https://www.faz.net/-gtl-yrrj

Im Gespräch: Philipp Petzschner : Wie lebt es sich mit der Ewigkeit, Herr Petzschner?

  • Aktualisiert am

Bild: Burkhard Neie

Philipp Petzschner ist Wimbledonsieger im Tennisdoppel. Wir treffen ihn gut gelaunt in Stuttgart. Auf dem dortigen Weißenhof will er in diesem Jahr im Doppel mit seinem Erfolgspartner Jürgen Melzer antreten.

          6 Min.

          Unsere Hoffnungen sind groß: Bekommen wir mit Ihnen oder mit Andrea Petkovic wieder einen Boris Becker oder eine Steffi Graf?

          Die beiden waren absolute Ausnahmesportler. Es ist unwahrscheinlich, dass so viele Erfolge zusammen noch einmal in Deutschland passieren.

          Das bedeutete lange aber auch, dass Tennis bei uns zu einer „Unter ferner liefen“-Sportart abgestempelt wurde. Wie sehen Sie die Zukunft im deutschen Tennis?

          Wir haben sehr viele gute Spieler, die auch zur Weltspitze gehören. Dazu zähle ich die fünfzig Besten unter vielleicht einer Million Menschen, die auf der Welt sehr gut Tennis spielen, und davon leben rund 10 000 in Deutschland. Wenn du dann zu den besten zwei oder drei deutschen Spielern gehörst, bist du in der Weltspitze.

          Also doch keine so schlechte Situation?

          Wir sind die zweitstärkste Nation unter den ersten Hundert der Weltrangliste. Momentan haben wir dort bei den Männern neun Spieler. Wir sind also auf einem sehr guten Weg und werden international bewundert für diese Erfolge. Nur im eigenen Land wird genörgelt. Uns fehlt eben einer, der mal wieder ein großes Turnier gewinnt. Die Medien schreiben die deutschen Spieler schlecht. Man sollte den Sportlern gegenüber fair bleiben und verstehen, dass auch ein hiesiger Top-Ten-Spieler eine große Leistung abliefert.

          Wie fühlen Sie sich seit Ihrem Wimbledon-Sieg im Doppel zusammen mit dem Österreicher Jürgen Melzer?

          Natürlich gibt dir so ein Wimbledon-Sieg einen Schub. In Wimbledon die Siegertrophäe in der Royal Box überreicht zu bekommen, davon träumt man schon als Kind. Und wenn das dann Wirklichkeit wird, bleibt diese Erinnerung für das ganze Leben.

          Aktuell gibt es ja keine deutschen Vorbilder, denen Sie nacheifern könnten. Wer also ist Ihr Idol, Ihr Maßstab?

          Früher waren das Stefan Edberg und Goran Ivanisevic. Bei Edberg faszinierte mich seine elegante Spielweise, an Goran gefiel mir seine Andersartigkeit. Man wusste bei ihm nie, was auf dem Platz passieren würde. Idole hat man aber nur bis maximal zehn bis vierzehn Jahren, nicht mehr mit sechsundzwanzig. Ich denke, dass Roger Federer der beste Tennisspieler der Welt ist. Aber es ist schwer zu sagen, er wäre mein Idol. Vielmehr ist es jemand, den man bewundert und dem man gerne beim Tennisspielen zuschaut. Für mich ist es eine tolle Herausforderung, gegen Roger bei einem Turnier zu spielen, wie letztes Jahr in Halle.

          Also doch zumindest ein weiteres Vorbild neben Edberg und Ivanisevic?

          Ja. Federer ist für mich der kompletteste und beste Spieler, den es jemals auf der Welt gab. Er war nicht umsonst 275 Wochen lang die Nummer eins. Und ich hoffe, dass er es wieder wird, weil es einfach Spaß macht, ihm zuzuschauen.

          Und wie sehen Sie sich selbst?

          Vielleicht wird es ja irgendwann einmal Kinder geben, die mich zum Vorbild oder gar als Idol haben. Aber davor werde ich noch einiges zulegen müssen. Dafür und daran arbeite ich.

          Wie kamen Sie zum Tennis?

          Mein Vater ist Trainer und hatte eine Tennisanlage in der Nähe von Bayreuth. Das führte dazu, dass ich, sobald ich geradeaus laufen konnte, einen Schläger in der Hand hatte. Den werde ich mein Leben lang nicht vergessen: Es war ein gelber Völkl-Schläger. Den habe ich heute immer noch. Mein Vater hat mich betreut, bis ich sechzehn Jahre alt war. Ihm habe ich alles, was ich im Tennis gelernt habe, zu verdanken. Wer weiß: Wenn er Fußballtrainer gewesen wäre, stünde ich wahrscheinlich jetzt als Fußballprofi vor Ihnen.

          Wer trainiert sie jetzt?

          Ich habe derzeit zwei Trainer im Wechsel: meinen Freund, den Ex-Profi Lars Uebel, und seit vorletztem Jahr den Holländer Jan Velthuis, den ich mir mit Jürgen Melzer teile.

          Konzentrieren Sie sich momentan aufs Doppel?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Apotheker in Dortmund händigt eine FFP2-Maske aus.

          Coronavirus : 16.417 Neuinfektionen und 879 neue Todesfälle gemeldet

          Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut mehr als 16.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt zwar seit einigen Tagen, liegt aber weiter deutlich über dem Wert, den sich die Kanzlerin wünscht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.