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Deutscher Galopper Iquitos : Noch zu schnell für die zweite Karriere

  • -Aktualisiert am

Iquitos mit seinem Jockey Eddy Hardouin aus Frankreich: Ein erfolgreiches Duo Bild: Imago

Der deutsche Galopper Iquitos gehört dank seiner zahlreichen Titel zu den besten Pferden weltweit. Doch als Deckungshengst ist der aktuelle Champions-League-Sieger noch nicht gefragt – und muss womöglich sogar weiter laufen.

          Hans-Jürgen Gröschel ist Pferdemann durch und durch, bekannt für offene und auch kritische Worte – nicht zuletzt gegenüber seinen Reitern. Vor allem, wenn diese es seiner Ansicht nach versäumen, die vorher besprochene Strategie im Rennen umzusetzen. Doch an Allerheiligen in München-Riem hatte der Altmeister nichts auszusetzen, sondern war voll des Lobes für den französischen Jockey Eddy Hardouin. „Heute ist Iquitos perfekt geritten worden, genauso, wie ich das haben wollte“, schwärmte Gröschel nach dem Erfolg im Bayrische Hausbau Großer Preis von Bayern.

          „Es war sehr gut, dass es trotz des weichen Bodens viel Tempo gab. Der Jockey hat gewartet, bis genug Platz war.“ Tatsächlich nahm Hardouin in dem kleinen, internationalen Siebener-Feld lange die letzte Position ein, beorderte Iquitos dann Anfangs der Zielgeraden innen nach vorne und hatte gut 100 Meter vor dem Ziel den Sieg bereits sicher – Iquitos gewann leicht mit vier Längen vor dem englischen Gast Defoe, der zuletzt im Großen Preis von Baden noch vor Iquitos lag. Dritter wurde Dee Ex Bee, ebenfalls von der britischen Insel. Es war bereits der dritte Gruppe 1-Sieg in der Karriere des sechsjährigen Iquitos und er war verbunden mit einem Siegcheck in Höhe von 100.000 Euro für den Stall Mulligan, hinter dem ein Quartett von Golffreunden aus dem Kölner Raum stehen.

          Wegen Iquitos: Die Rente lässt warten

          Eigentlich wäre es der perfekte Schlusspunkt einer aufregenden Karriere, doch womöglich wird Iquitos noch eine weitere Saison Rennen laufen. Üblicherweise würde ein Trainer das begrüßen, denn solche Spitzenpferde sind nun einmal rar und Gröschel musste fünf Jahrzehnte warten, bis er einen solchen Crack trainieren durfte. Dabei war er sowohl in der ehemaligen DDR in Dresden und nach dem Mauerfall in Hannover höchst erfolgreich, sattelte mehr als 1200 Sieger. Wegen Iquitos verschob er alle Rentenpläne und macht auch mit Mitte 70 einen fitten, engagierten Eindruck. „Ich hänge an meinem Sport“, sagte er zum Saisonauftakt in einem Interview. „Brötchen holen und Rasen mähen, das wäre nichts für mich.“ Dennoch wünscht er sich für Iquitos, der mit 1,56 Meter Stockmaß ein sehr kleiner Vollblüter ist und deshalb den Kosenamen „Krümel“ trägt, eine Karriere als Deckhengst. Doch es ist schwer, einen Platz zu finden. Sein Vater, Derbysieger Adlerflug, deckt auf Schlenderhan und der kleine deutsche Markt scheint damit besetzt, das Interesse im Ausland hält sich noch in Grenzen. „Jetzt muss doch jemand wach werden und auf ihn aufmerksam werden und ein gutes Angebot für die Zucht vorlegen“, sagte Gröschel in München.

          Für die deutschen Rennfans wäre es allerdings schade, denn die Zahl echter Spitzenpferde in Deutschland ist gering. Viele gute Pferde werden ins Ausland verkauft, einige der Besten – wie der aktuelle Derbysieger Weltstar – sind aktuell verletzt. Doch es braucht Champions und möglichst große Felder in den wichtigsten Rennen, die in der Serie German Racing Champions League zusammengefasst sind. Elf Rennen mit Start im Mai in Köln und dem Finale im November in München mit einem Gesamtpreisgeld von rund 2,3 Millionen Euro, das ist die Champions League.

          Iquitos hat die Serie nach 2016 – dem Gründungsjahr – nun zum zweiten Mal gewonnen, bester Jockey war Eddy Hardouin, erfolgreichster Trainer Markus Klug. Einen Extra-Bonus gibt es für die Gesamtsieger der Champions League aber nicht. Innerhalb der Galoppszene wird die Serie auch deshalb zum Teil sehr kritisch gesehen. Allerdings fehlt es an alternativen Ideen und so wird zumindest nach außen signalisiert, dass die Champions League-Rennen eine besondere Bedeutung haben. Und in diesem Jahr gab es auch eine relativ starke internationale Beteiligung mit wenigstens einem Klassepferd: Best Solution, Gewinner der Grand Prix-Rennen in Berlin und Baden-Baden, siegte kürzlich im umgerechnet mit drei Millionen Euro dotierten Caufield Cup in Australien – eine Aufwertung der Champions League durch einen echten internationalen Champion.

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