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Im Porträt: Sabine Lisicki : Das Erdbeben von Berlin

  • Aktualisiert am

Karriere aus Überzeugung: „Ich liebe es, auf den großen Plätzen zu spielen und im Rampenlicht zu stehen” Bild: dpa

Sabine Lisicki macht eine Tenniskarriere nach Drehbuch. Lächelnd lehrt sie den Damen das Fürchten - und bleibt bei ihrer kühnen Aussage: Sie will „Nummer eins der Welt“ werden. Ihr Spiel scheint nur zwei Geschwindigkeiten zu kennen: schnell und schneller.

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          Über Frankfurt lacht die Sonne, während Sabine Lisicki über die Welt lächelt. Sie sitzt an einem Einzeltisch, ein paar Meter entfernt von ihrer Fed-Cup-Mannschaft (siehe: Fed Cup: Zwei Siege zum Start gegen China ), und wundert sich auf sehr freundliche Weise, was für eigenartige Dinge die Menschen von ihr wissen wollen. Zum Beispiel, ob sie überrascht gewesen sei von ihrem Turniersieg am vergangenen Wochenende in Charleston. Oder ob sie jetzt, als deutsches Fräuleinwunder und neue Hoffnungsträgerin des größten Tennisverbandes der Welt, sehr großen Druck verspüre. Oder ob ihre Spielweise, auf fast jeden Ball mit voller Wucht einzuschlagen, nicht verdammt riskant sei.

          Und, natürlich, zum hundertsten Mal, die Frage nach ihrem Anspruch, „die Nummer eins der Welt“ werden zu wollen. Sabine Lisicki, neunzehn Jahre alt und sehr professionell, seufzt nicht, sie lächelt. Nein, Druck verspüre sie keinen, sagt sie, und sie spiele doch schon viel weniger risikoreich als vor drei, vier Jahren. Und dass sie Spitzenspielerinnen schlagen könne, das habe sie doch schon im vergangenen Jahr bewiesen. „In Charleston habe ich ja nicht wie von einem anderen Stern gespielt, sondern einfach nur mein Spiel.“ Und so habe sie eben „alle hintereinander weggehauen“ und „mir den Sieg absolut verdient“.

          Zu ihrem Spruch steht sie bis heute

          Es gibt Tenniskarrieren, die gründen sich auf Hoffnung; der Hoffnung, mithalten zu können auf der Profitour und sich dabei ein einträgliches Einkommen zu sichern. Sabine Lisicki macht Karriere aus Überzeugung. „Ich liebe es, auf den großen Plätzen zu spielen und im Rampenlicht zu stehen“, sagt die Neunzehnjährige. „Dann merke ich, wofür ich so hart arbeite.“

          Der Traum von der Nummer eins: „Mutig” nennt Teamchefin Rittner Lisickis Ambitionen

          Zu ihrem Spruch mit der Nummer eins, der sie bei den Australian Open vergangenes Jahr beinahe bekannter gemacht hat als der vorangegangene Überraschungserfolg gegen die jetzige Weltranglistenerste Dinara Safina, steht sie bis heute. Die Beste zu sein sei eben ihr Traum, sagt Sabine Lisicki. Die Damen-Bundestrainerin pflichtet ihr bei. „Eine mutige Aussage“, sagt Barbara Rittner, „aber Sabine hat recht - warum sollte sie sich von vorneherein limitieren?“

          Mit fünfzehn auf der großen Bühne

          Sabine Lisickis Karriere, von Trainer-Vater Richard, einem promovierten Sportwissenschaftler, geplant und begleitet, verläuft wie nach der goldenen Hollywood-Regel für Drehbuchschreiber: mit einem Erdbeben beginnen und dann langsam steigern. Sabine Lisicki war fünfzehn Jahre alt und auf Weltranglistenplatz 979 notiert, als sie von den Veranstaltern der German Open in Berlin eine Wildcard erhielt.

          Die junge Lokalmatadorin, drei Jahre zuvor mit ihren aus Polen stammenden Eltern von Troisdorf in die Hauptstadt gezogen, besiegte die damals beste Doppelspielerin der Welt, Cara Black. „Ein geniales Gefühl“ sei es gewesen, auf großer Tennisbühne aufschlagen zu dürfen, sagt Sabine Lisicki rückblickend. „Ich wusste sofort, dass es genau das ist, was ich will.“ Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hat ihre beste Spielerin jüngst zur „kleinen Rampensau“ erklärt.

          Mut zum Risiko in Wort und Tat

          Nach ihrem fulminanten Debüt 2005 wurde Sabine Lisicki sogleich mit jener berühmten Landsfrau verglichen, die sich in ebenso jungen Jahren in den Profizirkus gewagt hatte: Steffi Graf, wer sonst. Diesen Vergleich empfinde sie bis heute nicht als Bürde, sondern als „große Ehre“, sagt die Berliner Blondine, die gleich im Jahr ihres Tour-Debüts von der Vermarktungsagentur IMG unter Vertrag genommen wurde.

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