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Interview mit dem Gerolsteiner-Teamchef : „Doping ist ein Geschäft, und zwar für alle“

  • Aktualisiert am

Hans-Michael Holczer Bild: picture-alliance/ dpa

Drei während der Tour de France entdeckte Doper stellen die Fortschritte beim Kampf um einen sauberen Radsport in Frage. Hans-Michael Holczer wertet die positiven Fälle allerdings als Belege für die Ernsthaftigkeit, dem Doping entkommen zu wollen.

          Die Wahrscheinlichkeit, dass unter den ersten zehn der Tour ein Dopingsünder sein wird, hält Hans-Michael Holczer für viel geringer als in den Jahren zuvor. Der Teamchef des Radrennstalls Gerolsteiner zeigt sich im F.A.Z.-Gespräch optimistisch.

          Ist die Tour de France gescheitert?

          Wie kommen Sie auf diese Frage? Immerhin sind in drei Wochen nur drei Doping-Sünder enttarnt worden.

          Vermutlich aber haben doch weitaus mehr Fahrer betrogen.

          Ich denke mal, dass die Zahl näher bei drei liegen wird als bei dem, was sich der eine oder andere hier ausgemalt hat. Ich glaube, dass es einen großen Schritt in Richtung Normalität gibt.

          Das klingt, so wie der Radsport sich in der Vergangenheit präsentiert hat, doch wohl allzu optimistisch.

          Ein paar Indizien sprechen eindeutig dafür. Wir haben schon lange keine Tour mehr gehabt, bei der das Leadertrikot so häufig wechselte, bei der es so wenige bestimmende Größen gegeben hat. Zwar ist CSC auffällig gut gefahren in den vergangenen Tagen, aber die werden unter Umständen noch nicht mal die Tour gewinnen. Ich würde auch ganz gerne glauben, dass der Erfolg, den wir mit unserem Team haben, durchaus ein Erfolg dessen ist, dass wir seit langem eine klare Linie fahren, was das Thema Doping betrifft.

          Aber eine vermeintlich ausgeglichene Tour spricht noch keineswegs für einen Rückgang des Missbrauchs

          Nehmen Sie alleine die Zahl der Kontrollen: Eine negative Probe bedeutet zwar natürlich noch nicht, dass nicht manipuliert worden ist. Aber wir haben hier etwas erlebt, was wir bisher nicht kannten: dass nämlich Dinge kontrolliert wurden, die nicht angekündigt worden waren.

          Zum Beispiel?

          Zum Beispiel das neue Epo-Präparat Cera, das einen Marker tragen soll vom Hersteller. Ich habe immer wieder gesagt, wir brauchen Hilfe, Hilfe von außen, von staatlicher Seite, beispielsweise in Spanien. Wir brauchen aber auch die Hilfe der Pharmaindustrie, das ist am effektivsten. Sie muss jedes neue Produkt, das sie entwickelt, markieren. Bevor ein Medikament auf den Markt kommt, könnte man damit schon eine Nachweismethode entwickeln. Das ist geradezu revolutionär. Epo müssen sie nicht mehr markieren, das wird heute doch, etwas abfällig gesagt, in jeder Wurstküche in Asien hergestellt.

          Aber mutet es nicht doch seltsam an, dass nach dem Fall Ricco kein Dopingfall mehr bekannt wurde - obwohl von einer größeren Zahl von Profis mit auffälligen Blutwerten die Rede war?

          Die Mannschaft von Saunier Duval ist ja schon mal mit neun Fahrern nach Hause gegangen, ohne dass ich jemandem etwas unterstellen will. Der Kampf gegen Doping funktioniert ja fast nur mit Abschreckung. Die Einsicht kommt erst dann, wenn das Abschreckungspotential groß genug ist. Was hier passiert ist, nämlich vermeintlich nicht zu entdeckende Mittel zu finden und die Leute dann sofort abzuservieren im Gegensatz zu früheren Gepflogenheiten, das ist eine ganz andere Dimension der Abschreckung. Hier gab es Leute, die auf Empfehlung ihrer Trainer oder Mediziner nach altem Schema was genommen haben - die sind rausgeflogen.

          Vielleicht waren andere Profis einfach geschickter - oder sie verwendeten Substanzen, die noch nicht analysiert werden können.

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