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Im Gespräch: Turner Fabian Hambüchen : „Einen fetten Konflikt brauche ich nicht“

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Als Turner ist Fabian Hambüchen eine absolute Größe. Zu Hause in Wetzlar ist er gerne auch noch Sohn. Sein Vater trainiert ihn seit Kindertagen, seine Mutter sitzt beim Interview dabei. Der junge Turner im Gespräch mit Christiane Moravetz und Evi Simeoni.

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          Als Turner ist Fabian Hambüchen eine absolute Größe. Zu Hause in Wetzlar ist er gerne auch noch Sohn. Sein Vater trainiert den Reck-Weltmeister seit seinen Kindertagen, seine Mutter sitzt bei dem Interview dabei. Der junge Turner im Gespräch mit Christiane Moravetz und Evi Simeoni.

          Sie sind 21 Jahre alt und wohnen im Elternhaus - wie lange noch?

          Meine Freundin und ich beginnen gerade, eine Wohnung zu suchen, wir wollen zusammenziehen. Ich hoffe, es bis zum Frühjahr zu schaffen. Denn sollte ich studieren, soll sich das nicht überlappen.

          Familienidylle: Fabian Hambüchen (2. v. r.) mit Vater, Mutter, Freundin
          Familienidylle: Fabian Hambüchen (2. v. r.) mit Vater, Mutter, Freundin : Bild: picture-alliance/ dpa

          Was wollen Sie studieren?

          Betriebswirtschaftslehre mit Spezialisierung Sportmanagement. Es wird ein Fernstudium werden.

          Ist das noch ein weiterer Schritt ins Erwachsenenleben?

          Ja, aber der größte Schritt ist es, auszuziehen. Studieren gehört auch zum Erwachsenwerden, aber das ist einfach nur der nächste Schritt. Turnen hin, Turnen her, das ist schön, aber ich habe jetzt anderthalb Jahre nichts anderes gemacht, jetzt reicht es.

          Es ist ein spannender Moment in Ihrem Leben ...

          Es werden viele Dinge auf mich und meine Freundin zukommen, die normalerweise von meinen Eltern erledigt werden. Ich möchte zum Beispiel kochen, das würde ich gerne können. Und Wäsche waschen und Ähnliches bekommt man sicher alles hin. Einfach mal Mama anrufen und fragen, wie es geht.

          Wird einem in solchen Momenten bewusst, was es bedeutet hat, Kind zu sein?

          So, wie ich hier alles nachgetragen bekomme, wird es später nicht mehr sein. Wenn allerdings auch noch der ganze Medienrummel auf mich allein einprasseln würde, wäre ich innerhalb eines Monats erledigt, also machen wir Arbeitsteilung.

          Bei Ihnen stimmen so viele Faktoren: Ihr Vater ist Turntrainer, Sie sind außergewöhnlich begabt und von den körperlichen Voraussetzungen besonders geeignet fürs Turnen, als müsste irgendein Konzept dahinterstecken. Haben Sie als Kind vielleicht sogar gedacht, Sie wären fürs Turnen geboren?

          Ich habe nie gedacht, ich bin auf die Welt gekommen, um Turner zu sein. ANTWORT: Es war einfach, was ich machen wollte, und das ist es immer noch. Deshalb habe ich meine ganze Kindheit und Jugend in der Turnhalle verbracht. Als ich angefangen habe zu turnen, hat mein Vater bestimmt nicht gedacht, in ein paar Jahren ist der ganz oben, das sah am Anfang gar nicht so aus. Das hat sich entwickelt.

          Können Sie sich an einen Moment erinnern, in dem Ihnen ganz klar wurde, dass Sie unbedingt Turner werden wollten?

          Mittags bin ich manchmal mit einem Kumpel auf den Fußballplatz gegangen und habe einfach ein bisschen mitgekickt, weil ich frei hatte. Wenn mich dann ein Trainer oder Betreuer gefragt hat, ob ich nicht samstags mitmachen wolle beim Spiel, und ich gesagt habe: nein, kein Interesse, ich will nur turnen - da war mir klar, dass ich nichts anderes machen wollte.

          Wie alt waren Sie bei Ihrem ersten Wettkampf?

          Ich glaube, fünf. Man durfte erst ab sechs turnen, aber ich hatte eine Sondergenehmigung. Es war ein Mannschaftskampf für Siebenjährige, da kam ich Stoppelhopser dazu: Attacke.

          War es ein ganz gerader Weg, den Sie gegangen sind, oder mussten Sie bewusst an Abzweigungen vorbeigehen?

          Bisher war er wirklich gerade. Ich musste auch nicht sagen, jetzt ist Schluss, jetzt muss ich irgendwie anders weitermachen. Es war immer klar: Das eine ist Schule, die muss durchgezogen werden bis zum Abitur. Und sportlich: sich immer weiter hocharbeiten. Jetzt kommt der Faktor Freundin noch dazu. Aber der turnerische Weg geht weiter wie bisher auch.

          Gab es keine Verlockungen, Versuchungen?

          Nein. Auch weil meine Freunde meistens selbst Turner waren, und die hatten Verständnis, oder ich habe sie sowieso immer gesehen. Aber wenn die anderen dann samstagabends Party machten, war ich nicht dabei. Ich war nicht auf einer einzigen, nicht einmal auf der von meinem Leistungskurs. Ich hatte nie das Bedürfnis, ich muss da hin. Ich hätte mich aber auch selbst geärgert, wenn ich am Montag im Training platt gewesen wäre.

          Haben Sie denn nicht in der Pubertät gegen Ihren Vater rebelliert?

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