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Im Gespräch: Timo Weß : „Wir leben vor, was die Gesellschaft fordert“

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Im FAZ.NET-Soundfile: Timo Weß spricht über Karriereplanung Bild: dpa

Den Spagat zwischen Leistungssport und Studium bewältigen die Hockeyspieler mit erstaunlicher Konstanz. Timo Weß hat in seiner Karriere alle Titel gewonnen. In seinem 232. Länderspiel gewann er in Peking als Kapitän der Nationalmannschaft die Goldmedaille. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Karriereplanung.

          Den Spagat zwischen zwischen Leistungssport und Studium bewältigen die Hockeyspieler mit erstaunlicher Konstanz. Keine deutsche Ballsportart ist erfolgreicher und Timo Weß hat als einziger deutscher Hockeyspieler alle Titel eingesammelt.

          Mit seinem ehemaligen Verein Crefelder HTC gewann der mittlerweile für Rot-Weiss Köln spielende Innenverteidiger die deutsche Meisterschaft 2006 sowie den Europapokal der Landesmeister 2007. Sein Debüt in der Nationalmannschaft gab er am 26. Februar 2001, ein Jahr später gehörte er zu jenem Team des Deutschen Hockey-Bundes, das erstmals in der Geschichte des Verbandes bei einer Weltmeisterschaft triumphierte. 2003 verteidigten die Deutschen ihren Europameistertitel, 2004 kam die olympische Bronzemedaille hinzu.

          Nach den Olympischen Spielen von Athen wurde Weß Kapitän der Nationalmannschaft, die 2006 ihren WM-Titel verteidigte und 2007 auch die Weltmeisterschaft in der Halle gewann. Das 232. und bislang letzte Länderspiel gipfelte in Peking in der Krönung der Karriere: Deutschland wurde, nach 1972 und 1992, zum dritten Mal Olympiasieger.

          Weltmeister 2006: Weß mit dem damaligen Trainer Bernhard Peters

          Der ehemalige Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters hat nach dem EM-Sieg 2003 gesagt, die Hockeyspieler seien die wahren Profis. Wie hat er das gemeint, Sie sind doch Amateur?

          Er meinte damit, wie wir es schaffen, neben dem Sport noch eine Berufsausbildung zu absolvieren. Im Gegensatz zu den Profis können wir uns ja nicht nur auf unseren Sport konzentrieren. Wir müssen zwar genauso viel trainieren, aber zusätzlich auch noch studieren.

          Wer ist denn besser trainiert, der Hockey-Nationalspieler oder der Fußball-Bundesligaspieler?

          Eindeutig der Hockey-Nationalspieler. Wir haben aber eine schmale Spitze, vielleicht 30 Spieler, die zu den Topleuten gehören, und daraus werden die 18 herausgefiltert, die zu den großen Turnieren fahren. Natürlich ist ein Hockeyturnier auch etwas ganz anderes als die Fußball-Bundesliga. Die Fußballer spielen alle sieben Tage, wir spielen mindestens alle zwei Tage und müssen deshalb ein ganz anderes Pensum fahren. Wenn man die Werte vergleichen würde, bin ich sicher, dass die Hockey-Nationalspieler fitter sind.

          Sie betreiben Ihren Sport also professioneller?

          Das will ich nicht sagen, dafür sind die Sportarten zu unterschiedlich. Der Fußballer muss sich mit anderen Sachen auseinandersetzen als der Hockeyspieler, er steht viel mehr im Mittelpunkt. Nehmen wir mal unsere EM 2007, da sind wir Vierter geworden und haben die direkte Olympia-Qualifikation völlig überraschend verpasst. Wäre das im Fußball passiert, hätten die erst mal nicht mehr vernünftig trainieren können bei dem Theater, das dann losgewesen wäre. Im Hockey gab es ein bisschen Aufruhr, aber doch sehr intern.

          Sie spielen bei großen Turnieren alle zwei Tage, eine Fußball-WM dauert viereinhalb Wochen. Würden Sie sich langweilen, wenn sie montags gegen Pakistan und dann erst wieder sonntags gegen Australien spielen würden?

          Ich fand sogar die Olympischen Spiele in Anführungszeichen langweilig, denn bei einer Hockey-WM oder EM spielen wir ja teilweise täglich. Bei Olympia gab es einen klaren Ablauf: Ein Tag spielen, ein Tag frei, da haben manche Jungs schon gesagt: Boah, wir haben ja dauernd frei hier. Aber das ist wie Training eine Sache von Gewohnheit.

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