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EM-Gold für Ingrid Klimke : Das reine Vergnügen in der Vielseitigkeit

  • -Aktualisiert am

Ingrid Klimke gewinnt bei der EM Gold. Bild: EPA

Ingrid Klimke besiegt den großen Meister – und holt bei der Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter in Strzegom endlich ihren ersten großen Einzeltitel.

          Ingrid Klimke war schon lange dran. Die Tochter des legendären Dressurreiters Reiner Klimke gehört seit fast 20 Jahren zu den Top-Leuten des internationalen Vielseitigkeitsreitens. Immer wieder war sie einem großen Einzeltitel ganz nah gekommen. Aber sie musste 49 Jahre alt werden, um es zu schaffen: Am Sonntag wurde sie in Strzegom Europameisterin auf dem Oldenburger Hale Bob. Und es schien tatsächlich so, als wäre eine große Last abgefallen von der zweifachen Mannschafts-Olympiasiegerin, zweimaligen Mannschafts-Weltmeisterin und dreimaligen Mannschafts-Europameisterin.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          So ehrgebend der Teamgeist auch sein mag: Allein ganz oben zu stehen ist doch das höchste der Gefühle. Besiegen musste Ingrid Klimke für ihren Titelgewinn den großen Meister: Michael Jung wurde auf Rocana Zweiter. Beide kamen fehlerfrei durch das Gelände und den Springparcours. Doch im ersten von drei Teilwettbewerben war Ingrid Klimke besser: in der Dressur. Mannschafts-Europameister wurden die Briten vor Deutschland. Im Gelände am Samstag war den Titelverteidigern eines ihrer Asse abhanden gekommen. Bettina Hoy, die Führende nach der Dressur, war gestürzt.

          So schnell liegt man manchmal wieder am Boden. Das kennt Ingrid Klimke auch. Aber nach dem Gelände in Führung liegen und das Ergebnis dann im Spezialspringen ruinieren – das wollte sie auf keinen Fall mehr. Erst im Mai, beim Klassiker in Badminton, war ihr das wieder einmal passiert. Im Parcours erlebte sie dort ein Desaster, sie rutschte von Platz eins auf neun. Seitdem hat sie sich bei Springturnieren Erfolgserlebnisse geholt, zuletzt in ihrer Heimatstadt Münster. Jetzt, im polnischen Ort Strzegom, erschien sogar plötzlich der ehemalige Springreiter-Bundestrainer Kurt Gravemeier – und der Plan ging auf, keine Stange fiel.

          Für Klimke ist es der erste große Einzel-Titel

          Schon am Samstag im Gelände schienen Ingrid Klimke Flügel zu wachsen. Noch lange nachdem sie mit Hale Bob ohne Hindernisfehler und innerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel gekommen war, schien sie zu vibrieren vor lauter positiver Energie. „Ich habe schon vor dem Start angefangen zu lachen“, erzählt sie. Die Trainer hätten sie ermahnt, die Sache ernst zu nehmen. Schließlich erforderte der Kurs des deutschen Gestalters Rüdiger Schwarz hohes technisches Können und damit extreme Konzentration. Ingrid Klimke aber galoppierte mit ihrem Pferd durch die Landschaft, als wäre es ein reines Vergnügen. Nur einmal, an Hindernis acht, nahm sie auf Anordnung von Bundestrainer Hans Melzer den längeren Weg, um das Team nicht mit einem Risiko zu belasten, denn hier war zuvor Mannschaftskollegin Julia Krajewsi mit ihrem Pferd gerutscht. „Es ging ganz leicht“, schwärmte Ingrid Klimke.

          Am leichtesten sah es aber wieder einmal bei Seriensieger Jung aus. Der 35 Jahre alte Schwabe aus Horb lieferte abermals ein Lehrstück. Nach dem ersten Graben ermunterte er seine Stute Rocana noch ein wenig mit der Gerte. „Dies ist hier kein Kindergarten“, habe er ihr sagen wollen. Dann schossen die beiden so geschwinde durch die Landschaft, dass er gegen Ende sogar ein gemütlicheres Tempo hätte anschlagen können, aber er wollte der Stute nicht das Gefühl geben, nun sei die Aufgabe nicht mehr wichtig. Im Ziel lag er 15 Sekunden unter der Idealzeit von zehn Minuten, die insgesamt nur vier Paare einhielten.

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