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Ion Tiriac im Gespräch : „Mein Turnier ist besser als Wimbledon“

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Geschäftsmann durch und durch: Ion Tiriac verdient sein Geld mit Bankgeschäften, Immobilien und Sport Bild: Agentur Focus

Ion Tiriac ist geschäftstüchtig und fliegt gerne mit dem Privatjet. Im F.A.Z.-Interview spricht der frühere Manager von Boris Becker über deutsche Tennis-Befindlichkeiten, die europäische Finanzkrise und die 500 Dollar, die er einst bekam, als er die French Open gewann.

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          Die europäische Sandplatzsaison steht vor der Tür, und sie beginnt mit Tiriac-Festspielen. Am Montag in einer Woche treffen sich die Tennisherren bei Ion Tiriacs Heimturnier in Bukarest, dann geht es weiter zum Damen- und Herrenturnier nach Madrid, das ebenfalls dem rumänischen Impresario gehört, eine weitere Woche später folgt das Debüt in Düsseldorf, wo Tiriac mit dem früheren deutschen Tennisprofi Rainer Schüttler die Lizenz erworben und aus dem World Team Cup einen ATP-Wettbewerb gemacht hat. Obwohl der frühere Manager von Boris Becker (1985 bis 1993) in vier Wochen 74 Jahre alt wird, bleibt er geschäftstüchtig: im Banken- und Versicherungswesen, im Auto- und Immobilienhandel und natürlich im Sportbusiness. An ihn gerichtete Vorwürfe der Bestechlichkeit blieben unbestätigt. Zu Terminen (wie zu diesem Interview in Frankfurt) reist Ion Tiriac mit einem Privatjet an. Dabei hat er, wie fast immer, das Steuer selbst in der Hand.

          Herr Tiriac, Sie haben vor einigen Monaten mit Rainer Schüttler das Tennisturnier von Düsseldorf als ATP-Wettbewerb kurz vor den French Open übernommen. Wie wollen Sie eine Woche vor dem Grand-Slam-Turnier überhaupt Topspieler anlocken?

          Ich mische mich eigentlich nicht mehr so ein ins Tagesgeschäft. Ich glaube aber, dass es immer sehr gute Tennisprofis gibt, die nicht genügend Spielpraxis auf Sandplätzen gesammelt haben vor Roland Garros. Und wenn einer von den Großen das Gefühl hat, er müsse noch einmal auf Sand spielen, kann Schüttler eine Wildcard bis zum letzten Moment offenhalten. Aber was zählt: Wir kommen zurück nach Deutschland. In ein Land, in dem es leider zugeht wie beim Wellenreiten: Wenn die Deutschen oben auf der Welle sind, scheint der Himmel die einzige Grenze. Als der Champion Boris Becker geboren wurde, das war wie der Start eines Space Shuttle nicht zum Mond, sondern zum Mars. Dann kamen Steffi Graf, Stich, Kühnen, Steeb und dazu andere junge Damen. Als diese Stars aufgehört haben, war der Boom vorbei. Und wenn die Deutschen gerade keinen wie Boris oder Steffi haben, dann verstehen sie nicht, dass man solche Ausnahmespieler nicht im Supermarkt kaufen kann.

          Sie meinen also, Deutschland sei nicht nur zu erfolgsverwöhnt, sondern es fehle dem Land auch an neuen Tennisstars?

          Oh, Deutschland hat Tennisstars. Die Damen sind große Stars, und die Herren sollten eigentlich ein gutes Davis-Cup-Team stellen können. Da sind einige sehr gute Spieler dabei, die in oder um die Top 20 stehen. Mir fallen aber gerade nicht deren Namen ein. Aber noch einmal: Man kann sich einen wie Boris Becker nicht kaufen, genauso wenig wie einen Rafael Nadal oder Roger Federer. Es ist traurig, dass die Erinnerung der Menschen so kurz ist - viel kürzer, als sie sein sollte. Die Deutschen können sich nicht erinnern, dass sie fünfzig Jahre lang keinen Top-20-Spieler hatten. Vielleicht müssen sie jetzt wieder fünfzig Jahre warten, ehe sie einen wie Becker bekommen. Aber das scheint ihnen nicht akzeptabel.

          Ist es vor dem Hintergrund, den Sie beschreiben, nicht ein wenig gewagt, ein Herrenturnier in Deutschland zu übernehmen?

          Es ist ein Risiko, wie es auch an anderer Stelle ein Risiko wäre. Wir erwarten ja nicht, dass Düsseldorf ein Turnier wie Wimbledon, Roland Garros oder Madrid wird. Aber Düsseldorf war immer ein guter Ort für Tennis. Schon zu meiner Zeit als Spieler vor 50 Jahren war der Klub sehr ehrenvoll und die Veranstaltung sehr gut besucht.

          Weil das Turnier der 250er-Kategorie eher klein ist, verspricht es nicht das große Geschäft, oder?

          Wie mein Turnier in Bukarest. Das ist für mich eine gesellschaftliche Veranstaltung. In den vergangenen zwanzig Jahren habe ich dort nichts verdient, sondern Geld reingesteckt, weil es in meiner Heimat ist, weil wir eine Tennistradition haben und das Turnier nicht verlieren wollen. Ich nehme nicht an, dass Düsseldorf ein Zuschussgeschäft ist. Aber wenn wir Geld verlieren sollten, dann wäre die Stadt gefordert.

          Sie meinen, Schüttler sollte beim Düsseldorfer Oberbürgermeister vorsprechen?

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