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Interview : „Lothar, kannst du dich nicht entlasten?“

  • Aktualisiert am

Leder weist die Vorwürfe weiter von sich Bild: ddp

Triathlon-Unternehmer Kurt Denk spricht im Interview mit der F.A.Z. über verdächtige Blutproben, die Tücken des Arbeitsrechts und sein Verhältnis zu dem von ihm in Dopingverdacht gebrachten Duz-Freund Lothar Leder.

          Triathlon-Unternehmer Kurt Denk spricht im Interview mit der F.A.Z. über verdächtige Blutproben, die Tücken des Arbeitsrechts und sein Verhältnis zu dem von ihm in Dopingverdacht gebrachten Duz-Freund Lothar Leder.

          Haben Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Rennarzt Klaus Pöttgen schon beendet.

          Mit Herrn Pöttgen? Warum sollen wir die beenden?

          Vom Streckenrand in die Problemzone: Kurt Denk

          Na, wenn das stimmt, was Lothar Leder behauptet, dann würden Sie die Frage wohl nicht stellen. Pöttgen hat Leder also nach Bekanntwerden der verdächtigen Blutwerte nicht den Deal angeboten: Du beendest rasch deine Karriere, und wir vergessen die Sache mit dem Blutdoping?

          Wenn dem so wäre, dann würden wir das mit Pöttgen natürlich überlegen. Aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass das ein Arzt sagt, und ich bin sicher, dass es nicht so gelaufen ist.

          Demnach sind Sie auch sicher, dass Leder lügt?

          Das kann ich nicht sagen. Ich kann nur sagen: Hier unterstellt Lothar Leder etwas, das ich nicht glauben kann . . .

          . . . was ja dann doch darauf hinausläuft, dass Sie ihn für einen Lügner halten - und das Ding mit dem Deal für frei erfunden.

          Ein Deal, wie sich das anhört, wie aus dem Drogenhandel.

          Wir reden ja auch von Drogenhandel, wenn wir über Doping im Sport sprechen. Also kein Deal denkbar?

          Nein, ich kann mir das auf keinen Fall von Pöttgen vorstellen, er hat mein volles Vertrauen. Er kennt meine harte Haltung.

          Sehr hart sind Sie tatsächlich - gegen Leder, nachdem Sie ihn schnell noch beim Ironman auf die Bühne gelassen haben. Wenn der Bluttest am Freitag, 29. Juni, stattfand, das Ergebnis am Samstag auf dem Tisch war, warum haben Sie Leder dann am Sonntag überhaupt noch als vermeintlich Gedopten auf die Gegner losgelassen?

          Weil wir den verräterischen Retikoluzytenwert nicht hatten. Den bekam allein der Athlet.

          Leder hätte sich also nur selbst sperren können?

          Ja. Wir als Veranstalter können eine Schutzsperre, die einige Verbände und unter ihnen die Deutsche Triathlon-Union im Fall solcher überhöhter Retikoluzytenwerte verhängen, gar nicht aussprechen. Außerdem haben wir die Daten erst am 17. Juli von unserem Mediziner bekommen, anschließend alles haarklein mit zwei Juristen besprochen.

          Und haben Leder dann sofort den Vertrag gekündigt.

          Erst haben wir ihn händeringend gefragt: Lothar, wissen Sie, ich duze mich ja mit ihm, Lothar, kannst du uns irgendetwas sagen, das dich entlastet? Können diese Werte andere Ursachen haben? Hast du eine genetische Veranlagung? Alles ohne Antwort.

          Alles Fragen, die von Ärzten und Juristen des betroffenen Verbandes oder der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) gestellt werden müssen, wenn man sich an die einheitlichen Regeln der Doping-Bekämpfung hält, oder?

          Ja, aber wir sind ein privater Veranstalter, Leder ist unser Geschäfts- und Gesprächspartner.

          Gewesen. Ihnen ist aber schon bewusst, dass dieses Untersuchungsverfahren mit dem Ergebnis eines sogenannten normalen oder anormalen Offscore-Wertes kein offiziell anerkanntes Testverfahren ist und, wie der Kölner Doping-Analytiker Professor Wilhelm Schänzer sagt, auch keine sportrechtlich verwertbaren Beweise liefert?

          Sicher weiß ich das. Die Untersuchung, bei der übrigens die anderen 28 Profis außer Leder unauffällig waren, haben wir doch mit der Nada abgesprochen und von einer erfahrenen Testagentur vornehmen lassen.

          Was nicht heißt, dass Sie einen Täter überführt haben. Warum trotzdem die Kündigung?

          Weil wir hier nicht in der Sportgerichtsbarkeit sind, sondern im Arbeitsrecht. Und im Arbeitsrecht gibt es die sogenannte Verdachtskündigung. Das heißt: Wir haben mit Herrn Leder in einem sehr sensiblen Bereich zusammengearbeitet, weit über seinen Start in Frankfurt hinaus. In der Kinderbetreuung zum Beispiel. Und in der Nachwuchsarbeit können wir niemanden beschäftigen, bei dem auch nur ansatzweise ein Manipulationsverdacht besteht. Er hat zwei Wochen lang Zeit gehabt, diesen Verdacht zu entkräften. Er hat es nicht getan.

          Hätten Sie nicht Ihrerseits noch etwas zur Erhärtung des Verdachts tun können - vielleicht bis hin zum Doping-Beweis in einem anerkannten Testverfahren? Also erst klären, dann erklären?

          Wir standen als Unternehmer vor der Alternative: verschweigen oder veröffentlichen. Wir wussten, dass es viele schon wissen, nicht nur Leder, auch sein Anwalt, Familienmitglieder, vielleicht Freunde. Die hätten es ja auch erzählen können - und dann wären wir womöglich als diejenigen dagestanden, die gemauschelt hätten, die vielleicht mit jemandem unter einer Decke stecken, der gedopt hat?

          Der eventuell gedopt hat. Der aber jetzt erst mal wie ein überführter Doper dasteht. Hatten Sie keine Skrupel, einen Athleten, den Sie gern aufs Podest gehoben haben, nun auf Verdacht an den Pranger zu stellen?

          Natürlich tut mir das weh. Ich hatte mehr als eine schlaflose Nacht. Jemand, der für mich Vorbildfunktion hatte . . .

          . . . und die Sie ihm ohne Gegenbeweis aus rein rechtlichen Gründen wohl noch nicht absprechen dürfen . . .

          Aber wir sind nach unserem ersten Gespräch, am letzten Freitag, auseinandergegangen, und wissen Sie, wie er sich von mir verabschiedet hat? Kurt, nimm's leicht, ich nehm's auch leicht. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

          Das Gespräch führte Hans-Joachim Waldbröl.

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