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Kommentar : Gut gemogelt ist hoch gewonnen

  • -Aktualisiert am

Da ist die Luft schon raus: Patriots-Coach Bill Belichick mit der Lamar Hunt Trophy für den Championship-Sieg gegen die Colts Bild: AFP

Bill Belichick lässt Luft raus und wird dafür belohnt: Die New England Patritos haben auch dank einer Manipulation der Bälle das Super Bowl erreicht. Die Strafe fällt erstaunlich gering aus.

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          In einer Sportart, in der es extrem hart zugeht, sind Fragen der Fairness nicht so einfach in einen Regelkodex zu gießen. Was verboten sein soll und was noch erlaubt, hängt von einer Unmenge von Umständen ab. Aus diesem Grund ist das NFL Rule Book im Laufe der Jahre zu einem Dokument mit, sage und schreibe, mehr als hundert engbedruckten Seiten angeschwollen.

          Und deshalb spielt man mit sieben Schiedsrichtern, die im Zweifel am Spielfeldrand Videoaufzeichnungen von Spielszenen begutachten und notfalls ihr Diktum revidieren. Und die trotzdem immer wieder erstaunliche Fehlentscheidungen produzieren, über die sich halb Amerika aufregt. Denn Football ist die beliebteste Sportart im Land.

          Über diese Hingabe an das Kleingedruckte dürften Männer vom Typ eines Bill Belichick nur lachen. Zumindest heimlich zu Hause im Keller. Denn draußen auf dem Platz sieht keiner so grimmig aus und gibt keiner Journalisten so bräsige und mürrische Antworten wie der Cheftrainer der New England Patriots, der seine Mannschaft soeben zum sechsten Mal in dreizehn Jahren in den Super Bowl führte.

          Vorteil Patriots

          Der Erfolg gibt ihm nämlich recht, dem Geheimniskrämer, der gegnerische Mannschaften nicht nur mit offenem Visier bekämpft. Weshalb sich in den Vereinigten Staaten auch niemand wunderte, dass eine Untersuchung der Liga bestätigte, dass sein Betreuerteam vor dem Spiel gegen die Indianapolis Colts aus elf von zwölf bereitgestellten Bällen einen Teil der Luft herausgelassen hatte. Vorteil?

          Natürlich Belichick. Denn weichere Ledereier können die Spieler leichter fangen. Vor allem bei kaltem, nassem Wetter wie am Sonntag in Foxborough. Warum half das nur den Patriots, bei denen Sebastian Vollmer aus Kaarst bei jedem Angriffszug auf dem Platz steht? In der NFL spielen die beiden Mannschaften mit unterschiedlichen Sets. New England gewann mit seinen Bällen überlegen. Mit 45:7.

          In der NFL gibt es nur eine Geldbuße

          Eine derartige regelwidrige Manipulation wäre in anderen Sportarten womöglich Grund für eine Annullierung des Spiels oder eine Disqualifikation der Übeltäter. Aber der Strafenkatalog der NFL handelt das, was auf dem Platz passiert, nach Moralmaßstäben ab, die so viele Register haben wie die Orgelpfeifen im Passauer Stephansdom. Betrug? O nein. Es handelt sich um „cheating“. Auf Deutsch: Mogeln. Das kostet nur eine Geldbuße und allenfalls ein paar Draftplätze. So, als gäbe es keinen Geschädigten, sondern nur Leute, die so dumm waren, sich ertappen zu lassen, und die mit dem Spott der Öffentlichkeit genug bestraft sind.

          Dabei ist Belichick ein Wiederholungstäter. Er hatte einst jahrelang die Zeichensprache, mit der gegnerische Trainer mit ihren Spielern kommunizieren, verbotenerweise mit Videokameras ausspionieren lassen. Die 500 000 Dollar Strafe waren zwar happig, aber zu verschmerzen. So wie dieses Mal auch. Der Trainer der Patriots, der dank seiner Erfolge inzwischen zum Genie hochstilisiert wird, verdient im Jahr 7,5 Millionen Dollar brutto.

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