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Webcam-Darts : Im virtuellen Pub durch die Corona-Krise

Bild: F.A.Z.

Morgens Australier, abends Engländer, nachts Amerikaner: In Zeiten der Pandemie treffen sich Dartsspieler im Internet und es fühlt sich an wie Seit an Seit am Board. Selbst Top-Spieler nutzen die Plattform für Trainingsspiele.

          5 Min.

          Sven-Oliver Beute wirft auf seine „Corona“. Das passt in diesen Zeiten der Pandemie. Die „Corona“ ist in seinem Fall eine Beleuchtungskonstruktion, die ein Dartshersteller vor einigen Jahren unter dem nun so negativ besetzten Namen auf den Markt gebracht hat. Wie eine Krone sitzt der LED-Ring auf dem Dartboard und sorgt für perfekte Ausleuchtung ohne störende Schatten. Die Corona trägt dazu bei, dass Beute ein wenig angenehmer durch die Zeit der Krise kommt. Trotz Kontaktbeschränkungen kann man ihm dabei zuschauen. „WebcamDarts.com“ macht es möglich. Das Internetportal ist seit einigen Tagen der angesagteste Treffpunkt für Dartsspieler aller Qualitätsstufen. Die Plattform führt ein Statistik-Tool und das Bild einer aufs Dartboard gerichteten  Webcam zusammen.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So kann Beute die Scheibe im gegnerischen Wohnzimmer sehen und kontrollieren, ob ihm die richtige Punktausbeute mitgeteilt und via Statistiktool übermittelt wird, während er einen kleinen Ausschnitt seines Zuhauses in die Welt hinaussendet.  „Wichtiger aber noch ist für mich, dass ich die Pfeile beim Gegner höre. Dadurch kann ich in meinem Spielrhythmus bleiben und weiß, wann ich wieder dran bin“, sagt der 50 Jahre alte Dartsspieler vom Bundesligaklub Dartspub Walldorf. „Auf den Bildschirm schaue ich hingegen eigentlich kaum. Das würde mich zu sehr vom eigenen Spiel ablenken. Ich vertraue meinem Gegner, dass er die richtigen Angaben macht.“

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          Beute hat sein Training zur Zeit notgedrungen komplett auf WebcamDarts verlegt. Aber er ist dort bereits seit Jahren Stammgast und hat schon vor der Krise einen Großteil seiner Trainingsspiele im Netz absolviert. „Ich muss nur aus unserem Wohnzimmer einen Stock nach oben in mein Büro, den PC anschalten und die Webcam anschließen und finde rund um die Uhr passende Gegner rund um die Welt. Morgens finde ich Australier, abends Engländer, Deutsche oder Franzosen, nachts sind die Amerikaner wach.“ Beute spart sich zudem die Zeit für Fahrten in die einschlägigen Darts-Kneipen, in denen er adäquate Gegner finden würde, auch die Getränkekosten fallen weg. Und er stellt für sich fest, dass er beim Online-Spiel besser wirft als an Boards in Kneipen oder Turnhallen.

          „Ich bin hier zuhause an meinem ‚happy place‘, an dem ich mich beim Dartspielen besonders wohlfühle“, sagt Beute.
          Das beweist er in den folgenden fünf legs, einzelne Spiele von 501 abwärts, die wir während des Gesprächs bestreiten. Beute beendet eins der Legs mit elf Pfeilen, ein weiteres mit zwölf. Alle fünf Spiele beendet er mit dem ersten Wurf aufs Doppel. Sein Schnitt von fast 87 Punkten würde selbst bei den Profiturnieren der PDC reichen, um konkurrenzfähig zu sein. „Ich spiele hier bei Webcam-Darts besser als bei Turnieren in irgendwelchen Hallen. Da bin ich nervös, wenn jemand zuschaut und ich habe Probleme, mich an die Umgebung zu gewöhnen. Zuhause bei mir ist alles um die Scheibe herum immer gleich.“

          „Von Abend zu Abend werden es mehr Spieler“

          Bis vor kurzem war das Portal ein Geheimtipp unter Dartsspielern, abends tummelten sich dort aber nur selten mehr als ein oder zwei Dutzend Spieler. Es war eine kleine Community an Freaks. Dann aber kam die Corona-Krise, es kamen Ausgangsbeschränkungen, auch die Kneipen mit Dartboards in der Ecke wurden geschlossen. „Von Abend zu Abend werden es mehr Spieler, die man dort findet“, sagt Beute. „Da sind richtige Topspieler aus der PDC und der BDO dabei.“ Die deutschen Top-Spieler Gabriel Clemens und Robert Marjanovic oder auch die BDO-Stars wie Jeff Smith und John Michael sind in der Liste der Spieler zu finden, die „online gehen“, um in diesen tristen Tagen „ein wenig Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen“, wie Clemens sagt. Hier kann er gegen sie spielen, was im realen Turnieralltag kaum der Fall wäre.

          Im „happy place“: Sven-Oliver Beute spielt, die an der Decke installierte Webcam „schaut“ zu.
          Im „happy place“: Sven-Oliver Beute spielt, die an der Decke installierte Webcam „schaut“ zu. : Bild: Sven-Oliver Beute

          Michael Unterbuchner ist auch einer der Prominenten auf Webcam-Darts. Der zweimalige Halbfinalteilnehmer bei den Weltmeisterschaften des kleiner Dartsverbands BDO findet nun immer öfter den Weg ins Internet. „Vor drei Jahren hatte ich hier schon mal gelegentlich gespielt. Aber ich habe dann doch lieber direkt mit jemandem am Board gestanden“, sagt er. „Jetzt aber ist das als Notgeschichte ganz okay, damit ich Abwechslung bekomme zu meinen Trainingsplänen, bei denen ich gewisse vorgegebene Muster spielen muss.“

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