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Im Gespräch: Basketball-Coach Fleming : „Ich brauche Spieler mit dem Wow-Faktor“

  • Aktualisiert am

„Ich bin begeistert, dass die Bayern da sind“: Bambergs Coach Chris Fleming Bild: dpa

Nach schlechtem Saisonstart in der Bundesliga beginnt für die Baskets Bamberger die Euro League. Trainer Chris Fleming spricht vor dem Heimspiel gegen Straßburg (20 Uhr) über hartes Training, gute Scouts und einen Profi mit Kräften wie Superman.

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          Der Basketballspieler Chris Fleming kam mit 24 Jahren vom College nach Deutschland. Er spielte für die Artland Dragons in Quakenbrück, trainierte sie, stieg mit ihnen in die erste Liga auf und gewann mit ihnen den Pokal. Inzwischen lebt er seit 19 Jahren in Deutschland und ist seit fünf Jahren Trainer der Brose Baskets Bamberg. Viermal hat er mit ihnen die Meisterschaft gewonnen, dreimal den Pokal. An diesem Mittwoch (20.00 Uhr) beginnt für Fleming und seine Mannschaft mit der Partie gegen Straßburg die Euro-League-Saison.

          Vier Spiele, zwei Niederlagen – ist das nur ein holpriger Kaltstart, oder lässt das schon Prognosen für den Verlauf der Saison zu?

          Prognosen für Juni schon im Oktober zu machen, ist das gute Recht der Medien. Wir bleiben in der Gegenwart und glauben nach wie vor an uns. Offensichtlich haben wir noch Verbesserungsbedarf.

          Wir, die Medien, hatten schon in der vergangenen Saison den Wachwechsel zu Bayern erwartet. Sie haben ihn mit dem Erfolg über die Münchner im Play-off-Halbfinale verhindert. Wie lautet das Bamberger Rezept?

          Die Kontinuität, die wir im Kern behalten haben, war extrem wichtig. Wir haben die richtigen Typen.

          Sie sprechen von John Goldsberry, Casey Jacobsen und Anton Gavel, die alle auch in dieser Spielzeit dabei sind. An Goldsberry halten Sie trotz schwerer Verletzungen schon lange fest ...

          John ist ein außerordentlicher Mensch, der manchmal Kräfte hat wie Superman. Als er sich im Februar am Knie verletzt hatte, dachte ich, dies sei das Ende für ihn. Und dann kommt er zurück und ist in allen Halbfinal- und Finalspielen Starter und managt jedes am Schluss. John hat einen Siegeswillen, der nicht messbar ist; er ist extrem und außerordentlich. Er macht die Mannschaft intern stark. Er lebt vor, was er erwartet, und er pfeift auch schon mal Leute zusammen, so, dass sie das akzeptieren.

          Was macht Jacobsen so wichtig?

          Casey hat einen starken Selbstglauben und eine sehr gute Selbsteinschätzung: Was kann ich, und was kann ich nicht? Er hat all die wichtigen Situationen im Spiel so oft erlebt, er weiß, wie er damit umgehen kann. Er ist der beste Spieler, den ich je hatte, im Hinblick darauf, seine Kräfte einzuteilen – im Training, im Spiel und über die Saison. In sechs Saisons in Deutschland hat er fünf Meisterschaften gewonnen und viermal den Pokal. Das kommt nicht von ungefähr.

          Beide haben das, was sie können, mitgebracht nach Bamberg, Jacobsen auch seine Erfahrung aus der NBA. Der Dritte im Bunde ist in Bamberg zu dem geworden, der er heute ist: Anton Gavel.

          Ich kennen keinen Spieler, der von Mitte bis Ende zwanzig einen solchen Entwicklungssprung gemacht. Sein Arbeitseinsatz ist gewaltig; sein Wille, zu zeigen: Das war nicht alles, eigentlich bin ich besser. Er legt die Latte ständig ein bisschen höher. Als er jung war, konnte er nicht werfen. Das war okay. Aber er hat den Willen, seinem Coach zu zeigen, dass er es kann. Er arbeitet systematisch daran. Für mich war Anton, bei allem Respekt vor John Bryant, der wertvollste Spieler der Bundesliga in den vergangenen zwei Jahren.

          Es wird über seinen Wechsel zu Bayern München nach der Saison spekuliert. Bedeutet das, jetzt schon Ersatz zu suchen?

          Tono hat jedes Jahr gesagt: Nach der Saison reden wir. Damit sind wir immer gut gefahren. Wenn diese Saison vorbei ist, werden wir ihm natürlich einen Vertrag anbieten in der Hoffnung, dass er bleibt. Wenn er das aber nicht tut, würde ich ihn umarmen und mich bei ihm bedanken. Er hat so viel für Bamberg getan, so viel investiert: Wenn er gehen möchte, ist das seine Entscheidung. Ich glaube, dass wir als Mannschaft und auch die Medien ihn respektieren müssen. Lasst ihn seine Saison spielen! Tono ist ein besonderer Spieler und ein besonderer Mensch. Wenn es nach mir ginge, könnte er in Bamberg bleiben, solange er will.

          Vier Meistertitel gewann er als Trainer mit den Baskets aus Bamberg

          Bei der Ergänzung Ihrer Mannschaft hat man Jahr für Jahr den Eindruck, dass Sie Spieler holen, die sich bei großen Teams ins Gespräch bringen wollen. Ist das Ihr Prinzip?

          Unser Scout Brandon Rooney macht gute Arbeit. Ich persönlich brauche, um die letzte Entscheidung treffen zu können, eine emotionale Verbindung zu dem Spieler.

          Sie müssen ihn mögen?

          Ich muss ihn nicht lieben als Mensch, aber bestimmte Sachen müssen mich begeistern. Er muss den Wow-Faktor haben.

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