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Alireza Firouzja : Das große Schach-Talent spielt nicht mehr für Iran

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich bei der Schnellschach-WM: Alireza Firouzja (links) Bild: Picture-Alliance

Alireza Firouzja ist gerade 16 Jahre alt. Schon gibt es Vergleiche mit Weltmeister Magnus Carlsen. Bei der Schnellschach-WM wird der Iraner Zweiter. Doch ginge es nach seinem Verband, hätte er gar nicht antreten dürfen.

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          Gleich hinter dem überlegenen Sieger Magnus Carlsen ist Alireza Firouzja in Moskau Zweiter der Schnellschach-WM geworden. Ginge es nach dem Iranischen Schachverband, hätte der 16-Jährige nicht antreten dürfen. Der Weltschachbund (Fide) droht Iran mit Ausschluss, wenn seine Spieler sich in einem offiziellen Turnier wieder weigern, gegen Israelis anzutreten. Weil die Religionsbehörden solche sportlichen Vergleiche nicht dulden, meldete Irans Verband vorsorglich nur für die Frauenwettbewerbe, in denen es keine israelische Beteiligung gab. Um antreten zu dürfen, sagte sich Firouzja von Iran los und spielt bis auf weiteres unter der Fahne der Fide.

          Mehr als drei Jahrzehnte lang manipulierte die Fide Auslosungen, um Spielern aus Iran und einigen arabischen Ländern zu ersparen, gegen Israelis gelost zu werden. Anderen Veranstaltern wurde empfohlen, in solchen Fällen die Auslosung zu wiederholen. Seit April untersagt die Fide dieses Vorgehen. Als Erstes griff die neue Regelung beim größten Open der Welt in Karlsruhe. Firouzja wusste, dass ihn sein Verband sperren würde, wenn er gegen Or Bronstein antreten würde und kam erst gar nicht ans Brett.

          Sportlich verläuft seine Entwicklung bisher ähnlich steil wie die von Carlsen. Schon mit zwölf Jahren wurde der Junge aus Babol am Kaspischen Meer iranischer Meister. Kürzlich überschritt er mit 16 Jahren als bisher jüngster Spieler 2700 Elo-Punkte und steht auf Platz 29 der Weltrangliste. Laut dem bosnischen Großmeister Ivan Sokolov, der ihn im Auftrag des iranischen Verbands trainierte, erinnern sein taktisches Talent und Spielwitz an den früheren indischen Weltmeister Vishy Anand. Firouzja habe das Zeug, die Nummer eins im Schach zu werden, vorausgesetzt, er werde richtig gefördert.

          Ein in Frankreich lebender iranischer Spieler vermittelte ihn an den Klub von Chartres. Seit Juni lebt er mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder in der südwestlich von Paris gelegenen Kleinstadt. Mit Firouzja am Spitzenbrett will Chartres französischer Meister werden. Sein Klubpräsident François Gilles will ihm den früheren Weltmeister Wladimir Kramnik als Coach zur Seite stellen. Was Firouzjas Zukunft betrifft, hält sich der französische Schachverband allerdings bedeckt. Dessen Präsident Bachar Kouatly ist in der Fide ein wichtiger Mittler zur arabischen Welt.

          Wenn Schach beiträgt, den Sportboykott gegen Israel zu brechen, wäre das ein Erfolg, den Fide-Präsident Arkadi Dworkowitsch gut gebrauchen kann. Saudi-Arabien konnte der frühere stellvertretende Ministerpräsident Russlands überzeugen, das Sponsoring der Schnell- und Blitzschach-WM fortzusetzen, obwohl er die Wettbewerbe von Riyadh nach Russland verlegte, um israelischen Spielern die Teilnahme zu ermöglichen. Allerdings steht Dworkowitsch vor der pikanten Frage, wie die neuen Standards für den Verband des Sponsors gelten. Zwei saudische Amateure weigerten sich in Moskau, gegen Israelis anzutreten.

          Carlsen gewinnt auch Blitzschach-WM

          Schach-Weltmeister Magnus Carlsen hat in Moskau seinen WM-Titel im Blitzschach erfolgreich verteidigt und seine internationale Ausnahmestellung eindrucksvoll untermauert. Der 29-jährige Norweger setzte sich vor dem Amerikaner Hikaru Nakamura und dem Russen Wladimir Kramnik durch, er feierte nach 2009, 2014, 2017 und 2018 seinen insgesamt fünften Erfolg in dieser Variante. Carlsen und Nakamura lagen nach 21 Partien gleichauf bei 16,5 Punkten, um die Entscheidung herbeizuführen, war ein Tiebreak notwendig. Hier endete der erste Vergleich mit einem Remis, im zweiten setzte sich Carlsen dann durch. Er hält damit die drei wichtigsten WM-Titel im Schach. Erst am Samstag hatte er ebenfalls in Moskau bei der Schnellschach-WM triumphiert. Im November 2018 gewann er das WM-Duell mit klassischer Bedenkzeit gegen Fabiano Caruana (Vereinigte Staaten). Im Blitzschach beträgt die Bedenkzeit drei Minuten plus zwei Sekunden pro gespieltem Zug, im Schnellschach hatten die Teilnehmer 15 Minuten plus zehn Sekunden pro gespieltem Zug je Spieler Zeit. (sid)

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