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Rad-WM : Volle Attacke

  • -Aktualisiert am

Julian Alaphilippe nach seinem Sieg in Belgien Bild: EPA

In Deutschland ist man fixiert auf die Frankreich-Rundfahrt und blendet den restlichen Rennkalender aus. So verpasst man das Beste: Attacken, Konterangriffe – und den radelnden Showman Alaphilippe.

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          Radsport ist langweilig. Sagen sogar manche Profis. Und das finden hierzulande auch Zuschauer, die beim Zappen mal in eine Tour-de-France-Übertragung geraten und einem stundenlang scheinbar gemächlich dahinziehenden Peloton nicht viel abgewinnen können. In Deutschland ist man fixiert auf die Frankreich-Rundfahrt und blendet den restlichen Rennkalender quasi aus. Doch so verpasst man das Beste, nämlich die aufregendsten und spannendsten, schnellsten und taktisch zwanglosesten Rennen. Die Straßenrad-WM am Sonntag war ein Paradebeispiel dafür, wie viel Intensität und Faszination ein Radrennen entfachen kann.

          Attacken, Konterangriffe, Scharmützel, Teamgeist – ein dauerhafter Schlagabtausch der Besten ihrer Zunft, für die an (Fest-)Tagen wie diesen „alles geben“ keine lose Floskel, sondern fester Auftrag ist. Eingerahmt von Hunderttausenden Zu­schauern am Streckenrand im belgischen Herzland des Radsports: Flandern. Die WM-Woche dort war ein Velo-Festival. Mit dem elektrisierenden Finale des Männer-Rennens.

          Radelnder Showman

          Und einem Sieger, der Gastgeber Belgien schmerzte, aber dem Radsport ein weiteres Jahr im Regenbogentrikot einen großen Dienst erweist. Der Franzose Julian Alaphilippe ist ein radelnder Showman und strahlkräftiger Sympathieträger. Doch angsteinflößend für die Konkurrenz, wenn er aus dem Sattel geht. Als Fahrer im Regenbogentrikot zu siegen ist umso höher zu bewerten, weil jeder auf den Träger achtet und versucht, ihn in Schach zu halten. Aber Alaphilippe ändert sich auch als Weltmeister nicht. Attacke ist und bleibt sein Elixier. Manchmal scheitert er – im (halbwegs guten) Gefühl, es zumindest probiert zu haben. Oft triumphiert er – im Wissen, dass so die süßesten Siege herausgefahren werden. „Ich will kein Roboter werden“, sagte Alaphilippe.

          Gut für den Radsport, dass weitere Profis auf diese Weise auf die Jagd gehen. Vor allem aus der jüngeren Generation. Wout van Aert, Mathieu van der Poel, Remco Evenepoel, Marc Hirschi und auch Tour-Sieger Tadej Pogacar sind Protagonisten, die mit ihrer Energie nicht lange an sich halten können, sondern sie in spektakulären Angriffen entladen. Ein Gewinn für diesen Sport und seine Konsumenten. Von denen ja fast jeder Fahrrad fährt oder zumindest fahren kann – und sich besser in die Leistungen eines Radprofis hineinversetzen kann als in die eines Berufsfußballspielers.

          Was es bedeutet, eine Weile am Anschlag zu fahren, oder welche Rückmeldung die Beine nach einer langen Radtour geben, das wissen viele. Und es werden mehr, blickt man auf die Absatzzahlen der Fahrradindustrie. Dazu passt der Aufbruch im Profipeloton. Mit einem Alaphilippe, der parallel zur zehrenden Beinarbeit gerne mit den Händen ein Schlagzeug bearbeitet. Und auch im Rennen behände zwischen Rock ’n’ Roll und Heavy Metal wechseln kann.

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