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Im Gespräch: Arthur Abraham : „Wir Boxer sind Roboter“

  • Aktualisiert am

Der 30 Jahre alte Arthur Abraham will noch drei oder vier Jahre boxen Bild: Photowende

Supermittelgewichtler Arthur Abraham boxt am Samstag (23.15 Uhr) gegen den Engländer Carl Froch. Er will das Super-Six-Turnier gewinnen. Im FAZ.NET-Interview spricht Abraham über grausame Kämpfe, die Qualen im Training und Flugzeuge als Geldanlage.

          4 Min.

          Arthur Abraham und der Engländer Carl Froch boxen am Samstag (23.15 Uhr) in Helsinki um den WM-Gürtel des Verbandes WBC im Supermittelgewicht. Zwischen 2005 und 2009 war Abraham Weltmeister im Mittelgewicht. Danach legte der gebürtige Armenier seinen Titel nieder und stieg ins Supermittelgewicht auf. Im Rahmen des Super-Six-Turniers kassierte der in Berlin lebende Abraham Ende März gegen den Amerikaner André Dirrell im 32. Profikampf seine erste - umstrittene - Niederlage.

          Sie sind 30 Jahre alt. Kann sich ein erfahrener Kämpfer wie Sie noch verbessern?

          Man muss sich immer verbessern, das gilt für jeden. Auch für Sie.

          Abraham: „Entscheidend ist nicht mehr das Finanzielle, entscheidend ist das Gefühl, wenn du vor 15.000 Leuten im Ring stehst und ihre Hände nach oben gehen”

          In unserem Alter...

          Doch natürlich. Sie müssen sich auch immer verbessern. Sie müssen heute bessere Fragen stellen als gestern.

          Na, dann: Wie viele Flugzeuge besitzen Sie?

          Eines. Aber da werden noch ein paar dazukommen.

          Sie werden mit dem Satz zitiert, Sie wollten mit 40 Jahren 50 Millionen Euro verdient haben. Mit Kampfbörsen allein werden Sie das kaum schaffen. Worin investieren Sie, außer in Flugzeuge?

          Ich habe zwei Leute, die mich beraten, einen Anwalt und einen Steuerberater. Ohne sie unterschreibe ich nichts. Wir investieren in Immobilien, wir haben eine Fluglinie gegründet und arbeiten mit einem Charterunternehmen zusammen. Ich habe damit aber nicht viel zu tun, ich schaue am Ende des Monats, wie oft die Maschine geflogen ist, das ist alles. Ich arbeite nicht in diesem Unternehmen, meine Arbeit ist ausschließlich das Boxen.

          Woran arbeiten Sie, um besser zu werden?

          Ich muss noch explosiver werden, noch konsequenter. In manchen Situationen warte ich zu lange, da muss ich den Gegner früher angreifen. Das sind Kleinigkeiten, die nur professionelle Beobachter erkennen. Kleinigkeiten, die entscheidend sind.

          Woher kommt diese anfängliche Zurückhaltung, mit der Sie viele Ihrer Kämpfe bestritten haben?

          Ich weiß nicht, manchmal denke ich, es kommt vom Radfahren. Ich habe ja als Rennradfahrer begonnen und war in der Jugend Nordbayerischer Meister. Bei Radrennen fängt man immer langsam an, versucht seine Kräfte, solange es geht, zu sparen. Das verinnerlicht man als Rennfahrer, und vielleicht ist das in meinem Körper und in meinem Charakter geblieben.

          Den letzten Kampf im Super-Six-Turnier gegen den Amerikaner André Direll haben Sie durch Disqualifikation verloren. Sie sollen den knieenden Gegner K. o. geschlagen haben. Akzeptieren Sie das Urteil als Niederlage?

          Es steht auf dem Papier, insofern ist es eine Niederlage. Aber ich glaube, Direll hat geschauspielert. Er ist ein typischer Amerikaner, mehr brauche ich nicht zu sagen. Es gibt eben einige Amerikaner, die sind als Schauspieler geboren.

          Sie lagen nach Punkten weit zurück. Hätte Ihnen die Zeit noch gereicht für einen K.-o.-Sieg?

          Ich glaube schon. Ich hatte noch zwei Runden, und die meisten meiner K.-o.-Siege habe ich gegen Ende der Kämpfe erreicht.

          Was ist mit dem Schwergewicht los? Während es in Ihrer Gewichtsklasse viele Topathleten gibt, prügeln die Klitschkos nur noch Dilettanten durch den Ring. Gegen wen sollen sie boxen?
          Wen sollen sie finden? Leider haben sie keine Gegner mehr und müssen gegen Opfer boxen.

          Warum sitzen trotzdem Millionen vor dem Fernseher, um zuzuschauen, wie Witali Klitschko den Amerikaner Shannon Briggs verprügelt, den Graziano Rocchigiani „einen lebenden Sandsack“ nennt?

          Weil die Klitschkos eine gute Show daraus machen.

          Der Kampf gegen Briggs hat Diskussionen ausgelöst, weil der Ringrichter ihn nicht abgebrochen hat. Klitschko hat seinen überforderten Gegner ins Krankenhaus geschlagen. Ist das noch Boxsport, ist das noch vertretbar?

          Die Leute reden darüber. Wenn man den Kampf gestoppt hätte, hätten sie gesagt: Langweilig, nach ein paar Schlägen war es schon zu Ende. Aber jetzt ist es interessant für die Leute. Es ist ein Thema.

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