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Im Gespräch: Michael Holczer : „Kein Kontrollsystem bringt uns dahin, wo wir sein möchten“

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Hans-Michael Holczer beim Ausverkauf seines Gerolsteiner-Rennstalls: „Wie sauber ist die Tour? Das sind alles rhetorische Fragen” Bild: dpa

Michael Holczer ist nach dem Ende seines Teams Gerolsteiner nur noch Zuschauer der Tour de France. Im Interview spricht der ehemalige Radsportmanager über sein Verhältnis zum Radsport und den hoffnungslosen Kampf gegen Doping.

          Michael Holczer ist nach dem Ende seines Teams Gerolsteiner nur noch Zuschauer der Tour de France. Im Interview spricht der ehemalige Radsportmanager über sein Verhältnis zum Radsport und den hoffnungslosen Kampf gegen Doping.

          Herr Holczer, Sie sitzen erstmals seit 2003 bei der Tour de France nicht mehr im Begleitfahrzeug. Zum Auftakt in Monaco waren Sie aber vor Ort. Können Sie nicht von der Tour lassen

          Ich war für einen Sponsor dort. Ich betreue die Gäste vor Ort und werde mit An- und Abreise elf Tage bei der Tour sein. Das ist seit Anfang des Jahres meine Aufgabe.

          „Ich habe es nicht in den Griff bekommen”

          Wie nah sind Sie noch dran am aktuellen Geschehen?

          Ich bin natürlich informiert. Aber ich habe meine Konsequenzen gezogen. Ich habe immer gesagt, wenn Fälle (Doping, d. Red.) ans Tagelicht kommen, muss der Teammanager seinen Hut nehmen. Das habe ich nach dem Fall Kohl getan.

          Der Fernseher bleibt also aus?
          Ja, die Tour schaue ich mir eher weniger an. Das wirkliche Interesse am Tagesgeschäft hat einfach nachgelassen.

          Spüren Sie nicht ein winziges Tour-Kribbeln?

          Nein. Was ich erlebt habe, war so drastisch. Ich bin ja mit einer Rambo-Manier gekommen und habe gesagt, ich will mal sehen, wie ihr das bei mir hinbekommt mit Blutdoping. Ich war mir da sehr sicher, dass es unmöglich ist. Und dann ist es doch passiert. Ich habe es einfach nicht in den Griff bekommen.“

          Oft ist zu hören, der Holczer muss doch etwas gewusst haben ...

          Ich habe nie gesagt, dass ich von nichts weiß. Ich habe gesagt, ich habe es nicht in den Griff bekommen. Ich wusste sehr wohl, in welchem Umfeld ich mich bewege. Aber ich habe dazu oft genug meine Meinung abgegeben.

          Stefan Schumacher, Bernhard Kohl und Davide Rebellin, die besten Fahrer Ihres ehemaligen Teams Gerolsteiner, wurden überführt. Haben Sie denn noch Kontakt zu den drei Fahrern?

          Mit Kohl habe ich noch Kontakt, mit Schumacher kein Wort. Rebellin habe ich einmal angerufen. Es hieß, er habe zwar einen Brief bekommen, aber es sei nicht sein Blut. Da muss ich auch nicht mit den Leuten diskutieren. Über kurz oder lang werden wir uns vermutlich vor Gericht wiedersehen.

          Kurz vor der Tour wurde Ihr ehemaliger Fahrer Francesco De Bonis durch den neuen Blutpass überführt. Sie haben ihn bereits im Frühjahr 2008 nach einem Etappensieg bei der Tour de Romandie nicht mehr eingesetzt ...

          Ja, denn das konnte ich nicht mehr glauben. Bei der Sarthe-Rundfahrt konnte er kurz zuvor nicht mal ein Hinterrad halten, und bei der Romandie braucht er nur noch zu lenken. Er war eine tickende Zeitbombe.

          Und dann haben Sie die Reißleine gezogen?

          Ich habe De Bonis einfach nicht mehr vertraut. Und 13 Monate später wird er von der UCI überführt. Ich habe ihn nicht mehr eingesetzt, aber man ist einfach machtlos. Der Fahrer unterschreibt halt beim nächsten Team.

          Dennoch waren zumindest Sie konsequent ...

          Bei jedem Fahrer, bei dem ich den Verdacht hatte, habe ich gehandelt.

          Aber Sie haben De Bonis bis zum Vertragsende bezahlt ...

          Man hat nur juristisch keine Chance. Nehmen Sie das Beispiel Andrea Moletta. Da wurde sein Vater erwischt mit einer Spritze, deren Inhalt ich bis heute nicht kenne. Ich habe ihn sofort aus dem Giro genommen, aber weiter bezahlt, und er hat mehr als fünfstellig verdient. Die anderen 3 (Schumacher, Kohl, Rebellin, Anm. d. Red.) hat das aber nicht daran gehindert, weiterzumachen.

          Auch Milram-Chef Gerry van Gerwen hatte beklagt, dass er juristisch kaum eine Handhabe bei auffälligen Blutwerten habe. Bei ihm war es der Spanier Igor Astarloa, der gehen musste ...

          Astarloa und seine Blutwerte sind ein anderes Thema. Er war das Beispiel dafür, warum man einen Weltmeister nicht weiter verpflichten sollte. Ohne da jetzt weiter darauf einzugehen.

          Was ist aus Ihrem Engagement beim neuen britischen Sky-Team geworden?

          Ich bin dort noch als Berater tätig. Die ursprüngliche Geschichte, dass sie bei uns die Teamzentrale aufmachen und ich helfe, das Team aufzubauen, hat sich zerschlagen. Da konnten wir uns nicht einigen. Jetzt bin ich auf Abruf Berater.

          Und die Tour dieses Jahr? Glauben Sie an ein sauberes Peloton?

          Ach wissen Sie, einen Neuanfang für die Tour? Wie sauber ist die Tour? Das sind alles rhetorische Fragen. Kein Kontrollsystem der Welt wird uns dahin bringen, wo wir sein möchten. Es ist die Frage, ob der Radsport jemals da war.

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