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Interview : "Als Triathlon-Profis sitzen wir im Glashaus"

  • Aktualisiert am

Normann Stadler fühlt sich ungerecht bewertet Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Als Sieger beim Ironman ist Normann Stadler bei der Sportlerwahl nur Neunter geworden. Bei dem vor ihm plazierten Behindertensportler Wojtek Czyz habe er "ein echtes Problem", sagt der Triathlet im F.A.S.-Interview.

          Thomas Hellriegel und Normann Stadler im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über fehlende Dopingkontrollen, mangelnde Anerkennung und Nina Krafts "Sauerei".

          Womit wollen wir das Gespäch beginnnen?

          Stadler: Doping.

          Thomas Hellriegel gewann als erster Deutscher den Ironman auf Hawaii

          Gut, auf besonderen Wunsch von Herrn Stadler: Wie groß sind die Nachwehen des Dopingfalls Nina Kraft für den Triathlon-Sport.

          Hellriegel: Gerade für Normann ist das sehr ärgerlich. Sein Sieg auf Hawaii ist dadurch ein Stück weit in den Hintergrund getreten. Die Sauerei von Nina Kraft steht im Vordergrund, und das ist sehr schade. Das einzig Gute: So groß der Schaden ist, jetzt wird es Änderungen geben: mehr Kontrollen, auch im Training, auch auf Epo. Die Möglichkeiten für Athleten, die dopen wollen, werden weniger.

          Stadler: Ich war richtig sauer. Ich habe bei Nina Kraft angerufen und wollte mit ihr sprechen, aber es kam nie ein Rückruf. Ich wollte einfach nur hören, warum sie es gemacht hat und warum sie alle angelogen hat. Nina Kraft kann gar nicht wiedergutmachen, was sie kaputtgemacht hat.

          Zwei Jahre Sperre, ist das eine gerechte Strafe?

          Hellriegel: Ich wäre für drei Jahre gewesen. Es gibt ja andere Fälle, da geht es um verseuchte Nahrungsergänzungsmittel, da hat der positiv getestete Sportler vielleicht fahrlässig gehandelt, hat sich nicht ausreichend informiert, das kann man ihm alles vorwerfen, aber das ist immer noch ein Unterschied zu dem, was Nina Kraft getan hat. Wer sich Epo über längere Zeit spritzt, der kann nicht auf mildernde Umstände plädieren. Das ist Betrug mit klarem Vorsatz, und der muß entsprechend bestraft werden.

          Stadler: Nina Kraft ist 36, die wußte ganz genau, was sie tut. Sie kann nicht sagen, ihr Freund habe sie gedrängt. Ich lasse mir keine Nadel in den Arm rammen, wenn ich es nicht will, und bei ihr war es eben so.

          Wie fachkundig sind Sie in Sachen Doping?

          Stadler: Ich lese Zeitung. Es gibt offenbar auch Athleten, die ziemlich fachkundig sind, die sich erkundigen, wo was kontrolliert wird. Ich habe nicht einmal gewußt, daß auf Hawaii bis 2004 nicht auf Epo getestet wurde. Man kann doch nicht sagen, wir sparen ein paar hundert Euro und testen nicht auf Epo, ausgerechnet auf Epo, was das einzige ist, das etwas bringt im Ausdauersport. Ich verstehe auch nicht, daß der Verband, die Deutsche Triathlon-Union (DTU), dann sagt, der Athlet sei verantwortlich für die Kontrollen. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich habe einen Startpaß, ich möchte kontrolliert werden.

          Hellriegel: Ich habe als Athletenvertreter in der Antidopingkommission jetzt mehr Einblick bekommen in die Problematik. Ich war der Meinung, die Tests seien teurer. Ein Epo-Test kostet 200 Euro - was sind schon 200 Euro, wenn es auf Hawaii 100.000 Dollar zu gewinnen gibt? Dann schreibe ich eben nur 90.000 Dollar aus und teste dafür richtig. Das wäre es mir wert.

          Wie groß ist die Versuchung, Mittel auszuprobieren, legale wie illegale?

          Stadler: Du weißt nie, was dein Gegner macht. Die Frage hast du im Kopf: Was macht dein Gegner? Ist er sauber? Wie kommen seine Leistungssprünge zustande? Aber ich habe von daheim aus mitbekommen, daß ich mich dort nicht mehr blicken lassen kann, wenn ich dopen würde. Mein Vater würde mir den Kopf abhauen oder mich wenigstens zur Adoption freigeben. Es gibt andere Möglichkeiten für mich, die Leistung zu steigern. Triathlon ist ein junger Sport, die Trainingsmöglichkeiten sind noch lange nicht ausgereizt.

          Hellriegel: Man muß auch etwas vorleben. Wenn andere Autos klauen, dann ist das noch lange kein Grund, auch Autos zu klauen. Wenn man sagt, ich will ein sauberer Sportler sein, dann ist das eine grundsätzliche Entscheidung. Was die anderen betrifft: Man kann nicht zuviel spekulieren, letztlich zählen nur die Kontrollen, und die werden sich jetzt erheblich verbessern. Man wird sehen, wer längerfristig noch so leistungsfähig ist wie jetzt.

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