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Immer neue Wettbewerbe : Inflation der Spiele

  • -Aktualisiert am

Zum Sieg geschmettert: Die Volleyballerinnen wie die serbische Europameisterin Stefana Veljkovic wissen vor lauter neuen Wettbewerben kaum mehr, um was sie gerade spielen. Bild: AP

Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Nations League, Champions League, Pro League und dann trotzdem noch Qualifikationsturniere für Olympia: Die Mannschaftssportarten verwässern ihre Wettbewerbe.

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          Manchmal ist es erstaunlich, mit wie wenig Ballsport wir früher ausgekommen sind. Eine nationale Meisterschaft, Hin- und Rückspiel, und am Ende ist der Erste auch Meister. Dazu im Vierjahresrhythmus eine Europa- und eine Weltmeisterschaft, nach deren Ausgang in der Regel auch die Startplätze für die Olympischen Spiele vergeben wurden. Sogar die europäischen Vereinswettbewerbe waren, ob mit oder ohne Setzliste, eine leicht zu verstehende Geschichte – im K.-o.-System ausgetragen, der Verlierer ist raus. Oder in Turnierform – aber nur in einem Turnier, wohlgemerkt. Und je nach Sportart gab es mitunter noch ein großes internationales Turnier der weltbesten Teams, eine reine Prestigesache und obendrein wunderbar geeignet, Spielern internationale Erfahrung angedeihen zu lassen.

          Das war einmal. Stattdessen haben wir längst eine von Sportart zu Sportart unterschiedliche Vielfalt bekommen. Und je mehr Sportler und Trainer über eine Dauerbelastung klagen, desto mehr Wettbewerbe kommen offenbar zur Strafe hinzu. Jeder unterliegt einem besonderen Modus, damit möglichst viele Spiele stattfinden. Die Liste ist zu lang, um sie alle zu erwähnen. Aber so verwässert wie nun bei der Volleyball-EM geht es oft zu in den Vorrunden: Vier Sechsergruppen, die besten vier Mannschaften kommen weiter – wow, irre spannend. Oder die Fußball-WM 2026 – 16 Dreiergruppen, die ersten zwei Teams kommen weiter. Weil das zu Mauscheleien einlädt, würde Gianni Infantino, der Präsident des Internationalen Fußballverbandes, bei einem Remis am liebsten sofort ein Elfmeterschießen anschließen lassen.

          Dazu müssten nur die Regeln geändert werden, vermutlich das kleinste Problem. Sein Vorgänger Joseph Blatter wollte übrigens einst das Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften abschaffen und plädierte für Wiederholungsspiele. Irgendjemand wird dem Schweizer wohl erklärt haben, dass diese Variante zwar die Einnahmen steigern, aber den Terminrahmen der K.-o.-Spiele sprengen würde.

          Schwer verständliche Wege nach Olympia

          Der Fußball ist mit seiner Nations League und demnächst mit einer neuen Champions League sowie noch mehr gesicherten Einnahmen der Trendsetter im internationalen Sport. Kaum hat sich das verwirrte Publikum an einen Modus und an eine Marke gewöhnt, ist alles schon wieder anders. Die World League der Volleyballspieler heißt mittlerweile Nations League, die World League der Hockeyspieler Pro League, der Wert bleibt umstritten, weil es sichere Startplätze für Olympische Spiele bei anderen Gelegenheiten zu gewinnen gibt. Im Hockey darf sich immerhin der Europameister noch sicher sein. Früher fuhren die ersten drei zu den Sommerspielen.

          Stattdessen gibt es nun nach der Pro League und der EM noch Qualifikationsspiele im Modus „best of two“ und angesichts des Termindrucks einen Bundesligamodus, den man mehrfach lesen muss, um ihn ansatzweise zu verstehen. Im Volleyball aber bedeutet der EM-Titel noch nicht die Qualifikation für Tokio. Die gab es vorher bei interkontinentalen Turnieren, und die letzten Plätze werden im Januar ausgespielt. Und überall stehen auch noch ausgedehnte europäische Vereinswettbewerbe auf dem Programm.

          Längst weiß man nicht mehr auf Anhieb, wer sich wo und wie für was qualifizieren kann, was wichtig ist und was nicht. Und so drängt sich eine Frage auf: Was ist bei diesen verrückten Tennisspielern los, dass sie all ihre Turniere immer noch so simpel im K.-o.-Modus ausspielen?

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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