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Interview mit Andreas Klöden : „Ich war bei T-Mobile in ein Schema gepreßt"

  • Aktualisiert am

Absprung geschafft: Andreas Klöden Bild: dpa

Eigentlich hätte er Nachfolger von Jan Ullrich als T-Mobile-Kapitän werden sollen - doch er wechselte lieber zum neuen Team Astana. Radprofi Andreas Klöden im F.A.Z.-Interview über seine Wechselgründe, seine WM-Chancen und Doping im Radsport.

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          Eigentlich hätte er im nächsten Jahr als Nachfolger des unter Dopingverdacht stehenden Jan Ullrich Kapitän von T-Mobile sein sollen - doch der 31 Jahre alte Andreas Klöden zog es vor, zum neuen Team Astana zu wechseln. Mit deutlicher Kritik an der Verhandlungsstrategie des neu strukturierten Bonner Rennstalles.

          Das Team Astana, benannt nach der Hauptstadt von Kasachstan, ging aus Liberty Seguros hervor, das in den spanischen Dopingskandal verstrickt gewesen sein soll. Der wie Ullrich in der Schweiz lebende Klöden, Dritter der Tour de France 2006, wird an diesem Donnerstag bei den Rad-Weltmeisterschaften in Salzburg noch am Zeitfahren teilnehmen. Danach beendet er das Wettkampfjahr.

          Warum machen Sie wegen eines einzigen Starts, dem im Zeitfahren, den Abstecher nach Salzburg?

          Eigentlich war die WM für mich überhaupt kein Thema. Dann habe ich gesagt, okay, ich versuch's halt mal. Ich habe es das letzte Mal vor zehn Jahren gemacht. Ich gehe jetzt ein bißchen mit gemischten Gefühlen in das Zeitfahren, weil ich nicht genau den Weg kenne, wie man das macht. Die Kondition ist aber noch ganz gut, und ich habe mit meinem Trainer extra ein Spezialtraining gemacht. Aber halt alles nur so zwischen drei und vier Stunden. Deswegen auch der Verzicht auf das Straßenrennen, weil das 265 Kilometer lang ist.

          Radsport in Salzburg: Klöden testet die WM-Strecke
          Radsport in Salzburg: Klöden testet die WM-Strecke : Bild: dpa

          Kann man denn von Titelchancen im Zeitfahren reden?

          Ich habe mir das Ziel gesetzt, unter die ersten acht zu fahren und damit zu versuchen, mein Gesicht zu wahren.

          Und danach beginnt sofort der Urlaub.

          Danach werde ich die Saison beenden und mich noch mal wegen meiner Schulter behandeln lassen, ich habe da seit drei, vier Wochen wieder Probleme und will das in den Griff bekommen, bevor ich in die neue Saison starte.

          Waren Sie eigentlich in jüngster Vergangenheit in Astana in Kasachstan?

          In jüngster Zeit nicht, aber ich war schon einmal eingeladen von Alexander Winokurow. Mit Jan war ich, glaube ich, 2001 da. Ja, ein schönes Land. Wir waren zum Jagen dort. Das war ganz nett.

          Was hat den Ausschlag dafür gegeben, T-Mobile, ein sehr vertrautes Umfeld also, zu verlassen und zu Astana zu gehen, wo Winokurow sicher die Führungsrolle beanspruchen wird?

          Ich habe immer schon mal mit einem Wechsel geliebäugelt. Ich bin jetzt neun Jahre für Telekom und T-Mobile gefahren, ich habe mich auch super wohl gefühlt. Aber so, wie die Verhandlungen zuletzt gelaufen sind, habe ich nicht das Gefühl gehabt, daß mir irgendwo das Vertrauen entgegengebracht wird. Marc Biver, der das Team Astana als Manager übernehmen wird, hat mich wirklich umworben. Das fand ich gut. Ich habe gemerkt, er will mich unbedingt haben.

          Der Schritt überrascht dennoch. Es hatte doch geheißen, Sie sollten nach der Trennung von Jan Ullrich neuer Kapitän bei T-Mobile werden und damit auch das künftige Tour-Team anführen.

          Irgendwann habe ich gesagt: Paßt auf, ich habe ein Angebot von Astana, ich habe euer Angebot, und ihr wißt, was ich bei denen kriegen würde. Sicherlich hat auch das Geld eine Rolle gespielt. Ich bin schließlich Profiradsportler. Im nachhinein muß ich sagen: Es war ein richtiger Schritt von mir. Ich bin jetzt 31 Jahre alt, ich kenne mich ein bißchen aus in der Radsportszene, ich wage jetzt den Schritt. Das kann schon noch mal einen Push geben, mal aus dem alten System rauszukommen. Ich war bei T-Mobile in den letzten Jahren in ein Schema eingestampft, wo ich halt die Nummer zwei war - und ich habe nicht das Gefühl gehabt, daß dies anders werden würde, auch wenn Jan nicht mehr dabei ist.

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