ist, dass keiner mehr so genau weiß, was eigentlich Sache ist. Wir haben noch nicht einmal ein Datum für den Ausstieg“, sagte er.

          Die irische Auswahl aber, betonte Best, habe sich schon zu Zeiten des Nordirlandkonflikts (1969-1998) über politische Probleme hinweggesetzt: „Es ging immer um den Sport und darum, dass eine Insel zusammen spielt und an einem Strang zieht.“ Als der „Government of Ireland Act“ die Insel 1920 in Nord und Süd teilte, machte der Rugby-Verband – wie übrigens auch die Kollegen vom Hockey – die Spaltung einfach nicht mit.

          Men in Green: Als der „Government of Ireland Act“ die Insel in Nord und Süd teilte, machte der Rugby-Verband nicht mit.

          Zwar ist Dublin die traditionelle Heimstätte, doch auch in Belfast wurde und wird (regelmäßig bis 1953, zuletzt 2007) gespielt. Die seit 1995 gesungene, gemeinsame Hymne „Ireland's Call“ beschwört den Zusammenhalt der „Brüder“, auf dem Verbandslogo sind die Wappen aller vier historischen irischen Provinzen zu sehen. Und bei WM-Spielen wird neben der irischen Tricolore auch die „Flag of Ulster“ gezeigt.

          Weit gebracht hat das die Iren bei Weltmeisterschaften bisher nicht, spätestens im Viertelfinale war stets Schluss. Doch das könnte diesmal anders werden, das Team um den 37-Jährigen Routinier Best erlebt seit rund drei Jahren einen beachtlichen Aufschwung. Im November 2016 glückte der erste Sieg über die schier unschlagbar erachteten „All Blacks“ aus Neuseeland, 2018 gewannen die Iren beim prestigeträchtigen Six-Nations-Turnier alle Spiele („Grand Slam“).

          Doppelfunktion: Routinier Rory Best ist Nordire - und stolzer Kapitän der irischen Nationalmannschaft

          Im November 2018 folgte der erste Heimsieg gegen Weltmeister Neuseeland. Verbinder Johnny Sexton wurde daraufhin als erst zweiter Ire überhaupt zum „Weltrugbyspieler des Jahres“ gewählt, Headcoach Joe Schmidt zum „Trainer des Jahres“.

          Beim 27:3 gegen Schottland zum WM-Start am Sonntag zeigten die Iren ihre ganze Klasse. Die weiteren Gegner in Gruppe A sind Japan, Russland und Samoa – der Einzug ins Viertelfinale dürfte für die geeinten Iren kein Problem sein. Dort könnte dann aber Neuseeland warten. „Ich glaube, dass wir besser gerüstet sind als je zuvor, um weit zu kommen“, sagte Kapitän Best. Die Mannschaft profitiere sehr von Weltklassespielern wie Sexton. Ihre größte Stärke aber sei: das Kollektiv.

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