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Interview : "Als Triathlon-Profis sitzen wir im Glashaus"

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Stadler: Wir sitzen im Glashaus, wir können keine anderen Athleten beschuldigen. Wir sind selbst Profiathleten, die gewinnen wollen, also kann es von anderer Seite genauso heißen: Auch der Stadler dopt. Nach meinem dritten Platz auf Hawaii 2000 saß ich am Strand, vor mir saßen welche und haben gesagt: Ja, der Stadler, der trainiert in San Diego, da gibt es bessere Apotheken. Wenn du damit konfrontiert wirst, kannst du dich nicht wehren.

Hellriegel: Ich bin schon lange freiwillig im Kontrollsystem.

Stadler: Aber gab es wirklich Trainingskontrollen?

Hellriegel: Ja, dreimal im vergangenen Jahr.

Stadler: Ich war 2003 auch freiwillig in diesem Kontrollsystem und dachte, das verlängere sich automatisch. Aber man muß sich jedes Jahr neu anmelden.

Das heißt, Sie sind 2004 im Training nicht getestet worden?

Stadler: Nein. Aber ich bin auch nicht getestet worden in dem Jahr, als ich im freiwilligen Kontrollsystem war. Da kam kein Kontrolleur, nicht ein einziges Mal.

Sind Sie jetzt wieder angemeldet?

Stadler: Nein, das ist überholt. Ich warte auf die Profilizenz.

Hellriegel: Die Profilizenz wird kommen. Sie wird rund 250 Euro kosten, das ist für jeden erschwinglich, nicht nur für die Spitze.

Fühlen sich die Langstreckentriathleten vom Verband ausreichend vertreten? Schließlich zahlen Veranstaltungen wie Roth und Frankfurt hohe Abgaben.

Hellriegel: Wir wollten eigentlich einen Langstreckenkader. Der Verband wollte das nicht. Die Fördergelder, die er vom Staat bekommt, sind zweckgebunden für die Olympiaförderung und können nicht in einen Langkader oder die Jugendförderung gesteckt werden. Roth und Frankfurt fordern nun, daß Gelder, die aus Langstreckenveranstaltungen kommen, eben auch zweckgebunden eingesetzt werden: für die Langdistanz, und dann eben auch für Trainingskontrollen auf der Langstrecke.

Nun ist es ja so, daß der Verband von Ihren Erfolgen auf der Langstrecke profitiert.

Hellriegel: Ja natürlich, die Langdistanz ist, was interessiert. Ich war mal EM-Zweiter über die Kurzdistanz, da hat mich kein Journalist angerufen.

Stadler: In der Öffentlichkeit verbindet man Triathlon mit der Langstrecke, mit Hawaii. Der Verband geht mit uns klappern, mit unseren Erfolgen. Wenn wir gewinnen, heißt es: Das sind unsere Athleten.

Hellriegel: Und jetzt, in der Dopingproblematik, geht es genau in die andere Richtung, dann heißt es: Der Olympiakader ist sauber, so etwas gibt es nur auf der Langdistanz, und eigentlich gehören die gar nicht dazu.

Also doch ein Langstreckenkader als Ausdruck der Integration?

Stadler: Nein, das war schon einmal angedacht. Dann hieß es, der Athlet solle auf Hawaii im DTU-Trikot starten - das funktioniert nicht.

Hellriegel: Wir Langstreckler sind Profis und müssen mit Triathlon unser Geld verdienen, da kann ich nicht im Verbandstrikot starten. Ich kann auch nicht an Verbandswelt- oder Europameisterschaften teilnehmen, das ist für uns uninteressant. Wir können nur zwei- oder dreimal starten pro Jahr - und da brauchen wir einigermaßen sinnvolle Wettkämpfe. EM und WM - da bekommt kaum jemand mit, daß die überhaupt stattfinden. Es gibt aber auch Berührungspunkte. Anfang des Jahres nehme ich an einem DTU-Trainingslehrgang der Kurzstreckler in Davos teil.

Stadler: Alter Schleimer.

Fühlen Sie sich als Triathleten mit Ihrer sportlichen Leistung in der Öffentlichkeit ausreichend gewürdigt?

Hellriegel: Ich war 1997, nach meinem Sieg auf Hawaii, Dritter bei der Wahl zum Sportler des Jahres. Hinter Jan Ullrich und Lars Riedel - das war eine sehr hohe Anerkennung meiner Leistung.

Sie kamen in diesem Jahr bei der Sportlerwahl nur auf Platz neun, Herr Stadler.

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