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IOC-Skandal : Das Jahr, als der Olymp wankte

Der Sumpf des IOC war tief, nun muss sich die Fifa aus den Abgründen befreien Bild: dapd

Der Internationale Fußballverband steht vor seiner größten Feuerprobe. Wie sie zu bestehen ist, hat das IOC vorgemacht. Dem Bestechungsskandal vor den Spielen in Salt Lake City folgte die große Reinigung. Fifa-Präsident Blatter war daran beteiligt.

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          Immer, wenn Jean-Claude Ganga und seine Gattin Eugenie auf Walmart zusteuerten, brach den Finanzmanagern in der Zentrale der Olympiabewerbung von Salt Lake City der Schweiß aus. Der Mann aus dem Kongo, ehemaliger Botschafter in China, damals mächtiges Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Vater von zehn Kindern, war in den neunziger Jahren als der „menschliche Staubsauger“ bekannt. Das bezog sich auf seine Konsumgewohnheiten, die er sich von der tugendhaften Mormonenstadt finanzieren ließ. Als Gegenleistung sollte sie bei der Session 1995 in Budapest bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 sein Votum erhalten. Das Stimmrecht ihres Gatten setzte die gefürchtete Eugenie Ganga systematisch in Teppiche, Bettvorleger, Vorhänge und Kücheneinrichtung um.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Sechsmal in zwei Jahren besuchte das Paar die Bewerberstadt. Man reiste für 115.000 Dollar und speiste für 14.000. Außerdem wurde Gangas Hepatitis medizinisch behandelt, seiner Schwiegermutter ein neues Knie eingesetzt, und seine Frau erhielt eine Schönheitsoperation - für 17.000 Dollar. 14.000 Dollar musste der Bewerber für Geschenke und Unterhaltung der Gangas aufbringen - eine genaue Aufstellung, behauptete der Afrikaner später, sei in den Wirren des heimischen Bürgerkriegs verlorengegangen. Er gab auch zu, in Budapest für das siegreiche Salt Lake City gestimmt zu haben. Der Grund: Es sei bei weitem die beste Bewerbung gewesen.

          Vier Jahre später, bei der außerordentlichen Vollversamlung in Lausanne, wurde Ganga zusammen mit fünf anderen Mitgliedern vom IOC ausgeschlossen - vier weitere waren bereits zurückgetreten. Mit 88:2 Stimmen erzielte er das Rekord-Ablehnungsergebnis des Tages. Während Ganga, Chef der Vereinigung der afrikanischen olympischen Komitees, seinen Rausschmiss noch für einen rassistischen Angriff auf seine Person ausgab, hatte das IOC ganz andere Sorgen. Der einst ehrwürdige Herrenklub stand als eine Vereinigung der Handaufhalter da, selbst die gewohnte Arroganz half nicht mehr, der Olymp wankte.

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          Nur die Fifa übertrumpft das IOC-Glaubwürdigkeitsdesaster

          Am Anfang stand eine Sekretärin, die bei der Bewerbergesellschaft arbeitete und einer lokalen Fernsehanstalt einen brisanten Brief zuspielte. Darin wurde enthüllt, wie Salt Lake City das IOC-Mitglied Essomba aus Kamerun umworben hatte. Eigentlich wollte sie damit nur intern einen Manager zu Fall bringen, doch sie brachte den bis dahin größten Bestechungsskandal der Sportgeschichte ans Licht. Als Exekutivmitglied Marc Hodler im Dezember 1999 am Rande einer Sitzung in Lausanne mit weiteren Vorwürfen an die Öffentlichkeit ging, begannen harte Zeiten für das IOC, denn das Produkt Olympische Spiele war in Gefahr.

          Es gibt nur eine Sportgroßmacht auf dieser Welt, die in der Lage ist, das IOC-Glaubwürdigkeitsdesaster zu übertrumpften: der Internationale Fußballverband (Fifa). Und er hat es geschafft. Beim Skandal um Salt Lake City ging es um Bestechungsgelder von etwa einer Million Dollar. Ein Bewerber um eine Fußball-WM, der wie Qatar ohne inhaltliche Argumente antritt, käme mit einem solchen Sümmchen nicht weit. Noch dramatischere Folgen hat die Ausrichtung der Fifa-Struktur auf die Alimentierung der Spitzenleute.

          „Die Fifa muss sich jetzt Vorwürfen und Kontroversen stellen“

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