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Im Gespräch: David Lama und Reinhold Messner : „Dort oben lebe ich als Anarchist“

  • Aktualisiert am

Generationenwechsel: Reinhold Messner (l.) und David Lama Bild: Arno Dejaco

Reinhold Messner und David Lama sind Bergsteiger der Extreme - und unterschiedlicher Generationen. Im Interview während des International Mountain Summit in Südtirol sprechen sie über Abgründe und Groupies, die Todesangst und die Grenzen des Möglichen.

          Reinhold Messner und David Lama sind Bergsteiger der Extreme - und unterschiedlicher Generationen. Im Interview des International Mountain Summit sprechen sie über Abgründe und Groupies, die Todesangst und die Grenzen des Möglichen.

          Reinhold Messner wurden aufgrund von Erfrierungen mehrere Zehen amputiert, was für ein Gefühl bekommen Sie beim Gedanken daran?

          Lama: Ich mag es mir nicht vorstellen. Aber klar ist, dass es das einem wert sein muss. Verletzungen gehören bei uns einfach dazu. Ich hatte meinen ersten Unfall im Berg als kleiner Bub, mit acht Jahren. Ich bin gestürzt, dabei wurde meine Augenhöhle zertrümmert und der Sehnerv beschädigt. Dabei habe ich zwanzig Prozent meiner Sehkraft auf dem linken Auge verloren. Die sind komplett weg, aber so etwas kann eben passieren.

          „Bergsteigen folgt dem Selbsterhaltungstrieb”: Messner hatte 1986 als erster Mensch überhaupt alle 14 Achttausender bezwungen

          Messner: Als meine Zehen erfroren sind, weil ich das Höhenbergsteigen noch mit Lederschuhen betrieb, war das noch alltäglich an den Achttausendern. Diese Treter haben sich mit Wasser vollgesaugt und wurden zu großen Eisklumpen. Sieben Zehen und drei Fingerkuppen mussten ganz oder teilweise amputiert werden. Aber deshalb will ich nicht als Invalide herumlaufen und mich beklagen. Viel schlimmer war der Fersenbeinbruch, den ich bei einem Sturz von der eigenen Hausmauer erlitten habe. Das hat mich mehr eingeschränkt. Deshalb war ich letztlich gezwungen, aus der Grenzgängerei zwischen „möglich“ und „unmöglich“ auszusteigen.

          Welche Rolle spielen in Ihrem Leben Gefahren und Ängste?

          Lama: Die Gefahr ist meine Herausforderung, und die Todesangst ist ein absoluter Teil davon. Kurz vor dem Einstieg in die Wand wird die Angst immer größer, sie ist dann kaum noch zu beschreiben. Aber ich brauche genau dieses Gefühl, weil es eine positive Hilfe zum Überleben ist. Ansonsten würde ich die Risiken überhaupt nicht erkennen und mich einer unverantwortlichen Gefahr aussetzen. Für mich ist ein Bergsteiger ein Realist. Wenn er zu negativ denkt, dürfte er gar nicht einsteigen. Ist er zu optimistisch ist, kommt er früher oder später um.

          Messner: Wir sind keine Helden, sondern ganz normale Menschen. Die Angst ist unser Korrektiv. Sie sagt uns: bis hierher und nicht weiter! Sie wird aber kleiner während des Aufstiegs, weil ich ihr mein Können, meine Kraft und meine Geschicklichkeit entgegensetze. Ich denke nicht an den Tod, wenn ich klettere, aber mein Körper ist sich über die Konsequenzen eines Fehlers bewusst. Ein falscher Griff - und es ist aus. Man spürt den Abgrund unter sich, auch wenn man den Blick nur auf die Hände, die nächsten Griffe fixiert.

          Ist Reinhold Messner ein Vorbild für Sie?

          Lama: Nein. Ich bewundere Reinhold, aber er ist kein Vorbild. Denn das wäre jemand, der etwas gemacht hat, was ich gern machen würde. Aber ich möchte etwas Neues machen, ich möchte selbst gestalten.

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