https://www.faz.net/-gtl-z3q7

Im Gespräch: Ivan Lendl : „Heute würde ich gnadenlos abgeschossen“

  • Aktualisiert am

„An keine Niederlage erinnert man sich gerne”: Ivan Lendl Bild: dpa

Er war der beste Tennisspieler der achtziger Jahre. Dreimal hat er die French Open gewonnen - und in Erinnerung bleibt seine Niederlage gegen Chang. Ivan Lendl über Tennis und Golf, Becker und Kaymer, alte Geschichten und neue Champions.

          5 Min.

          Ivan Lendl, 51 Jahre alt und Vater von fünf Töchtern, will sich nicht festlegen, ob Rafael Nadal oder Novak Djokovic 2011 in Paris gewinnt. Der in den Vereinigten staaten lebende frühere Weltranglistenerste (270 Wochen) ist heute leidenschaftlicher Golfspieler, tritt nach 14 Jahren Pause aber auch wieder bei Tennis-Schaukämpfen an.

          Sie haben sich nach einer imposanten Tenniskarriere dem Golf verschrieben. Worüber sprechen Sie lieber?

          Worüber Sie wollen. Wir können auch über Radsport reden, denn die Tour de France oder die Frühjahrsklassiker schaue ich mir immer an. Oder über Eishockey: Ihr Deutschen habt Russland bei der WM 2:0 geschlagen - und damit viele Menschen glücklich gemacht.

          „Mit den neuen Saiten gelingen selbst mir Schläge, die ich früher nicht beherrscht habe”: Lendl im albfinale von Wimbledon 1989 gegen Boris Becker

          Aber als Aktiver, sind Sie ehrgeiziger beim Tennis oder beim Golf?

          Beim Golf, ganz klar. Im Tennis kann ich mich nicht mehr verbessern, im Golf gelingt es mir hoffentlich noch.

          Ihr Handicap von plus 3 ist schon sehr gut. Aber als Sie vor zehn Tagen an einem lokalen Qualifikationsturnier für die US Open teilgenommen haben, sind Sie gescheitert. Woran lag's?

          Zum einen hätte ich mich dort nicht gemeldet, wenn es auf einem anderen Platz stattgefunden hätte. Aber der Newport Country Club hat einen der phantastischsten Golfplätze in den Vereinigten Staaten, er hat eine enorme Geschichte. Die US Open der Herren sowie der Damen wurden dort gespielt, und das zehnte Grün ist das älteste in Amerika. Ich habe dort schon oft gespielt, aber die Bedingungen waren diesmal extrem schwierig. Der Wind blies mit einer Geschwindigkeit von vierzig Kilometern in der Stunde. Aber ich konzentriere mich sowieso mehr auf die Qualifikation bei den Senioren Ende Juni.

          Sie haben eine Tennis- und Golf-Akademie. Als doppelter Fachmann, was trauen Sie Martin Kaymer zu? Hat er das Zeug dazu, im Golf das zu werden, was Boris Becker im Tennis war?

          Noch ist er nicht so weit. Kaymer hat bisher nur ein Major gewonnen, Boris dagegen sechs. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Aber Kaymer hat Potential. Er scheint alles mitzubringen, um große Hoffnungen zu wecken: das Spiel, das Temperament, die mentale Stärke. Für das deutsche Golf wäre es toll, wenn es nach Bernhard Langer einen weiteren großen Champion bekäme und die Sportart populärer würde, so wie es Boris und Steffi im Tennis gelungen ist.

          Sie treten nach vierzehn Jahren Tennispause wegen Rückenbeschwerden nun wieder bei Schaukämpfen an. Ein Comeback?

          Es ist reiner Spaß, für mich als Spieler und für die Zuschauer. Aber die Beweglichkeit ist mit meinen 51 Jahren nicht mehr so da.

          Früher haben Sie es doch auch manchmal ruhiger angehen lassen. Weil Sie in kniffligen Matchsituationen gerne zum Handtuch griffen oder auf andere Weise das Spiel verlangsamten, sprach Ihr Rivale Brad Gilbert von „Lendls Schildkröten-Tennis“.

          Das sagt ausgerechnet Brad! Gegen ihn musste ich immer versuchen, schnell zu spielen. Sonst hätte er jede Chance zur Erholung genutzt, weil er nie in bester Verfassung war.

          Sie haben doch auch gerne zum Handtuch gegriffen!

          Viele Sachen, die ich getan habe und über die Leute früher gelacht haben, sind mittlerweile normal. Ich wurde für verrückt erklärt, weil ich den Schläger gewechselt habe, wenn die Bälle ausgetauscht wurden. Heute macht das fast jeder.

          In Paris laufen die French Open. Welche Erinnerungen überwiegen bei Ihnen - die drei Triumphe oder die bittere Niederlage 1989 gegen den völlig entkräfteten Michael Chang?

          Ich habe nur gute Erinnerungen an Roland Garros. Das erste Mal zu gewinnen war etwas ganz besonderes, und den Erfolg zweimal wiederholt zu haben, ist großartig. Natürlich hätte ich noch einmal mehr gewinnen können.

          Die Niederlage gegen Chang gehört also nicht zu Ihren guten Erinnerungen?

          An keine Niederlage erinnert man sich gerne. Viele Leute wollen mit mir über das Match gegen Chang sprechen, aber ich sage ihnen immer: Warum mit mir, warum nicht mit Michael? Ich war damals 29 und nicht in allerbester Verfassung, für ihn aber blieb es der einzige Grand-Slam-Turniersieg.

          Heute sind die Profis wesentlich fitter als es Chang damals war. Was sind die größten Unterschiede zwischen den achtziger und neunziger Jahren und dem heutigen Profitennis?

          Der größte Unterschied ist tatsächlich die Athletik. Die Profis von heute sind größer, stärker, schneller. Deshalb und weil die Ausrüstung besser geworden ist, können sie viel aggressiver spielen. Mit den neuen Saiten gelingen selbst mir Schläge, die ich früher nicht beherrscht habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die neuen Vorsitzenden der SPD Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.