https://www.faz.net/-gtl-wj6v

Im Gespräch: Lasse Kopitz : „Man robbt übers Eis und sucht seine Zähne zusammen“

  • Aktualisiert am

Mit Muskeln geht es besser: Lasse Kopitz Bild: Henning Bode

Trotz gebrochener Kniescheibe spielte er die Play-offs. Nur mit Fieber geht Lasse Kopitz nie ins Spiel. Eishockeyprofis sind zwar „durchgeknallt“ - aber nicht lebensmüde. SOLO - Ein Thema, ein Interview - Teil 2 mit Lasse Kopitz und „Schmerzen“.

          7 Min.

          Lasse Kopitz spielt seit 1999 professionell Eishockey. Bei den Frankfurt Lions gehört er zu den Anführern. Seine Nase war schon vier- oder fünfmal gebrochen, und trotz Bruchs der Kniescheibe spielte er die Play-offs. Nur mit Fieber geht Kopitz nie ins Spiel. Eishockeyprofis sind zwar „durchgeknallt“ - aber nicht lebensmüde. Im Gespräch redet der 27 Jahre alte Verteidiger im zweiten Teil der FAZ.NET-Serie „SOLO - Ein Thema, ein Interview“ über - Schmerzen.

          Was verstehen Sie unter dem Begriff Schmerz?

          Schmerzen kann man nicht vergleichen. Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Empfinden. Bei Menschen, die öfter Schmerz wahrnehmen, wandert die Schmerzgrenze nach oben. Viele Profisportler beachten Wehwehchen überhaupt nicht mehr, die anderen Menschen erheblich zu schaffen machen würden.

          Eishockeyspielen und Schmerzen gehören zusammen?

          Ja. Unsere Körper werden ja auch richtig durchgerüttelt. Bei jedem Check kann sich irgendwo ein Wirbel verschieben, der dann später gerichtet werden muss. Man erleidet Prellungen. Es gibt sehr viel mehr Körperkontakt als beispielsweise beim Fußball. Deshalb muss man lernen, mit Schmerzen umzugehen.

          Wie macht man das? Schmerzen sind doch auch ein Warnsignal des Körpers.

          Sicher. Schmerzen sind generell nichts Positives, aber darauf kann ich als Profi nicht immer Rücksicht nehmen.

          Was schmerzt Ihnen im Moment?

          Der Rücken, das ist bereits chronisch. Das resultiert aus der Haltung auf dem Eis. Beim letzten Spiel habe ich einen Stockschlag in den Rücken bekommen und mir den Hüftkopf auf der rechten Seite ein bisschen verzogen. Der tut jetzt halt beim Laufen weh. Ich bin auch mit dem Knöchel umgekippt, da macht nun das Außenband Probleme. Aber das ist normal. Im Eishockey ist eigentlich immer jemand aus der Mannschaft richtig ordentlich verletzt.

          Von Handballspielern ist bekannt, dass sie ihren Schmerz mit großen Mengen Voltaren betäuben.

          Viele bei uns machen das ähnlich. Mit Sachen, die legal sind. Es gibt viele Spieler, die vor dem Spiel Schmerzmittel nehmen. Einfach provisorisch. Nur muss man aufpassen, was man nimmt. Aspirin ist sehr gefährlich, es wirkt blutverdünnend. Da wäre es schwierig, eine Wunde zu stillen. Aber ich lasse die Finger davon.

          Warum?

          Ich bin der Meinung, dass ich den Schmerz durch Konzentration beherrschen kann.

          Haben Sie sich das selbst beigebracht?

          Die Fähigkeit, den Schmerz wegzudenken, entwickelt sich bei jedem von uns im Laufe der Jahre. Es kommt darauf an, dass man sich nicht mehr damit beschäftigt, dass es eigentlich weh tut. Das kann man lernen.

          War der Schmerz nie so groß, dass Sie geweint haben?

          Doch, aber dafür war kein körperlicher Schmerz verantwortlich. Das war emotional. Natürlich gab es Momente, in denen es mir richtig schlecht ging. Zum Beispiel 2005, als wir mit der Nationalmannschaft in Österreich abgestiegen sind. Das war ein Karrieretiefpunkt.

          Was waren bislang Ihre größten Verletzungen?

          Der Leistenbruch und eine Schambeinentzündung. Sonst hatte ich nie Verletzungen, bei denen ich lange ausgefallen bin. Ich hatte mal einen Kniescheibentrümmerbruch, mal habe ich mir zweieinhalb Bänder in der Schulter gerissen. Das ist beides in den Play-offs passiert, das wurde getaped, und dann ging es weiter. Das geht auch alles. Ich kenne wenige Spieler, die schmerzfrei spielen, auch wenn sie gerade einmal nicht verletzt sind. Und wenn man erst mal anfängt zu erzählen, hier tut es weh und dort zwickt es auch ein wenig, dann hört man sich ja fast an wie ein Fußballspieler.

          Sind Eishockeyspieler einfach härtere Zeitgenossen?

          Da ist wohl was dran. Ich habe in Köln mit Ivan Ciernik, einem Slowaken, zusammen gespielt, der hatte irrsinnig viele Hämatome an den Beinen und an den Händen. Ich stand ihm in der Kabine gegenüber und habe ihn gefragt, ob er nicht höllische Schmerzen habe. Nee, hat er gesagt - und gelächelt.

          Im Eishockey gibt es die Besonderheit, dass Trainer so gut wie nie zugeben, wenn sich jemand aus der Mannschaft verletzt hat. Warum?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rettungskräfte in der südisraelischen Stadt Sderot versorgen eine Frau nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen am 12. Mai

          Angriffe in Israel und Gaza : Wenn man die Angst hören kann

          Die Heftigkeit der Angriffe der Hamas und des israelischen Militärs, aber auch der Gewalt in Israel selbst hat viele überrascht. Und alle fragen sich: Wird diese „Runde“ bald vorüber sein und wird sich etwas ändern?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.