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Im Gespräch: Patrick McQuaid, UCI-Präsident : "Wir kämpfen gegen einen Feind, den wir nicht sehen"

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„Man hat es ständig mit einer mafiaartigen Konstellation außerhalb des Sports zu tun”: Pat Mc Quaid ist seit 2005 UCI-Präsident Bild: AP

Pat McQuaid ist seit 2005 Präsident des Internationalen Radsport-Verbandes UCI. In Kopenhagen erreichten ihn die Nachrichten von den Doping-Nachtests der Tour de France 2008. McQuaid über inhumane Doping-Tests, verführbare Sportler und Lance Armstrong als Verkaufsargument.

          Der sechzig Jahre alte Ire Pat McQuaid ist seit 2005 Präsident des Internationalen Radsport-Verbandes UCI. Während er die olympischen Sitzungen in Kopenhagen verfolgte, erreichten ihn auf seinem Mobiltelefon die Nachrichten von einem angeblichen Skandal, der keiner war - alle Doping-Nachtests der Tour de France 2008 waren negativ. Allerdings erhob die französische Anti-Doping-Behörde AFLD schwere Vorwürfe gegen die UCI. In einer Sitzungspause in Kopenhagen erklärte McQuaid, die Franzosen seien selbst an den kritisierten Tests während der diesjährigen Tour de France beteiligt gewesen.

          Sie haben als UCI-Präsident wohl nicht so viel Spaß.

          Nein.

          Vorzugsbehandlung oder humaner Akt? Die französische Anti-Doping-Behörde kritisierte den umgang mit Alberto Contador (l.) und Lance Armstrong bei der Tour in diesem Jahr

          Glauben Sie denn, dass die Rückkehr von Lance Armstrong wirklich gut für Ihren Sport war?

          Das fragen mich Deutsche immer. Er hat überall, wo er angetreten ist, ein größeres Publikum angezogen, sogar bei der Tour de France bekam er einen warmen Empfang. Die Medienresonanz der Tour 2009 war eine der besten, die wir jemals hatten - wegen Armstrong. Er globalisiert den Sport und weckt Sponsoreninteresse.

          Das Problem mit Armstrong dürfte aber der Doping-Verdacht gegen ihn sein. In Frankreich wird er immer im Fokus der Anti-Doping-Behörde AFLD stehen. Sie hat erst kürzlich angeprangert, er und sein Astana-Team seien während der Tour bei von Ihrem Verband vorgenommenen Doping-Kontrollen bevorzugt behandelt worden.

          Ich sehe das als humanen Akt und nicht als Vorzugsbehandlung. Wir haben den betreffenden Zwischenfall längst untersucht und der AFLD einen Bericht gegeben. An diesem bestimmten Tag, nach einer Bergetappe, kamen die Rennfahrer von Astana sehr spät ins Hotel, sie aßen spät und kamen erst um ein Uhr ins Bett. Um Viertel nach sieben morgens tauchten unsere Kontrolleure im Hotel auf. Sie kamen ins Restaurant, wo der Teamarzt saß, der ihnen erklärte, man wolle die Sportler eigentlich erst um acht fürs Frühstück wecken. Die drei waren die einzigen Leute im Restaurant und sind die ganze Zeit zusammengeblieben, sie tranken eine Tasse Kaffee und haben die Rennfahrer dann um Viertel vor acht für die Kontrolle geweckt. Niemand verließ vorher das Zimmer, die Sportler wurden nicht gewarnt. Die Kontrolleure müssen bei ihren Entscheidungen auch Rücksicht auf die Menschen nehmen und Respekt für die Athleten aufbringen.

          Sie sagen, Sie haben einen Bericht an die AFLD geschickt und dachten, damit wäre alles erledigt. Trotzdem hat die französische Agentur bei einer Pressekonferenz letzte Woche wieder den gleichen Vorwurf erhoben. Wieso?

          Das weiß ich wirklich nicht. Sie benehmen sich nicht wie ein Partner. Wir haben mit ihnen einen Vertrag unterschrieben vor der diesjährigen Tour. Sie stellten zwei Ärzte und wir zwei Anti-Doping-Inspektoren, die die Kontrollen jeweils paarweise gemacht haben. Die vier Leute haben gemeinsam geplant, wer getestet wird und die Arbeit aufgeteilt, und es hat sehr gut funktioniert. Offenbar haben die Ärzte aber jeden Tag detaillierte Notizen und später einen Report gemacht. In einer normalen Partnerschaft hätten sie den Bericht an die UCI geschickt, dann hätten wir die Sache untersucht und dann wieder mit der AFLD gesprochen. So stelle ich mir vertrauensvolle, professionelle Zusammenarbeit vor. Doch so war es nicht. Ich habe den Report auf meinen Blackberry bekommen, als er bereits in „Le Monde“ stand.

          Aber wieso?

          Möglicherweise wollen sie erreichen, dass sie wie letztes Jahr die Doping-Kontrollen bei der Tour wieder ohne UCI machen können. Sie hatten letztes Jahr großen Erfolg mit den positiven Fällen.

          Was machen Sie also nächstes Jahr?

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