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American Football : Kein Platz für Sentimentalitäten in den NFL-Playoffs

  • -Aktualisiert am

Es wird richtig zugepackt: In den Wild Card Games geht es für die Green Bay Packers mit Tight End Richard Rodgers um alles Bild: AP

Einst Partner, nun Konkurrenten: Ben McAdoo und Mike McCarthy treffen in den Playoffs der NFL mit ihren Teams der Green Bay Packers und der New York Giants aufeinander.

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          Sie kennen sich, schätzen sich und haben zusammen das Größte erreicht, was in ihrem Beruf möglich ist - den Gewinn des Super Bowl. Doch nun will es die Ansetzung in der ersten Play-off-Runde der National Football League, dass die Kumpels Ben McAdoo und Mike McCarthy zu Gegnern werden - zumindest für die Spieldauer von rund drei Stunden.

          Es ist eigentlich ein ungleiches Duell. McAdoo ist in seiner ersten Saison als Cheftrainer bei den New York Giants tätig, hat dennoch die in den vergangenen vier Jahren so enttäuschende Mannschaft umgehend in die Play-offs geführt. Der New Yorker Boulevard bezeichnet den 39-Jährigen bereits als „Wonder Boy“. Dieser Wunderknabe steht nun am Sonntag vor seiner Play-off-Premiere als Headcoach. Die Giants treten bei den Green Bay Packers an (22.40 Uhr/ live in Sat 1). Für McAdoo ist es eine Reise in die eigene Vergangenheit und zurück zu seinem Mentor, Mike McCarthy, der seit elf Jahren beim Traditionsclub das Sagen hat.

          Es geht um Football

          McAdoo könnte viel erzählen. Über seine Zeit von 2006 bis 2013 in Green Bay, als er zu McCarthys Trainerstab gehörte - zunächst für die Tight Ends verantwortlich war und die letzten beiden Jahre als Quarterback-Coach mit Aaron Rodgers arbeitete, einem der beeindruckendsten Profis auf dieser Position. Doch in der NFL ist selten Platz für Sentimentalitäten - und in den Play-offs, wo jede Niederlage das Saisonende bedeutet, schon gar nicht. Und deshalb machte der 39-Jährige deutlich, dass es nicht um seine Play-off-Premiere als Chefcoach gehe, nicht um seine Rückkehr nach Green Bay und auch nicht um ein Wiedersehen mit McCarthy. Nein, so unterstrich McAdoo, es gehe einfach nur um Football, „nicht um dieses andere Zeugs“.

          Es ist Benjamin Lee McAdoo anzumerken, dass er mit dieser Saison noch nicht zufrieden ist. Dass ihm die elf Siege in 16 Spielen und das Erreichen der K.-o.-Runde nicht genügen. Für viele gelten seine Giants als das Team, gegen das niemand spielen möchte. Zu unberechenbar sei die Mannschaft, heißt es. Dass er und einige seiner Profis keine Play-off-Erfahrung haben, sei egal, ebenso wie die 16:23-Niederlage am fünften Spieltag in Green Bay, sagt McAdoo voller Überzeugung. Vielmehr sehen einige in ihm den kleinen Vorteil, der im wohl interessantesten der vier Spiele an diesem Wochenende den Ausschlag zugunsten der Giants geben könnte.

          Mike McCarthy gibt bei den Packers den Ton an
          Mike McCarthy gibt bei den Packers den Ton an : Bild: AFP

          Seit 1996 arbeitet der Mann mit dem korrekt gekämmten Mittelscheitel und dem Achtziger-Jahre-Schnauzer als Football-Trainer. Keine seiner neun Stationen, beginnend vom Highschool-Team seiner Heimatstadt Homer City im Bundesstaat Pennsylvania, bis hin zu seinem jetzigen Arbeitgeber, ist ihm so vertraut wie die 1265 Lombardi Avenue in Green Bay. Und von keinem hat McAdoo so viel gelernt wie von Mike McCarthy.

          Gemeinsam in Green Bay

          Ihre Wege kreuzten sich erstmals 2004 bei den New Orleans Saints. McCarthy war für die Offensive zuständig, McAdoo ihm als sogenannter Offensive Quality Control Coordinator unterstellt. Derartige Positionen gelten als typische NFL-Einstiegsjobs. Das Aufgabenfeld umfasst unter anderem die weitläufige Vorbereitung der Spiele, das Erstellen von statistischen Analysen und Videomaterial der Gegner. McAdoo etablierte sich schnell, McCarthy gefiel die akribische Arbeitsweise des Neuen, der vorher nur bei Highschool- und Universitäts-Teams tätig war. In der Saison 2005 wechselte McCarthy zu den San Francisco 49ers, McAdoo folgte ihm.

          Ein Jahr später die nächste Luftveränderung. McCarthy nahm in Green Bay seine erste Stelle als Headcoach an - und holte McAdoo in seinen Trainerstab. Am 6. Februar 2011 standen sie Seite an Seite im riesigen Cowboys Stadium von Arlington, etwas außerhalb von Dallas. Vor der Super-Bowl-Rekordkulisse von 103 219 Zuschauern gewannen die Packers gegen die Pittsburgh Steelers jene Trophäe, die nach Green Bays legendärem Trainer, Vince Lombardi, benannt ist. McCarthy und McAdoo waren auch dabei, als die Packers im Halbfinale 2008 sowie im Viertelfinale 2012 jeweils daheim den Giants unterlagen. New York wurde in beiden Jahren anschließend Meister.

          Chefstratege in New York: Ben McAdoo
          Chefstratege in New York: Ben McAdoo : Bild: AFP

          2014 trennten sich ihre Wege. Die Giants lockten McAdoo mit dem Posten des Offensive Coordinators an die Ostküste. Obwohl der Klub jeweils die Play-offs verpasste, wurde sein Einfluss schnell deutlich, vor allem Eli Manning profitierte von ihm. In der Saison 2013 waren noch 27 Pässe des Quarterbacks beim Gegner gelandet, in den beiden folgenden Spielzeiten mit McAdoo warf Manning insgesamt 28 Interceptions. Zudem erzielte er 2015 einen Karrierebestwert von 35 Touchdowns.

          Aaron Rodgers beschreibt McAdoo als „Grinder“, also als jemanden, der sich regelrecht in seine Arbeit hineinwühlt. Er sei ein Verfechter von fundamentalen Football-Sachen und all den kleinen Dingen gewesen, die den großen Erfolg erst möglich machen, so Rodgers. Der Spielmacher hat in dieser Saison so viele Touchdowns geworfen (40) wie kein anderer Quarterback. Und er ist es auch, der Ben McAdoo die größten Sorgen bereitet. „Rodgers spielt wie ein Wahnsinniger, ist unheimlich gut drauf, hat einen Killerinstinkt“, betont der Giants-Trainer. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er einige Eigenschaften von Mike McCarthy mit nach New York gebracht hat. Vor allem die ruhige Ausstrahlung an der Seitenlinie. „Ich bewundere Mike in höchstem Maße“, sagt McAdoo. McCarthy wiederum schaut erfreut nach New York. „Ich bin sehr stolz darauf, was Ben erreicht hat. Du willst doch immer sehen, dass deine Freunde Erfolg haben.“

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