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Im Gespräch: David Stern, NBA-Commissioner : „Epo-Tests sind nicht gerechtfertigt“

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David Stern: „Es dopen nicht alle” Bild:

David J. Stern führt seit bald einem Vierteljahrhundert als Commissioner die National Basketball Association. Sie umfasst dreißig Teams und hat einen Jahresumsatz von drei Milliarden Dollar. Im F.A.Z.-Interview spricht Stern über sein Bild vom Sport, die Vermarktung und den Anti-Doping-Kampf.

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          David J. Stern, der 66 Jahre alte Jurist aus New York, führt seit bald einem Vierteljahrhundert als Commissioner die National Basketball League (NBA). Sie umfasst mittlerweile dreißig Teams und hat einen Jahresumsatz von drei Milliarden Dollar. Am Dienstag kommender Woche beginnt die neue Saison.

          Sie verkaufen eines der erfolgreichsten Produkte im Sport. Was würden Sie dem Internationalen Olympischen Komitee unter dem Aspekt des Marketings raten: Soll es die Dopingproben von Peking noch einmal testen oder nicht?

          Aber sicher. Das hilft dem Produkt, das man wachsen lassen will. Man präsentiert der Öffentlichkeit eine Marke, die verschiedene Attribute hat. Eines davon ist Glaubwürdigkeit; dass man das tut, was man sagt; dass man dem folgt, vom dem man sagt, dass es die eigenen Werte sind. Einer der Werte der Olympischen Bewegung ist, die Leistungen so weit wie möglich dopingfrei zu erzielen. Ich glaube, sie haben keine andere Möglichkeit, als das zu tun, was sie angekündigt haben. Dafür haben sie meinen Beifall.

          Stern (l.) am 18. Oktober in China: während eines Spiels zwischen Milwaukee und Golden State spendet der NBA-Commissioner rund 1 Million Dollar für die chinesischen Erdbebenopfer
          Stern (l.) am 18. Oktober in China: während eines Spiels zwischen Milwaukee und Golden State spendet der NBA-Commissioner rund 1 Million Dollar für die chinesischen Erdbebenopfer : Bild: AFP

          Ist das Image der Spiele durch Doping und Dopingverdacht beschädigt?

          Nein. Fans wissen, dass der Lohn für Athleten so riesig und der Druck auf sie so enorm ist, dass sie Risiken eingehen. Sie verstehen, dass sie langfristig ihre Gesundheit riskieren, weil die kurzfristige Belohnung für Siege so groß ist. Ich glaube nicht, dass dies der Fehler des IOC ist.

          Sie haben die Salary Cap, eine Obergrenze für Spielergehälter, durchgesetzt . . .

          Wir haben sie nicht angeordnet, sondern hart für sie gekämpft und viel für sie gezahlt. Auch wenn sich leicht sagt, dass es eine Obergrenze gebe: Unsere Spieler erhalten 57 Prozent der Bruttoeinnahmen der NBA.

          Zwei Milliarden Dollar.

          Die Salary Cap schreibt keine Summe fest. Sie ist eher ein Mechanismus, das Geld zu verteilen.

          Ist der Lohn nicht zu hoch und zu verführerisch?

          Ich will kein Kritiker oder Philosoph sein. In unserem Fall bekommen die Spieler nur deshalb so viel Geld, weil wir so viel Geld erzielen. Und wir erzielen so viel Geld, weil die Spieler so gut sind. Sie sind das Spiel. Die Olympischen Spiele machen auch viel Geld, riesige Mengen. Regierungen belohnen Goldmedaillen mit Stipendien. Der Amateurgedanke wurde vor langer Zeit aufgegeben.

          Die NBA ist für viele Sportarten ein Vorbild. Welches ist der Schlüssel, eine Sportart erfolgreich zu verkaufen?

          Vieles, was zum Wachstum unseres Sports beigetragen hat, haben wir gar nicht initiiert. Unsere Leistung war, Veränderungen zu unserem Vorteil zu nutzen. Ich vergleiche unser Management mit einem Schlepper in einem Kanal. Man macht keine großen Schläge, aber man zieht den Dampfer.

          Geben Sie uns bitte ein Beispiel.

          Als ich anfing, gab es drei Fernsehsender. Ein Achtzehnjähriger von heute kann sich das gar nicht vorstellen. Wir haben eine unersättliche Nachfrage nach Programminhalten bekommen. Die Erlöse für die Fernsehrechte an den beliebtesten Sportarten stiegen immer weiter. Sport schafft Publikum. Dazu kommen die neuen Hallen unserer Teams und das Sportmarketing. Als ich in den siebziger Jahren anfing, haben Sportartikelmarken noch nicht mit Athleten geworben. Nike hat Michael Jordan 1984 verpflichtet. Das hat viel verändert.

          Sie haben Ihr Bild vom Basketball durchgesetzt.

          Wir haben, und da sind wir bei Ihrer Frage nach dem IOC, hart darum gekämpft, unsere Marke zu schützen: Was im Fernsehen kommt, was der Sprecher sagt, wie sie uns behandeln. Wir hatten uns gesagt: Niemand schützt uns und niemand entwickelt uns, also tun wir es.

          Deshalb hat die NBA eine eigene TV-Produktionsgesellschaft. Welche Rolle hat das Fernsehen: Journalismus oder Promotion?

          In erster Linie ist das Promotion. Journalismus ist, was jemand anderes tut, indem er über uns berichtet. Wir und unsere Spieler sind für Journalisten sehr zugänglich. Aus Europa höre ich: Wenn wir so über Fußball und Fußballspieler berichten könnten!

          Als Sie anfingen, hatte die NBA ein Drogenproblem. Wie haben Sie das geändert?

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