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Olympia bei Discovery : Auf dem Weg zu „Gladiatorenspielen“

Nicht mehr bei den Öffentlich-Rechtlichen: Olympische Spiele stehen vor einer medialen Probe. Bild: dpa

Beraubt das IOC den Zuschauer seines Sports? Der Verkauf der Fernsehrechte für Olympia an Discovery erhitzt die Gemüter. Kurt Beck spricht von „Raub“.

          Steht Deutschland vor einer Entfremdung vom olympischen Sport und von seinen Athleten? Kurt Beck, nach eigenem Verständnis immer noch der führende Medienpolitiker Deutschlands, pocht auf das Recht der Gesellschaft, den Sport, den sie bezahlt, auch im Fernsehen erleben zu dürfen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit Thomas Bach an der Spitze aber beraube die Schicksalsgemeinschaft des Sports in Deutschland ihrer verbindenden Gemeinsamkeit, klagt er und wirft ihm die „Unterwerfung des Sports unter den Kommerz“ vor.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Verkauf der europäischen Übertragungsrechte von den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang (Südkorea) über die Sommerspiele 2020 in Tokio und die Winterspiele 2022 in und um Peking bis zu den Sommerspielen 2024, um die sich neben anderen Hamburg, Paris und Los Angeles bewerben, dieser Deal, der dem IOC 1,3 Milliarden Euro von der amerikanischen Mediengruppe Discovery mit ihrem Spartensender Eurosport einbringt, stellt er als so etwas wie Raub dar. Schließlich werde der öffentlich geförderte Sport privatisiert: „Rausholen, was geht, führt zu Gladiatoren-Spielen.“

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          So kann man das sehen. Es muss ja nicht falsch sein, was Beck sagte, nur weil er als Vorsitzender des Vorstands der Friedrich-Ebert-Stiftung als Hauptredner und Diskussionsteilnehmer einer suggestiv betitelten Veranstaltung ebendieser Ebert-Stiftung in Berlin antrat, nämlich der Diskussion „Bleibt Olympia ein Medienereignis für alle oder: Gold in der Glotze nur für Cash?“ Aber es kam schon ein wenig dick, als er bei dieser Gelegenheit als Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats Doppelpass spielte mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey: „Wir dürfen nicht vergessen, dass der Ruf des Sports zur Disposition steht“, warnte Frey, „und dass es möglich ist, dass der Zauber des Sports verfliegt.“ Wenn die Gier der Funktionäre nicht begrenzt werde - vermutlich meinte Frey: durch die Vergabe von üppigen Sublizenzen an die Öffentlich-Rechtlichen -, könne der Sport gar nicht sauber werden. Da hatten er und Beck sich ordentlich verdribbelt.

          Mit einer Mischung aus Zuversicht und Überheblichkeit trat Frey der Einschätzung entgegen, mit der Moderator Erich Laaser, Fernsehreporter und Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, ihn ansprach: „Sie stehen da als Verlierer.“ Mal prognostizierte er Discovery, dass sie Schwierigkeiten bekommen würden, beim Rechtehandel den Einstandspreis hereinzubekommen, mal drohte er, dass man beim Produktionsaufwand für die Übertragung der Paralympischen Spiele der Behinderten ein Fragezeichen machen müsse, wenn sein Sender leer ausgehe bei Olympia.

          „Diese Säcke will der Sport haben“

          Da sei der Programmauftrag vor, beruhigte der Kölner Medienrechtler Dieter Frey. Im Übrigen sage er seinen Studenten immer: „Es geht in diesem Geschäft um Säcke von Geld, und diese Säcke will der Sport haben.“ Nun also trägt Discovery diese Säcke zum IOC in Lausanne, und so einfach wie Beck und Frey das darstellten, ist es gar nicht mit dem Geldverdienen. „Ja, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen“, räumte Werner Starz ein. Er wird als Produktentwickler für Eurosport und das Discovery-Netzwerk wohl eine Vorstellung davon haben, wie Discovery und die ebenfalls mit Übertragungsrechten ausgestattete qatarische BeIn-Mediengruppe gemeinsam mit dem IOC das Projekt Olympia-Kanal realisieren werden.

          Vermutlich darf dabei mehr als Fernsehprogramm zu erwarten sein, stellen sich Bach und seine Kollegen doch vor, ständig präsent und vor allem, ähnlich Facebook, Twitter oder Instagram, relevant für junge Menschen zu sein. „Wir werden die Heimstätte Olympias“, versprach Starz, neue Technologien, neue Programmformen und neue Verbreitungswege würden eingesetzt werden. Derweil macht sich der neue Eurosport-Chef Peter Hutton an die Modernisierung seines 26 Jahre alten Senders. Zu den Altlasten, die er loswerden will, gehöre das Image, über zweitrangige Sportarten und Zweitrechte zu verfügen. Ein dramatischer Wechsel stehe bevor.

          Das klingt so, als ob Eurosport die olympischen Fernsehrechte ebenso wie das ZDF dafür braucht, das junge, attraktive Publikum zu gewinnen. Die Pflicht, zweihundert Stunden frei empfangbar von den Sommerspielen und einhundert Stunden von den Winterspielen auszustrahlen, wirkt vor diesen Ambitionen noch wie die leichteste Übung. Die Aufgabe, eine durchgehende Erzählung von Erfolgen und Misserfolgen der deutschen Olympiamannschaft zu liefern, weist Starz jedenfalls zurück: „Bei Eurosport wird der Zuschauer aushalten müssen, dass wir nicht den ganzen Tag schwarz-rot-gold eingestellt sind.“ Ob sein Unternehmen aber ARD und ZDF erlaubt, diese Rolle zu spielen?

          Der Verzicht auf Sportarten, die in Deutschland wichtig sind, auf Leichtathletik, Schwimmen, Rudern und Biathlon, sei unvorstellbar, rief ZDF-Frey. Und: „Wir werden nicht nur beim Vorspiel dabei sein und beim Höhepunkt nicht.“ Das ist die Dringlichkeit, die den beherzten Griff in die Gebührenkasse und womöglich auch nach den Rücklagen aus den Beitragsüberschüssen erlaubt.

          Genau wie Olympia und Eurosport brauchen die gebührenfinanzierten Sender jugendliches Publikum. Sollten sie beim Poker um die Rechte leer ausgehen, droht Ärger - nicht den Sportverbänden, sondern ihnen und ihren Unterstützern. Beck befürchtet: „Bei der nächsten Gebührenerhöhung bekommen wir das dann um die Ohren geschlagen.“

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