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Interview mit Betty Heidler : „Mir ist das verdächtig“

  • Aktualisiert am

Betty Heidler: „Ich mach das sauber” Bild: dpa

Betty Heidler zählt nach der Qualifikation mit 72,27 Metern bei der Leichtathletik-WM zu den Medaillenkandidatinnen im Hammerwerfen. Im F.A.Z.-Interview spricht die Olympia-Vierte über die Pickel ihrer Konkurrentinnen und fehlende Doping-Kontrollen in Russland.

          2 Min.

          Die starken Arme von Hammerwerferin Betty Heidler sollen dem Deutschen Leichtathletik-Verband am Donnerstag bei der WM in Osaka die nächste Medaille bescheren. Die Frankfurterin zählt nach der souveränen Qualifikation am Dienstag mit 72,27 Metern zu den Medaillenkandidatinnen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung redet die Olympia-Vierte Klartext.

          Tatjana Lysenko, die Weltmeisterin und Weltrekordhalterin fehlt bei der WM. War das eine Überraschung?

          Wenn man beobachtet hat, wann sie wo wie weit geworfen hat, wenn man ihre Haut und ihr Gesicht gesehen hat, dann war es nicht ganz überraschend. Solange jemand nicht positiv getestet ist, glaube ich dem Ergebnis, wie es dasteht. Aber wenn ich jetzt zurückdenke, ist es eigentlich klar.

          „Man hört Geschichten...”
          „Man hört Geschichten...” : Bild: AP

          Mit dem Gesicht meinen Sie Akne?

          Das war schon auffällig.

          Sie ist positiv auf einen Hormonblocker getestet worden und hat auf die B-Probe verzichtet...

          Ich habe keine Ahnung, was wie wirkt. Aber wenn jemand Pickel auch auf dem Rücken hat und auch im Taillenbereich, ist das schon nicht normal.

          Glauben Sie, dass das als Warnsignal in der Szene wirkt, dass eine russische Hammerwerferin und ihr Trainer vom russischen Verband erwischt und gesperrt werden?

          Das glaube ich nicht. Es gibt da noch ein paar andere. Aber ich zeige nicht mit dem Finger auf sie. Solange sie nicht positiv getestet wurden, muss ich es so betrachten, dass sie ihre Leistung sauber erbringen und ich keinen Grund habe, an ihren Leistungen zu zweifeln.

          Hätten Sie, wenn Sie sagen würden, die anderen seien ja sowieso gedopt, Schwierigkeiten, motiviert in einen Wettkampf zu gehen?

          Man muss halt seine Eigenleistung besser einschätzen. Man muss sich sagen: Ich mach das sauber, und wenn die anderen das auch machen würden, würde ich ganz anders dastehen. Mal hypothetisch: Wenn ich wüsste, die ersten fünf sind alle voll und ich bin Sechste, dann würde ich mich total ärgern, denn ich würde nie dort vorne hinkommen, solange ich sauber arbeite. Aber ich kann für mich reinen Gewissens sagen, ich habe meine Leistung mit meinem Körper so produziert, wie es erlaubt ist. Ich kann mir selbst gegenüber treu sein und sagen: Du betrügst nicht.

          Ihnen geht es darum, die Beste der Sauberen zu sein?

          So kann man es sagen. Ich will ehrlich und sauber arbeiten und so gut wie möglich dabei abschneiden.

          Funktioniert das Antidopingsystem?

          Nein. Mit der Tour de France ist ja ein Anfang gemacht worden. Auch die vielen Kontrollen hier sind gut. Aber man müsse auch mal ein Dopingkontrollsystem in Russland einrichten. Von den vielen Kontrolleuren aus verschiedenen Ländern, die mich schon kontrolliert haben, hat noch keiner nach Russland reisen dürfen. Die haben Kalender, auf denen steht, wann sie wo kontrollieren. Russland war noch nie dabei. Mir ist das verdächtig.

          Vielleicht kontrollieren dort andere...

          Man hört Geschichten, dass Athleten, sobald ein Kontrolleur ein Visum beantragt, verschwinden. Das machen die Kontrolleure ein paar Mal, dann geben sie auf. Aber das ist Hörensagen.

          Hört man über China auch solche Geschichten?

          Nein.

          Stehen Sie als Hammerwerferin in der Öffentlichkeit in Verdacht?

          Ich werde oft gefragt, wie das denn bei uns Leichtathleten sei, nicht nur bei den Hammerwerfern. Aber mich verdächtigt niemand. Das Thema ist ja extrem aufgekommen. Wenn mir jemand etwas unterstellen wollte, würde ich ihm alle Durchschläge von meinen Testprotokollen hinlegen.

          Wie viele haben Sie?

          Ich schätze mal fünfzehn in diesem Jahr. Die letzte hatte ich heute, hier im Hotel. Vergangenes Jahr hatte ich, weil ich mehr Wettkämpfe hatte, noch mehr Kontrollen.

          Sind Sie am Donnerstag Favoritin?

          Ich dränge mich nicht in die Rolle und lass‘ mich auch nicht in diese Rolle drängen. Ich will im Finale weit werfen, alles weitere wird man sehen. Ich sehe mich nicht an erster Stelle, und ich sehe auch keine andere an erster Stelle. Insofern wird das ein spannender Wettkampf werden.

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