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Im Gespräch: Michael Gross : „Ich habe alles aus eigenem Antrieb erreicht“

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Eine Frage der Perspektive: Nur um die Schultern herum scheint Michael Gross etwas schmaler geworden zu sein Bild: F.A.Z. - Helmut Fricke

Er fühlt sich als Mann von Welt und tritt auch so auf. Wie früher im Schwimmbecken als Olympiasieger machte Michael Gross auch später als Geschäftsmann beeindruckend Karriere. SOLO - Ein Thema, ein Interview - Teil 12 mit Michael Gross und „Karriere“.

          Dass er sich als Mann von Welt fühlt und auch so aufzutreten vermag, fand in der Änderung seines Nachnamens Ausdruck: Aus Michael Groß wurde Michael Gross - der internationalen Schreibweise angepasst. Der Albatross hat auch außerhalb des Schwimmbeckens reüssiert: als Geschäftsmann, der sein Business genauso professionell angeht wie einst seine Sportkarriere. Dort ist der 1964 in Frankfurt geborene Gross zeit seiner Karriere für den Ersten Offenbacher Schwimmclub gestartet. Der 2,01 Meter große, selbst so genannte „Anti-Star“ blickt, als er 1991 zurücktrat, auf drei Olympiasiege (in Los Angeles 1984 zweimal und in Seoul 1988 einmal), fünf WM-Titel und zwölf Weltrekorde zurück. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Im Gespräch redet Michael Gross im zwölften Teil der FAZ.NET-Serie „SOLO - Ein Thema, ein Interview“ über - Karriere.

          Sie kommen aus dem Kraftraum und schwitzen gar nicht. Ist das ein Zeichen von Fitness - oder von Faulheit?

          Ich habe ja schon geduscht. Beim Krafttraining schwitze ich auch nicht so viel, mehr bei der Ausdauer. Das mache ich bei mir im Wald mit dem Mountainbike, den Feldberg hoch, kreuz und quer, oder auf dem Hometrainer.

          Abtrainieren kann man das jetzt nicht mehr nennen. Was sagen Sie dazu?

          Nee, Abtrainieren ist schon ewig vorbei. Ich habe ja nach meiner Karriere, was naheliegt, Triathlon gemacht und noch vier-, fünfmal die Woche trainiert. Die Intensitäten wie beim Leistungssport macht man dann nicht mehr, man versucht einfach, einen 150er Puls zu haben, und fertig. Nur damit der Motor geschmiert wird. Zwei, drei Jahre danach ist man dann in der Lage, ohne dass es einem schadet, auch mal nichts zu tun.

          Was Sie ja nie getan haben: nichts. Wie bringen Sie jetzt Ihre Karrieren als selbständiger Unternehmer, als Familienvater und als Ihr eigener Fitnesstrainer unter einen Hut?

          Ein guter Sportler braucht nicht gezwungen zu werden, der macht das aus eigenem Antrieb. Das gilt für mich heute wie damals. Ein Trainer im Hochleistungssport ist ja eher ein Coach, der - wie eine Führungskraft in der freien Wirtschaft - dafür sorgt, dass seine Mitarbeiter erfolgreich sind, der die wichtigen Tipps gibt und Tricks verrät. Und ich bin eben mein eigener Trainer. Ich versuche, drei-, viermal in der Woche Sport zu machen, egal wo, hier oder irgendwo in der Welt.

          Sie sehen, jedenfalls in Anzug und Oberhemd, genauso aus wie früher. Stimmt das darunter auch noch, oder haben Sie sich figürlich verändert?

          Nein. Die Größe bleibt, die Physis auch. So schwer ist das nicht. Die Fitness zu erhalten ist nicht aufwendig. Auf einem 95-prozentigen Leistungsniveau zu schwimmen, das können Sie mit minimalem Aufwand. Aber wenn Sie einmal runtersacken, dann ist es schwer, wieder hochzukommen. Und von 100 auf 105 Prozent zu kommen, das ist auch ein riesiger Sprung. Das gilt nicht nur für den Hochleistungssport, sondern auch für das, was ich jetzt für meine Fitness tue.

          Wahrscheinlich haben Sie es nur mit dieser eisernen Disziplin geschafft, in Ihrer Zeit als Hochleistungssportler nicht nur das Abitur zu machen, sondern auch noch Ihr Studium abzuschließen, oder?

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