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Im Gespräch: Harald Schmid : „Ich habe mich nie betrogen“

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„Ich weiß nicht, ob ich gegen einen sauberen Gegner verloren habe”: Harald Schmid Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Der frühere Hürdenläufer Harald Schmid wollte „kein rundgeschliffenes Etwas“ sein. Das bekamen vor allem Politiker und Funktionäre zu hören - ohne Kompromisse. SOLO - Ein Thema, ein Interview - Teil 10 mit Harald Schmid und „Vorbildern“.

          Harald Schmid wollte „kein rundgeschliffenes Etwas“ sein - und so ist ein Sportler und Mensch mit Ecken und Kanten aus ihm geworden. Das haben Politiker und Funktionäre zu hören bekommen. So hat sein Image ein klares Profil gewonnen: Harald Schmid steht für Spaß, Anstrengung, Erfolg und Sauberkeit im Leistungssport. Auf Kompromisse zu Lasten der Moral lässt er sich nicht ein. Er gewann fünf Europameistertitel und hielt fast 13 Jahre lang den Europarekord über 400 Meter Hürden in 47,48 Sekunden. Der heute 50-jährige Doktor der Sportwissenschaft betreibt eine Diagnose-Praxis und arbeitet für die bundesweite Kampagne „Kinder stark machen“. Im Gespräch redet Schmid im zehntenTeil der FAZ.NET-Serie „SOLO - Ein Thema, ein Interview“ über - Vorbilder.

          Sie waren weder Olympiasieger, noch Weltmeister oder Weltrekordler - trotzdem galten und gelten Sie als Inbegriff des Musterathleten. Wie kommt das?

          Erstens bin ich eine ganze Zeitlang gelaufen, 15, 16 Jahre in der A-Nationalmannschaft. Mit 18 hat es begonnen, mit 33 aufgehört. Und ich habe eigentlich jedes Jahr irgendwas gewonnen - sei es nur eine Bronzemedaille bei Olympia. Dazu kamen Europameistertitel, WM-Zweiter, WM-Dritter, Europarekord. Ich habe eigentlich kein Jahr gehabt, in dem es einen Einbruch gab. Vielleicht hat das zu meinem Image beigetragen.

          Bilderrätsel: Edwin Moses (r.), Danny Harris (l.) und Harald Schmid beim WM-Finale 1987

          Was haben Ihre Bewunderer an Ihnen wohl so hoch geschätzt?

          Hm, vielleicht lag das daran, dass ich meinen eigenen Vorstellungen gefolgt bin. Ich kannte mein Ziel und den Weg, von dem bin ich selten abgewichen. Ich habe das zwar immer mal wieder korrigiert, wenn ich gemerkt habe, dass ich Fehler mache. Aber wenn ich überzeugt war, dass ich es richtig mache, dann habe ich das auch verfolgt. Und vor allem klar nach außen vertreten.

          Konkreter, wenn's geht: Was muss ein Vorbild zu bieten haben - außer Erfolg?

          Man muss klar erkennbar sein für andere, nicht so ein rundgeschliffenes Etwas, das bin ich nicht, sondern jemand mit einer klaren Struktur. Die Leute wollen wissen: Wer steht da vor ihnen?

          Auf neudeutsch: Authentisch muss man sein! Das ist aber noch nicht per se positiv. Welche Werte muss dieser Jemand verkörpern?

          Für mich musste der Spass am Sport rüberkommen. Ich habe ihn nie verbissen gesehen, selbst wenn ich hart trainiert habe. Auch wenn es viele Menschen nicht verstehen können, dass die 400 Meter oder die 400 Meter Hürden keine Qual waren, zweimal am Tag trainieren, und das auch noch hart. Ich habe es als Abenteuer gesehen und ein bisschen als Spiel. Und wenn ich verloren habe, gut, dann war ich eben schlechter. Ich habe nicht drumherumgeredet, sondern versucht, den Fehler bei mir zu finden. Erst das hat mir die Chance gegeben, es beim nächsten Mal besser zu machen. Dieses Streben, immer besser zu werden, das hat in mir dringesteckt. Und ganz wichtig: Ich habe den Sport immer so betrieben, dass ich weder mich noch andere betrüge.

          Was bewundern Verehrer wohl am Vorbild: Fleiß, Leistung, Erfolg - Geld?

          Das kann ich nicht genau sagen. Die gleichen das ja auch ab mit ihren eigenen Erwartungen vom Leben und versuchen, das wiederzufinden, was zu ihren Wertvorstellungen passt. Aus diesen persönlichen Gründen nehmen sie dann einen Spitzensportler zum Vorbild. Andere interessiert Sport überhaupt nicht, die nehmen sich einen Musiker.

          Hatten Sie Vorbilder, haben Sie sie vielleicht immer noch?

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