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Im Gespräch: Markus Weise : „Vielleicht fahren wir mit einem Sparflammenteam nach London“

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Markus Weise: „Wenn du Glück hast, darfst du dich bei Olympia auch mit Sport beschäftigen“ Bild: dapd

Bundestrainer Markus Weise über den Luxus als Hockeytrainer, die Zumutungen des deutschen Sportsystems, die Belastungen bei Olympia und hausgemachte Probleme der Ballsportarten.

          Markus Weise, der im Dezember fünfzig wird, begann im Alter von neun Jahren mit Hockey beim TSV Mannheim. Mit der Damen-Nationalmannschaft gewann er 2004 Olympiagold. Seit November 2006 ist er Bundestrainer der deutschen Herren-Auswahl, mit der er 2008 die Goldmedaille holte.

          Fast alle deutschen Mannschaftssportarten sind an der Olympia-Qualifikation gescheitert, im Volleyball gibt es noch Chancen, im Moment sind nur die Hockey-Teams qualifiziert. Profitieren Sie vom Scheitern der anderen?

          Das könnte man glauben, aber das Gegenteil ist richtig. Für uns ist es ganz schlecht, weil die gesamte deutsche Olympiamannschaft kleiner wird, und danach richtet sich der komplizierte Personalschlüssel für eine Delegation. Je größer die Mannschaft ist, desto besser sind die Chancen, einen zweiten Ko-Trainer oder einen Videomann mit ins Team zu bekommen.

          Heißt das, die erfolgreichste deutsche Ballsportart bei Olympischen Spielen wird in London nicht ausreichend unterstützt?

          Das könnte passieren. Vielleicht fahren wir nur mit einem Sparflammenteam, mit nur einem Assistenten und ohne Videomann zu den Spielen. Wir können auch keinen auf eigene Kosten mitnehmen, denn ohne Akkreditierung kommt der nicht ins Stadion, geschweige denn auf den Videoturm.

          Weise: „Zwei Medaillen, davon eine in Gold - das ist schon sehr ambitioniert“

          Also haben Sie beim größten Sportfest schlechtere Bedingungen als sonst?

          Beim größten Sportfest musst du dich als Erstes von der Vorstellung lösen, dass du nur für Sport da bist. Das ist eine völlig irrige Annahme, das habe ich spätestens in Peking gelernt. Alles ist extrem reglementiert, und du musst dich mit allen möglichen Sachen beschäftigen - und wenn du Glück hast, ist auch Sport dabei.

          Hätte Hockey angesichts der Erfolge eine bevorzugte Behandlung verdient?

          Bei uns entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) darüber, welche Person für welchen Sport wichtiger ist. Bei der Überlegung kann eine Rolle spielen, dass eine Mannschaft nur eine Medaille gewinnen kann, aber der Kanu-Verband vielleicht zehn. Wir wissen ja, dass der Medaillenspiegel, also die Nationenwertung, allen sehr wichtig ist. Und weil das so ist, geht es immer darum: Wie investiere ich das Geld?

          Ist sie denn so wichtig?

          Das muss so sein, man wird ja ständig damit konfrontiert. Wir haben beispielsweise in unserer Zielvereinbarung mit dem DOSB stehen, dass Hockey zwei Medaillen gewinnen muss, davon eine aus Gold. Das ist ja schon sehr ambitioniert.

          Kann man in einer Mannschaftssportart eine Goldmedaille versprechen?

          Das kann man natürlich guten Gewissens nicht. Ich unterschreibe so eine Zielvereinbarung auch brav in dem Wissen, dass uns so ein Turnier jederzeit um die Ohren fliegen kann. Es ist ein unfassbar schmaler Grat, auf dem wir uns wie Seiltänzer bewegen. Wenn man im Schwimmen schon im Training ständig fast eine Weltrekordzeit schwimmt, dann weiß man, dass es schwer wird für die anderen. Aber in einem Mannschaftssport gibt es so viele Unwägbarkeiten, das ist manchmal schon grotesk.

          Wie unterscheidet sich die Arbeit des Hockey-Bundestrainers von der des Handball-Chefcoaches?

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